Verschwindende Verkaufsart
Es gibt noch Kaugummiautomaten

Warendorf -

Früher waren Kaugummi-Automaten für Kinder das Ü-Ei an der Wand. Inzwischen muss man zwar schon noch ein bisschen länger suchen, aber noch gibt es einige von ihnen.

Dienstag, 11.06.2019, 06:30 Uhr aktualisiert: 11.06.2019, 18:14 Uhr

Was waren das romantische Zeiten, als aus dem Kaugummi-Autmaten mit etwas Glück für zehn Pfennig ein Ring herauskam, mit der die erste große Liebe im Grundschulalter besiegelt wurde. Gute Grundschulfreundschaften gibt es noch. Aber die Sache mit dem Kaugummiautomaten ist deutlich schwieriger geworden.

Hingen sie früher an jeder Ecke, sind sie heute nur noch sehr selten zu finden. Milte scheint dabei fast eine Hochburg, dort gibt es gleich sieben Automaten an zwei Standorten. Vier davon an einem Fahrradgeschäft, niedrig in Höhe von Kinderaugen unter einem Fahrradschlauch-Automaten angebracht. Schön sehen diese Geräte nicht aus, ob sie überhaupt noch genutzt werden? Danach sieht es nicht aus. Sie sind prall gefüllt, schmutzig, leicht verrostet und irgendwie unappetitlich.

An öffentlichen Gebäuden garantiert nicht.

Holger Niemeyer vom städtischen Ordnungsamt wüsste jedenfalls davon

Aber die Funktion ist noch die alte. Geld einwerfen, den Schalter drehen und schon landet unten im Fach die Ware. Die bunten Kaugummi-Kugeln sind für 20 Cent zu haben. Gemeinsam mit einem Mini-Radiergummi oder einem kleinen Spielzeug – hygienisch und umweltunfreundlich in einer Plastikkugel verpackt. Für 50 Cent gibt es direkt nebenan Festival-Bändchen, ohne auf einem Festival gewesen zu sein. Ein Euro kostet in einem weiteren Automaten die LED-Leuchtkugel mit Emoji-Motiven. Ein paar Meter weiter an einem Getränkehandel hängen die nächsten drei Geräte – unter einem Kondomautomaten. Für 20 Cent gibt es dort Kaugummis oder Silikon-Armbänder, gleich daneben, zum stolzen Preis von 50 Cent, Piratenbilder. Wer doppelt so viel investiert und einen Euro in den Schlitz steckt, bekommt Freundschaftsbänder mit fünf verschiedenen Modulen zum Sammeln und Tauschen. An den kleinen romantischen Ring aus alten Zeiten reichen die aber bei Weitem nicht heran.

50 Cent für einen Stapel Piratenbilder

Wer stellt solche Automaten heute noch auf? Und : Lässt sich damit wirklich etwas verdienen? Geben Kinder dort wirklich ihr Taschengeld aus? Der Betreiber war weder schriftlich noch telefonisch zu erreichen. Wo diese nostalgischen Geräte außerdem in der Stadt hängen, war nicht in Erfahrung zu bringen. „An öffentlichen Gebäuden garantiert nicht“, sagt Holger Niemeyer vom städtischen Ordnungsamt, der von der Frage nach den Kaugummi-Automaten sehr überrascht war. „Dann wüssten wir darüber Bescheid.“

Laut Internetseite der Betreiber werden die kleinen roten Kisten an Privathäusern angebracht und der Eigentümer am Umsatz beteiligt. Zwischen zehn bis 100 Euro Umsatz pro Jahr, schätzt ein Mitarbeiter des Verbandes für Automaten-Fachaufsteller. Davon sind Steuern und die Provision für den Hausbesitzer abzuziehen – reich wird damit sicher niemand. Für die erste große Liebe ist das auch nichts mehr. Mit einem Piratenbild oder einem Radiergummi lässt die sich nicht wirklich für ewig besiegeln.

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