Jazz Live im Dachtheater
Blues kommt bei diesem Jazz nicht zu kurz

Warendorf -

Dieses Quartett verstand sich ganz ohne Worte, da reichten kleinste Schattierungen im Spiel, auf die dann mit facettenreichen Improvisationen eingegangen wurde. Schon beim ersten Song „Sophie“ zeigte sich die klangmalerische Art, wie Stefan Bauer ganz persönliche Gefühle in Musik umsetzt. Dabei wurde er von dem Saxophonisten Matthias Nadolny kongenial unterstützt, sein warmer und gleichzeitig rauher Saxophonton bereicherte die filigranen Melodiebögen um eine intensive Farbe.

Freitag, 15.12.2017, 18:12 Uhr

Das war kein kopflastiger Jazz für Akademiker, sondern durch diese Art des Jazz schuf das Quartett ein intensives Band zum Publikum, fühlte man sich mitgenommen in eine von Klängen, Melodien und feinsinnigen Harmonien gemalte Welt.
Das war kein kopflastiger Jazz für Akademiker, sondern durch diese Art des Jazz schuf das Quartett ein intensives Band zum Publikum, fühlte man sich mitgenommen in eine von Klängen, Melodien und feinsinnigen Harmonien gemalte Welt. Foto: Axel Engels

Konzerte mit dem Vibraphonisten Stefan Bauer sind in der Jazzreihe im Dachtheater schon eine liebgewordene Tradition. Immer wieder bringt er international renommierte Künstler mit, gestaltet so für die Liebhaber feinsten kammermusikalischen Jazz ein ganz abwechslungsreiches Erlebnis. Diesmal konnte allerdings nicht der aus dem Konzert mit Karolina Strassmayer schon bekannte Schlagzeuger Drori Mondlak seine Künste zeigen, er hatte sich kurz vor dem Konzert verletzt. Mit Thomas Alkier allerdings stand Stefan Bauer ein Schlagzeuger zur Seite, bei dem der Begriff „Ersatz“ sicherlich gänzlich unangebracht ist.

Thomas Alkier, der als Professor an der Folkwang-Hochschule in Essen lehrt, gilt als einer der anerkanntesten Schlagzeuger der deutschen Jazzszene, hat mit Markus Stockhausen, Klaus Lage, Nigel Kennedy, Albert Mangelsdorff und Helge Schneider zusammen in diversen Konzerten seine Qualitäten gezeigt.

Auch der Saxophonist Matthias Nadolny sowie der Kontrabassist Christian Ramond gehören zur absoluten Spitze des internationalen Jazz. Da sich alle vier Musiker seit Jahren kennen, war der Jazzabend mit einem bestens funktionierenden Quartett „gerettet“.

Stefan Bauer, der an diesem Tag Geburtstag hatte, genoss diesen Abend sichtlich und zeigte im lebendigen Dialog mit seinen Kollegen seine ideenreiche Musizierkunst.

Dieses Quartett verstand sich eben ganz ohne Worte, da reichten kleinste Schattierungen im Spiel, auf die dann mit facettenreichen Improvisationen eingegangen wurde. Schon beim ersten Song „Sophie“ zeigte sich die klangmalerische Art, wie Stefan Bauer ganz persönliche Gefühle in Musik umsetzt. Dabei wurde er von dem Saxophonisten Matthias Nadolny kongenial unterstützt, sein warmer und gleichzeitig rauher Saxophonton bereicherte die filigranen Melodiebögen um eine intensive Farbe.

Stefan Bauers Komposition „Flaneur“ war bei diesem Quartett bestens aufgehoben. Dieses rhythmisch interessante Werk war wie geschaffen für den Schlagzeuger Thomas Alkier. Hier konnte er seine ganze Kunstfertigkeit einbringen, mit ineinander verwobenen Rhythmen diesem Spaziergang durch imaginäre Welten die genießerische Stimmung verleihen.

Wenn dann noch bei der Komposition „Azure“ nach Motiven von Duke Ellington der Kontrabassist Christian Ramond seine Saitenkunst in ganz persönlicher Art einbrachte, war dies einfach große Kunst in kammermusikalischem Spiel.

„Früher war es üblich, bei Jazzkonzerten auch einen Blues zu spielen“ erzählte Stefan Bauer. Dieser heute etwas untergegangenen Tradition folgte das Quartett auf exquisiter und unter die Haut gehender Art. Humoristische Elemente steuerte Schlagzeuger Thomas Alkier in sein lebendiges Solo, spürte man jederzeit die Freude der vier Musiker am gemeinsamen Spiel.

Das war kein kopflastiger Jazz für Akademiker, sondern diese Art des Jazz schuf ein intensives Band zum Publikum, fühlte man sich mitgenommen in eine von Klängen, Melodien und feinsinnigen Harmonien gemalte Welt. Das Konzert stand unter dem Titel „Wheelin‘ and Dealin‘“ und dieser Titel ist wohl dem 1958 eingespielten Album von Frank Butler angelehnt. Es vereinte die „Prestige All Stars“, unter anderem wie John Coltrane, Frank Wess, Mal Waldron. Auf solch hohem Niveau spielten sicherlich auch die vier sympathischen Musiker an diesem Abend.

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