Streit um Musikkneipe Mr. Ed´s
Warendorf bald Rentnerstadt?

Warendorf -

„Verkommt Warendorf zu einer Rentnerstadt?“ fragt sich Ralf Will in der Facebook-Gruppe „Du bist Warendorfer, wenn...“ und schlägt eine Umbenennung vor: „Warendorf, nicht Stadt der Pferde, sondern Stadt der Rentner: Bei uns hören Sie keinen Mucks!“

Donnerstag, 02.02.2017, 02:02 Uhr

Letzte Tankstelle vor dem Heimweg: Mr. Ed´s. Foto: Edler

Eine heftige Diskussion wird zurzeit in der Warendorfer Facebook-Gruppe um die Situation der Musikkneipe "Mr. Ed's" im Speziellen und der Kneipensituation in Warendorf im Allgemeinen geführt. Auslöser ist die Klage von Nachbarn in der Emsstraße, die sich vom Lärm vor der Tür der „Letzten Tankstelle vor dem Heimweg“ (Mr. Ed's) in ihrer Nachtruhe gestört fühlen. Die Klage wird vor dem Landgericht Münster verhandelt (die WN berichteten).

„Verkommt Warendorf zu einer Rentnerstadt?“ fragt sich Ralf Will in der Facebook-Gruppe „Du bist Warendorfer, wenn...“ und schlägt eine Umbenennung vor: „Warendorf, nicht Stadt der Pferde, sondern Stadt der Rentner: Bei uns hören Sie keinen Mucks!“ Der Facebook-Nutzer findet bei dem ganzen Streit: „Man sollte leben und leben lassen.“ Jeder Mist werde bis spät in die Nacht in Warendorf gefeiert, da krähe kein Hahn danach. Demnächst würde womöglich noch gegen Schützenfeste geklagt, weil dort getrunken und gegrölt wird. „Wir waren alle mal jung, wild und laut“, schlägt Ralf Will vor, zur „Gegenwehr“ überzugehen: „Um 23 Uhr ab ins Darup, trinken, bis man rausfliegt und dann vor der Tür krakeelen.“ Der Gastwirt ist einer der Kläger gegen das "Mr. Ed's".

„Wenn das so weitergeht, gibt es nichts mehr, wo die jüngere Generation hingehen kann“, beteiligt sich Elmo Chris an der Diskussion und findet: „Es ist nun mal in einer Straße, in der Kneipen etabliert sind, einfach lauter. Es kann nicht sein, dass das Ed's für alles verantwortlich gemacht wird, obwohl der Publikumsverkehr nicht eindeutig zugeordnet werden kann.“ „Einfach lachhaft“ findet Fabian Brö die Klage: „Und die Alte Frieda macht keinen Lärm, obwohl der Laden direkt neben Darup ist und zehn Meter vom Mr. Ed's entfernt?“

Ila Eva wohnt direkt um die Ecke vom Ed's. Die Kneipe sei nicht das Problem, postet sie, sondern die Leute, die ständig laut diskutierend unter den Fenstern stehen. „Ich muss leider sagen, dass dies in den letzten Jahren immer schlimmer wird. Blumenkästen werden auseinander gerupft, Böller in Hauseingänge geschmissen, Mülleimer abgetreten. Die Betrunkenen sind das Problem, nicht die Kneipen.“

Vanessa Wicht hofft, dass das jetzt vom Gericht in Auftrag gegebene Lärmgutachten den Kneipenbesitzer vom Ed's deutlich entlastet. „Ralle, Warendorf steht hinter dir!“, schreibt Enes Yagci.

„Einfach traurig und eine Schande für Warendorf“ findet Kerstin Rehhoff den Streit: „Wenn man über oder neben eine Kneipe zieht, sollte einem intelligenten Menschen klar sein, dass dort Menschen feiern.“

Merter Zamlut malt düstere Zukunftswolken über Warendorf: „Ab 20 Uhr nur noch Vogelgezwitscher auf der Straße. Wenn es nach den Anliegern geht, soll es wohl so sein.“ Zamlut beschreibt folgendes Szenario: „Es ist 22 Uhr, nur noch wenige sind auf den Straßen. Der Herzschlag der Stadt hat sich auf ein Minimum gesenkt, als der Wind durch die Gassen weht. Vorbei an geschlossenen Restaurants und Bars, die aber am nächsten Tag nicht mehr öffnen werden, da sie schon vor langer Zeit aufgegeben haben, sich gegen die Flut von Anzeigen und Klagen zu wehren. Da, wo einst im Kneipenviertel das Anstoßen von Gläsern und Musik zu hören waren, kann man nur noch einen Blick in das Flussbett werfen, in dem früher die Ems verlief, die jedoch umgeleitet wurde, damit auch die Mühle der Ems sich in diese wunderbare Stile einreiht.

Es ist 24 Uhr. Im Kneipenviertel sind die Lichter erloschen und alle Anwohner schlafen seelenruhig ohne Ohrenstöpsel. Nur noch zwei Anwohner sind mit ihren Notizblöcken unterwegs, um jeden Geräuschpegel über 45 Dezibel zu notieren. Und der Herzschlag der Stadt. Er ist erlegen – nur noch ein leises Piepsen. Herzstillstand. So stirbt sie – unsere Stadt.“

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