Musik im Blut
„Heimspiel“ auf dem Schützenplatz

Milte -

„Musik ist auch Völkerverständigung“, sagt Markus Rupe, der mit dem Luftwaffenmusikkorps die Welt bereist. Schon früh stand für den Milter fest, dass er Militärmusiker werden würde. Da allerdings hatte er die Rechnung ohne seinen Vater gemacht, der seinem Sohn riet, erst mal etwas Anständiges zu lernen.

Donnerstag, 20.06.2019, 11:00 Uhr
Trompete spielen hat Markus Rupe im Fanfarencorps Milte gelernt. Trompete und Klavier studierte er an der Musikhochschule. Heute ist er Mitglied im Luftwaffenmusikkorps in Münster. Foto: Joke Brocker

Wer in den 70er- und 80er- Jahren in einem Dörfchen wie Milte aufwuchs, pflegte seine Freizeit wahlweise auf dem Fußballplatz oder in einem der örtlichen Musikvereine zu verbringen. Markus Rupe machte beides. Er kickte und ließ sich, gerade einmal acht Jahre alt, von Max Brügge an der Trompete ausbilden. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Andreas musizierte er fortan im Fanfarencorps Milte, später in der Brinkhaus-Werkskapelle, in der Stadtkapelle Warendorf, die er von 2004 bis 2017 leiten sollte, und schließlich in diversen Top-40-Bands. Schon früh stand für Rupe fest, dass er Militärmusiker werden würde. Da allerdings hatte er die Rechnung ohne seinen Vater gemacht, der seinem Sohn riet, erst mal etwas Anständiges zu lernen. Markus Rupe wurde Metallbauer. Doch dessen Herz schlug selbst beim Schweißen, Nieten und Schrauben für die Musik. Vor genau 20 Jahren meisterte der damals 26-Jährige, der wegen der Drittsohn-Regelung eigentlich vom Wehrdienst freigestellt war, ein Vorspiel beim Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr in Hilden. Der Unteroffizierslaufbahn bei der Bundeswehr stand nichts mehr im Wege.

Vier Jahre später kam er seinem Traumberuf ein weiteres Stück näher, als er ein Studium an der Hochschule für Musik in Münster aufnahm. Trompete im Hauptfach, Klavier im Nebenfach. Das Studium beendete er mit der künstlerischen Reifeprüfung als Diplom-Musiker. Nach einem weiteren erfolgreichen Probespiel kehrte Markus Rupe in den Schoß der Bundeswehr zurück, spielte zunächst zwei Jahre im Heeresmusikkorps in Kassel, um schließlich zum Luftwaffenmusikkorps nach Münster zu wechseln – und erneut zu studieren. Instrumental-Pädagogik. Obendrein absolvierte er eine Dirigat-Ausbildung in Trossingen. „Ich bin also gut aufgestellt, falls das zivile Leben mal wieder ruft“, versichert der Vater dreier Kinder, sieben, neun und elf Jahre alt.

„Musik ist auch Völkerverständigung“, sagt der Miles-Davis-Fan, der mit dem Luftwaffenmusikkorps die Welt bereist. Erst kürzlich spielten die Musiker beim Gedenken zum 75. Jahrestag des D-Day in der Normandie. Auch an Botschaftsempfängen in den USA (anlässlich des Tages der Deutschen Einheit), in Paris oder Zürich (anlässlich des Volkstrauertages) oder Militärmusik-Shows in Kanada sowie Tourneen durch Saudi-Arabien, Bahrain oder Russland hat Rupe mit seiner Trompete schon teilgenommen. „Letztes Jahr war ich sieben Wochen im Ausland“, erzählt der 46-Jährige, der bei der Bundeswehr nicht nur für den guten Ton sorgt, sondern als ausgebildeter Sanitäter auch eine militärische Aufgabe hat.

Natürlich führen die Reisen des Luftwaffenmusikkorps immer wieder auch in Kriegs- und Krisengebiete. Ob Kosovo, Afghanistan oder Bosnien, die Musiker würden überall von ihren Kameraden herzlich aufgenommen, erzählt der Hauptfeldwebel.

Auch wenn es mitunter belastende Momente gebe, etwa, wenn einem verstorbenen Kameraden ein letzte militärischer – und musikalischer – Gruß erwiesen werde – könne er behaupten, seinen Traumberuf ergriffen zu haben, sagt Rupe, der sich wie Bolle auf einen ganz besonderen Auftritt freut. Dieser führt ausnahmsweise nicht nach Singapur, Halifax oder Quebec, sondern am 26. Juni auf den Milter Schützenplatz. Ein Heimspiel also für Rupe, der mit der rund 20-köpfigen Egerländer-Besetzung des Luftwaffenmusikkorps anreist.

„Es ist wohl das erste Mal, dass eine Militärkapelle in Milte auftaucht“, meint er schmunzelnd und bewundert den Einsatz der Organisatoren der Arbeitsgemeinschaft Umwelt und Verkehr im Arbeitskreis Milter Bürger, die sich im zehnten Jahr ihres Bestehens mit diesem Benefizkonzert bei den Miltern bedanken möchten.

„Das wird ein schöner, gemütlicher Abend“, ist er überzeugt. Als langjähriger Leiter des Kur-Orchesters von Bad Waldliesborn versteht er sich glänzend aufs Moderieren und wird daher durch das Programm, eine „gute Mischung böhmischer und mährischer Musik“, führen. Die Konzertbesucher müssen sich nur entspannt zurücklehnen und gepflegte Blasmusik genießen.  

► Karten gibt es im Vorverkauf für 10 Euro im Raiffeisenmarkt und im Landhandel Reckhorn. Die Tickets an der Abendkasse kosten 12 Euro.

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