Caritas Warenkorb: Es kommen immer mehr Menschen, die in Armut leben
Supermarkt der Menschlichkeit

Warendorf -

Jeder einzelne Korb hat eine Nummer. Dahinter stehen Schicksale. Der Einkaufskorb mit der Nummer 166 ist besonders voll: Er ist für eine Familie mit sieben Kindern. In den Körben findet sich nahezu alles: Frisches Obst und Gemüse, Kaffee oder Tee, Brot, Butter, Eier – all das, was die Geschäfte aussortieren müssen, weil das Verfallsdatum in Kürze abläuft.

Samstag, 30.12.2017, 07:12 Uhr

Der Warenkorb  hilft den Menschen über die Woche – bis zum nächsten Freitag.
Der Warenkorb  hilft den Menschen über die Woche – bis zum nächsten Freitag. Foto: Joachim Edler

Es sind Senioren, deren Rente hinten und vorne nicht reicht, Arbeitslose, Geringverdiener, Alleinerziehende und Asylbewerber, die den Warenkorb in Warendorf aufsuchen. Im Jahre 2006, als der Warenkorb unter dem Dach der Caritas an den Start ging, waren es gerade mal sechs Einkaufskörbe voller Lebensmittel – heute sind es 280. So viele wie Bedarfsgemeinschaften. Dahinter stecken 450 Menschen, darunter 165 Kinder.

Die Nachfrage nach gespendeten Lebensmitteln ist bei den ­Tafeln deutlich gestiegen. Deshalb stoßen viele Einrichtungen mittlerweile an ihre Grenzen. Nicht nur zum Warenkorb in Warendorf kommen immer mehr Menschen, die in ­Armut leben.

Jeder Korb geht an diesem Morgen durch Heiner Schoppmanns Hände. Seit zehn Jahren arbeitet er ehrenamtlich bei der Caritas-Tafel Warenkorb. Jeder Korb hat eine Nummer und zudem unterschiedliche Farbkarten: Grün steht für Singles, Gelb sind Familien. Das blaue Kärtchen am Korb steht für zwei bis drei Personen und bei der roten Karte wissen die Befüller sofort, dass es sich um Moslems handelt. „Hier darf kein Fleisch in den Korb“, weiß Schoppmann.

Jeder einzelne Korb hat eine Nummer. Dahinter stehen Schicksale. Der Korb mit der Nummer 166 ist besonders voll: Er ist für eine Familie mit sieben Kindern.

In den Körben findet sich nahezu alles: Frisches Obst und Gemüse, Kaffee oder Tee, Brot, Butter, Eier – all das, was die Geschäfte aussortieren müssen, weil das Verfallsdatum in Kürze abläuft.

Zu Festtagen wie Weihnachten oder Neujahr gibt es auch noch Kuchen und Blumen obendrauf. Einzelpersonen zahlen einen Euro für den Warenkorb, Zwei- und Mehrpersonenhaushalte zwei Euro.

Die Caritas hat die Ausgabezeiten in Warendorf längst von einmal Mal in der Woche auf zwei Mal erhöht: Dienstag und Freitag. An beiden Tagen bildet sich eine Menschenschlange vor dem Hauseingang am Kletterpohl. Viele sind bereits eine halbe Stunde vor Öffnung da. Aber erst um 10 Uhr öffnet sich die Tür zum Warenkorb. Dann sind die ehrenamtlichen Helfer bereits seit zwei Stunden mit der Vorbereitung und dem Befüllen der Warenkörbe beschäftigt gewesen.

Jeder Bedürftige muss einen entsprechenden Ausweis vorlegen – alle paar Monate wird die Bedürftigkeit vom Sozialamt überprüft – wenn er einmal in der Woche den Warenkorb zum Einkauf aufsucht. 200 Bedürftige in der Woche suchen die Tafel auf, wo tonnenweise Lebensmittel verteilt werden. Unter den Nutzern sind zunehmend auch junge Familie, wie Teamsprecher Rolf Borgmann weiß. Die Einrichtung, die von den christlichen Gemeinden der Stadt getragen wird, feierte im vergangenen Jahr ihren zehnten Geburtstag. „Damals haben wir uns nicht vorstellen können, dass unsere Arbeit eine solche Resonanz haben würde“, sagt Josef Hörnemann vom Caritasverband, einer der „Väter“ des Warenkorbs. Was recht klein mit sieben Helfern begann, hat sich im Laufe des Jahres zu einer Institution gemausert, die heute aus Warendorf nicht mehr wegzudenken ist: Über 60 Ehrenamtler arbeiten für den Warenkorb und opfern ihre Freizeit für Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen finanziell nicht so richtig über die Runden kommen.

Da viele Helfer aus Alters- oder Gesundheitsgründen in diesem Jahr ausscheiden mussten, stießen die noch verbliebenen Helfer an ihre Grenzen. Doch ein Aufruf kurz vor Weihnachten zeigte Wirkung: Acht neue Helfer waren schnell gefunden, die sich jetzt mit um die Lebensmittelausgabe kümmern. Die ehrenamtlichen Helfer setzen ihre Privat-Pkw und Arbeitskraft alltäglich ohne jede Entschädigung ein, wenn sie die Lebensmittelspenden abholen und am Kletterpohl einlagern.

Die Warenkörbe werden im übrigen allwöchentlich mit der Hilfe von 36 Unternehmen, die die Inhalte des Warenkorbs zur Verfügung stellen, gefüllt. Ein Supermarkt der Menschlichkeit.

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