Peter Salmann blickt auf ein spannendes Verleger-Leben zurück
„Ins kalte Wasser gesprungen“

Münster/Warendorf -

Wenn Peter Salmann, der langjährige Verleger des Schnell-Verlages Warendorf, auf sein Leben zurückblickt, dann schaut er zugleich – wie andere Menschen auch – auf das Ambivalente, das Doppeldeutige, vielleicht auch Widersprüchliche. Zwei Jahre hat er als Privatier nachgedacht, zurückgeblickt, gewichtet und geschrieben. Auf 352 Seiten berichtet er ebenso ernst wie augenzwinkernd über ein spannendes Verleger-Leben zwischen Büchern und Vorträgen, Autoren und Lesern, Erfolgen und Niederlagen, auch über private Stunden zwischen Gold und Blei.

Sonntag, 30.12.2018, 15:55 Uhr
Verleger Peter Salmann hat sein Leben niedergeschrieben: für seine Familie, für Wegbegleiter für Leser spannender Lebensgeschichten. Der vieldeutige Titel lautet: „Petrus, der Fehlbare“. Foto: Jürgen Christ

Schon sein Geburtstag hat es in sich. Am 10. Oktober 1943, als Alt-Münster im Bombenhagel der Alliierten untergeht, kommt in Warendorf Peter Salmann zur Welt. In dem Sprössling einer angesehenen Familie schlummern Talente. Doch da kämpfen widerstrebende Naturen in der Brust. Hier das Interesse am Schöngeistigen. Dort der Hang zum Kaufmännisch-Rationalen. Hier der Wunsch nach geistiger Erbauung, dort der Schlendrian des jungen Schülers.

Salmann schildert sein Leben in der dritten Person und nennt seinen Protagonisten P. – wie Peter. Nicht umsonst taucht sein Namenspatron im Titel „Petrus, der Fehlbare“ auf. Dem Apostelfürsten fühlt sich Salmann, der in allen Wandlungen des Lebens ein gläubiger Christ geblieben ist, verbunden. Wohl vor allem wegen der selbst empfundenen Wankelmütigkeit, die dennoch in große Verantwortung führte.

Der eigene Onkel, ein in Warendorf geschätzter Intellektueller und katholischer Verleger, holt den in Schule und Ausbildung eher sperrigen jungen Mann in den Verlag. Da knallte es mehrfach, wie Salmann schildert. Hier der Schöngeist, dort der Kaufmann Salmann: Das musste Konflikte geben – und doch brachte der vielseitig ausgebildete junge Mann mit Ende 20 den Verlag auf einen neuen, erfolgreichen Kurs.

Es sind viele biografische Details, die den Leser, der Menschelndes liebt, bei dieser Lektüre fesseln. Die Quinten und Querelen des Pennälers, der schon gar nicht im Internat in Büren zu bändigen ist. Der Junge, dessen Vater im Krieg geblieben ist, überfordert die gutmütige Mutter, ärgert den Onkel, und doch läuft sich auf krummen schulischen Pfaden einiges zurecht. Am 1. Februar 1972 übernimmt Salmann den seit 1834 existierenden Schnell-Verlag und führt ihn erfolgreich über 44 Jahre. Aufs Ganze gesehen macht Peter Salmann im Gespräch den Eindruck, dass er mit seinem Leben als Verleger zufrieden ist. Er nennt mit Blick auf die verlegerische Tätigkeit „drei Säulen“, die für drei Autorennamen stehen. Mit dem Drensteinfurter Dr. Werner Bockholt gab er eine erfolgreiche Reihe literarischer Kochbücher, Weimarer Klassik und Westfalica heraus, der frühere Glocke-Chefredakteur Dr. Ulrich Gehre reüssierte über 40 Jahre mit Regionalgeschichte(n) und Wilhelm-Busch-Publikationen, und der Berliner Autor Klaus Tudyka schrieb für den Schnell-Verlag eine Reihe mit erfolgreichen Goethe-Büchern.

Als Gesellschafter sowie Autor beim „Westfalium-Verlag“ greift der Alt-Verleger auch selber gern zur Feder. Seine beliebte „Rauchstunde“ ist eine feste Kolumne, in der Salmann – zu sehen im blauen Dunst einer Zigarre – über Land, Leute und Zeitläufte nachdenkt.

Peter Salmanns Leben ist nicht ohne schwere Schicksalsschläge geblieben. Der Tod seiner zweiten Frau nach 20 glücklichen Jahren bildete eine schmerzhafte Zäsur. Sein Cousin, der Benediktiner und Theologieprofessor Dr. Elmar Salmann, bildete fortan seine geistliche Stütze. Die Ruhe des Klosterlebens sowie die Lebensklugheit der Benediktiner sprechen den Verleger an. Es kommt nicht von ungefähr, dass Salmann in seinem Buch stets den Blick für philosophisch-theologische Grundsatzfragen über Liebe und Leid weitet.

Sein Buch ist zugleich ein Dokument der Lebensgeschichte eines Vertreters der Nachkriegsgeneration, ein Lebenslauf der „nicht 08/15 ablief“, wie Salmann schmunzelt. Für seine Familie, aber auch für die vielen Wegbegleiter hat er es geschrieben. Nach lebensbedrohenden Operationen hält sich Salmann wieder mit Schreiben, Klavierspielen, Studium im Alter, Golf, Garten und Tennis fit. In seiner Kolumne „Rauchstunde“ im „Westfalium“-Heft meldet er sich weiter zu Wort.

Zum Thema

Peter Salmann: Petrus, der Fehlbare. Das Leben eines westfälischen Verlegers. Westfalium-Verlag, 352 Seiten, 20 Euro.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6288536?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F3825912%2F
Rüffel aus Düsseldorf für den Polizeichef
Münsters Polizeipräsident Hajo Kuhlisch
Nachrichten-Ticker