Versteigerung des Inventars bringt Geld und Emotionen
Mr. Ed's: Tausende Euros für Erinnerungsstücke

Warendorf -

„Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten – verkauft!“ Am Donnerstag- und Freitagabend wurden Großteile des Inventars des Mr. Ed‘s versteigert.

Freitag, 28.12.2018, 19:30 Uhr aktualisiert: 28.12.2018, 19:38 Uhr
Julian Gründken (l.) half Lea Kösters, Vanessa Pawlewski und Ann-Descha Stax (v.r.) beim Tragen des von den Frauen ersteigerten Schildes. Ralf „Ralle“ Friedrich (2.v..l.) war mehr als zufrieden mit der Resonanz der Versteigerung. Foto: Jonas Wiening

Dutzende Menschen drängten sich schon späten Donnerstagnachmittag ins Ed‘s. Da die Kultkneipe zum Ende des Jahres schließt, entschloss sich Inhaber Ralf „ Ralle “ Friedrich kurzerhand, die Dekoration und Teile des Inventars unter dem Hammer zu bringen. Ines Jörgens , langjährige Mitarbeiterin, stieg auf den Tresen und mimte die Auktionatorin, wie sie auch Christie‘s oder Sotheby‘s nicht besser hätten stellen können.

Johann Harder und Jesko Otten kamen von weither angereist. Sie hatten es auf einen Kontrabass abgesehen. Über 500 Euro zahlten die beiden Musikliebhaber am Ende für das Instrument. „Das ist es uns wert“, meinten die beiden, die gemeinsam in einer Band spielen.

„Der Kult stirbt aus. Ich bin oft hier gewesen und wollte mir unbedingt ein Erinnerungsstück sichern“, meinte Andreas Schlüter, der sich zwei Holztonnen für den Garten ersteigerte.

Ralf „Ralle“ Friedrich und sein Mr. Ed‘s

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  • Ralf „Ralle“ Friedrich – eine Warendorfer Kultfigur.

    Ralf „Ralle“ Friedrich – eine Warendorfer Kultfigur.

    Foto: privat
  • Vermieter Alfons Buddenkotte hat dem besiegelten Aus des Ed‘s aus Protest die Fassade „vernageln“ lassen. Noch steht immer nicht fest, was mit der Immobilie nach dem 1. Januar 2019 passiert.

    Foto: Jonas Wiening
  • R.I.P Mr. Eds. Dieser Grabstein und die vielen Fotos in der Kultkneipe zeigen die Trauer der Menschen.

    Foto: Jonas Wiening
  • Vor 2014 war das Mr. Ed‘s noch auf der anderen Straßenseite, dort wo jetzt die „Alte Frieda“ beheimatet ist, angesiedelt.

    Foto: Vornhusen
  • Karneval war auch im Ed‘s immer ein großes Ding.

    Foto: privat
  • Das Mr. Ed‘s galt als „die letzte Tankstelle vor dem Heimweg“.

    Foto: Edler
  • Vor wenigen Wochen ist versucht worden ins Mr. Ed‘s einzubrechen.

    Foto: Verschiedene
  • „Die Chefs der Warendorfer Glasfirma sind auch Kunden des Ed‘s. Die haben mir direkt eine neue Scheibe eingebaut. Das war super“, freut sich Ralle.

    Foto: Verschiedene
  • Seit 1992 ist Ralle Gastronom mit Leib und Seele.

    Foto: privat
  • Bürgermeister Axel Linke nahm hier eine Liste mit über 1000 Unterschriften für die Kultkneipe von Mit-Initiator Christian Havelt entgegen. Gebracht hat es nichts. Ralle ist nicht gut zu sprechen auf Bürgermeister Axel Linke, Baudirektor Peter Pesch und die Stadtverwaltung.

    Foto: Michèle Waßmann
  • Das Ed‘s wird (fast) allen Warendorfern fehlen.

    Foto: Jonas Wiening
  • Bis zum 31. Dezember zapfen Ralle und sein Team noch. Danach ist Schluss.

    Foto: Jonas Wiening
  • Ralf Friedrich hat schon seit einiger Zeit einen neuen Job als Disponent bei einem Personaldienstleister in Beckum.

    Foto: Jonas Wiening
  • Viel Live-Musik – ein Markenzeichen der Kultkneipe.

    Foto: Marion Bulla
  • In Warendorf kennt eigentlich jeder Ralle.

    Foto: privat
  • Die Küche im Ed‘s ist der Raucher- und Partyraum.

    Foto: privat
  • Ralle will trotz seiner neuen Arbeit in Beckum, Warendorf treu bleiben und weiter in der Emsstadt wohnen.

    Foto: privat
  • Dieses Schild verbinden viele sofort mit dem Ed‘s.

    Foto: Jonas Wiening
  • Ralle und „seine“ Frauen: Die Ed‘s-Mitarbeiterin lieben ihren Chef!

    Foto: privat
  • Bald wird wohl der Schriftzug verschwinden....

    Foto: Jörg Pastoor
  • ...und die Lichter der Kultkneipe gehen endgültig aus.

    Foto: Jörg Pastoor

Besonders angefixt waren auch Hanna Hellweg, Vanessa Pawleswski, Ann-Descha Stax und Lea Kösters. Für die vier Freundinnen war das Ed‘s wie ihr zweites zu Hause. Mehrmals die Woche ließen die vier jungen Frauen den Tag in der Kultkneipe ausklingen. Für ihre neue Wohngemeinschaft sicherten sie sich ein meterhohes Holzschild mit Aufschrift.

Die Gäste im Ed‘s überboten sich im Sekundentakt.

Viele wollten sich ein Erinnerungsstück sichern, andere kauften Stücke einfach aus Verbundenheit, schließlich kann Ralf „Ralle“ Friedrich das Geld gut gebrauchen. Denn der Kampf ums Eds hat ihn viel gekostet. Nach eigenen Angaben zahlte er für den Gerichtsprozess, den die Nachbarn angestrengt hatten, einen hohen fünfstelligen Betrag.

„Ich bin total überrascht, dass so hohe Preise für Deko und Co. gezahlt wurden. Aber das freut mich“, meinte Ralle, der in den letzten Wochen jeden Tag eine volle Kneipe hatte. Am Donnerstagmorgen habe er um halb acht noch Gäste angetroffen, die aus Trauer um das Ed‘s einige Tränen verdrückt haben. Am 31. Dezember heißt es dann endgültig Abschied nehmen.

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