„Unterwerfung“ im Theater am Wall
Erschreckende Zukunftsvision

Warendorf -

In der Mitte der Bühne war ein überdimensionales Sofa als Zeichen des gutbürgerlichen Denkens aufgebaut, auf dem sich die ganze Handlung abspielte. Der gescheiterte und als verfallene westliche Europäer dargestellte Hochschullehrer wurde gleich von vier Schauspielern verkörpert. Maximilian von Ulardt, Mario Thomanek, Burghard Braun und Franziska Ferrari boten mit exquisiter Schauspielkunst einen tiefen Einblick in das Seelenleben dieses eigentlich bedauernswerten Menschen. Aber auch die anderen Personen dieses futuristischen Dramas „Unterwerfung“ wurden glänzend zum Leben erweckt.

Mittwoch, 21.03.2018, 17:03 Uhr

Der gescheiterte und als verfallene westliche Europäer dargestellte Hochschullehrer wurde gleich von vier Schauspielern verkörpert. Maximilian von Ulardt, Mario Thomanek, Burghard Braun und Franziska Ferrari boten mit exquisiter Schauspielkunst einen tiefen Einblick in das Seelenleben dieses eigentlich bedauernswerten Menschen. Mit dem zeitgenössischen Stück „Unterwerfung“ nach dem Roman von Michel Houellebecqs zeigte sich das Theater am Wall einmal mehr am „Puls der Zeit“. Foto: Axel Engels

Mit dem zeitgenössischen Stück „Unterwerfung“ nach dem Roman von Michel Houellebecqs zeigte sich das Theater am Wall einmal mehr am „Puls der Zeit“. Dieser schon am Tag seiner Veröffentlichung, dem Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ umstrittene Roman wirkte unglaublich aktuell in der Inszenierung von Gert Becker vom Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel. Mit seiner fiktiven Zukunftsversion eines muslimisch regierten Frankreich provozierte dieses Schauspiel sicherlich, gerade im Angesicht einer immer radikaleren Gesellschaft.

In der Mitte der Bühne war ein überdimensionales Sofa als Zeichen des gutbürgerlichen Denkens aufgebaut, auf dem sich die ganze Handlung abspielte. Der gescheiterte und als verfallene westliche Europäer dargestellte Hochschullehrer wurde gleich von vier Schauspielern verkörpert. Maximilian von Ulardt, Mario Thomanek, Burghard Braun und Franziska Ferrari boten mit exquisiter Schauspielkunst einen tiefen Einblick in das Seelenleben dieses eigentlich bedauernswerten Menschen. Aber auch die anderen Personen dieses futuristischen Dramas wurden glänzend zum Leben erweckt.

Dabei ging es in dieser Gesellschaftssatire um existenzialistische Grundfragen. Denn wofür lebt man , wenn man mit der Freiheit nichts mehr anfangen kann, wenn die dekadente westliche Lebensart jeglicher Transzendenz beraubt nur noch als Hülle existiert, in der rechte Gruppierungen wie der „Front National“ dann mit öffentlichkeitswirksamer Propaganda ihr Unwesen treiben können?

In aller sexistisch überzogenen Selbstdarstellung des Hochschullehrers kam die überall um sich greifende Dekadenz klar zum Tragen. Die Gleichgültigkeit als Auslöser der politischen Entwicklung im Angesicht eines muslimisch regierten Frankreichs wurde in den Mittelpunkt gestellt, wobei die vier Schauspieler gekonnt sich die Dialoge weiterreichten.

Wenn Frauen aus dem Arbeitsleben in die Abhängigkeit der Männer verbannt werden, schon in der Grundschule die Indoktrination um sich greift, dann ist für den einsamen Francois einzig sein Gehalt wichtig, auch unter einem muslimischen Präsident der Sorbonne. Ob er nun Christ, Atheist oder Moslem ist, erscheint ihm nicht von Belang, er konvertiert zu der neuen Ideologie, damit zwischen Rotwein und Sex alles seinen gewohnten Gang geht.

In der Inszenierung von Gerd Becker gibt es keine Maschinengewehre, keine IS-Flaggen sowie offenen Terror und trotzdem ist die Gewalt immer präsent. Die Schulen in der Hand muslimischer Verbände, die Senkung der Arbeitslosigkeit durch den massiven Ausstieg der Frauen aus dem Arbeitsmarkt, solche populistischen Parolen wirken in dieser Inszenierung in einer Deutlichkeit, wobei sie als erschreckende Zukunftsvision heutiger Politik durchaus vorstellbar sind.

Was die vier Akteure aus diesem Stoff dann auf die Bühne des Theaters am Wall brachten, fesselte trotz der großen „Wortlastigkeit“. „Unterwerfung“ wurde ja schon als Ein-Personen-Stück auf die Bühne gebracht, da war diese Aufteilung differenzierter und facettenreicher.

Dadurch wurde dies kein nüchterner Abend, sondern er sprach das Publikum an und animierte zum Mitdenken. Die frauenfeindlichen Aussagen der Hauptperson waren auch für massiven Widerspruch gut, sie kann man nur als Zitat eines gescheiterten Menschen gelten lassen. Bei dieser Inszenierung war das zukünftige bzw. aktuelle Scheitern des Westens als Konsequenz des persönlichen Verfalls deutlich. Dieses Horrorszenario brachte das Landestheater mit großer Kunst auf die Bühne.

Vielleicht hätte man sich im Angesicht von „Charlie Hebdo“ ein klareres Statement gegen Gewalt und Terror gewünscht.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5608535?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F
Ex-Verwaltungschef verliert alle Ansprüche auf eine Abfindung
Die fristlose Kündigung des früheren Verwaltungsleiters des NRW-Landgestüts in Warendorf ist rechtmäßig. Der Ex-Verwaltungschef verliert alle Ansprüche auf eine Abfindung.
Nachrichten-Ticker