Eva Scheurer und Rudolf Kowalski lesen bei Weverinck
„Bannentaum und Kichterlette“

Münster -

Weihnachtsfreude mal ganz anders: Beim Weverinck-Abend brennen Eva Scheurer und Rudolf Kowalski im Kleinen Haus des Theaters Münster mit großer Spielfreude ein festliches Feuerwerk ab. Das erinnert nicht von ungefähr an Loriots beste Zeiten.

Sonntag, 09.12.2018, 14:40 Uhr aktualisiert: 09.12.2018, 17:08 Uhr
Brannten mit großer Spielfreude ein freches, ironisches Feuerwerk zu Weihnachten ab: Eva Scheurer und Rudolf Kowalski. Foto: pn-

Sogar der immergrüne Nadelbaum hat einen Platz auf der Bühne gefunden. Er ist dermaßen mit Lametta behängt, dass er optisch fast zu kippen droht. Auch der Flügel ist mit Silberfäden geschmückt. Der Feuerlöscher darunter bleibt aber sichtbar, so dass er den Zuschauern im fast voll besetzten Kleinen Haus Sicherheit vor weihnachtlichen Katastrophen suggeriert – von denen das Schauspieler-Ehepaar Rudolf Kowalski und Eva Scheurer bei seinem heiteren Weverinck-Abend „Alle Jahre schon wieder“ unzählige im Gepäck hat.

Dass hier gleich ein Feuerwerk der frechen, ironischen Art abbrennt, lässt schon die Begrüßung ahnen. Kaum hat der münsterische Pianist Jürgen Bleibel seine Einstimmung beendet, stürmen die beiden, je eine Kerze in der Hand, auf die Bühne. Um sogleich das Publikum einzubinden, das fortan den Chor geben muss. „Ach, ist der schön“ lautet die Zeile, die immer dann erschallt, wenn es um den Tannenbaum geht.

Die Lesung des Paares in der Adventszeit ist indes alles andere als leise, friedlich oder besinnlich. Das garantieren schon die klug ausgewählten Gedichte und Erzählungen von Hanns Dieter Hüsch, Robert Gernhardt, Herbert Rosendorfer und Co. Kowalski und Scheurer lesen abwechselnd oder mit verteilten Rollen. Etwa bei Jan Weilers heiterer Erzählung vom „Christbaumfrevel“, bei der Scheurer den Italiener Antonio spricht, der den Erzähler zum Baumklau anstiftet. Später, beim Ausschnitt aus Ulla Hahns Roman „Das verborgene Wort“, springt die Schweizerin dann aufs Rheinländische um.

Das Zusammenspiel der beiden untereinander, aber auch mit Bleibel, der die Lesung mit swingenden Weihnachtsliederklassikern auflockert, ist ein Genuss. Dass hier zwei grandiose Sprecher mit unbändiger Spielfreude am Werk sind – keine Frage. Und spätestens bei der Episode mit der lustigen Buchstabenverdrehung, wenn aus Tannenbaum Bannentaum und aus Lichterkette Kichterlette wird, ist klar, dass hier Profis am Werk sind, die ihre Texte zu 100 Prozent beherrschen.

Mit Schauspieler Walter Sittler sitzt überraschend ein prominenter Zuhörer und Freund der beiden im Publikum, der später von einem „wunderbar komponierten Programm“ schwärmen wird. Vorher aber gilt es, Kowalski in Bestform zu erleben – bei der kruden Geschichte vom Chef, der wegen Schneematsch verspätet ins Büro kommt und eine groteske Kettenreaktion auslöst, die sich ins Inferno steigert. Kowalski trägt dies mit ebensolcher sprachlicher Wucht vor. Höchste Loriot-Schule, möchte man rufen. Doch es würde im donnernden Applaus wohl untergehen.

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