Zum Thema Emsinsel gibt es viele offene Fragen
Eine Frage der Machbarkeit

Warendorf -

Die interessierten Zuhörer drängelten sich sogar im Foyer – und längst nicht alle hatten einen Sitzplatz: Das Thema Emsinsel bescherte Politik und Verwaltung mal wieder ein volles (Rat)Haus. Möglicherweise in der Erwartung, dass an diesem Tag grundlegende Entscheidungen fallen würden. Dem war jedoch nicht so.

Donnerstag, 16.04.2015, 14:04 Uhr

Idylle sieht anders aus: Die Brinkhaus-Brache auf der Emsinsel beschäftigt seit Monaten die Gemüter – und ein Ende der Diskussion ist erst mal nicht absehbar. Immerhin: Man redet miteinander.
Idylle sieht anders aus: Die Brinkhaus-Brache auf der Emsinsel beschäftigt seit Monaten die Gemüter – und ein Ende der Diskussion ist erst mal nicht absehbar. Immerhin: Man redet miteinander. Foto: Brocker

Baudezernent Peter Pesch machte deutlich, dass das Verfahren um die Zukunft der Industriebrache Brinkhaus gerade mal in den Anfängen steckt: „Das ist ein ergebnisoffener Planungsprozess.“

Weichenstellungen gab es im Planungsausschuss aber dennoch: Es wurde sehr schnell deutlich, dass da verschieden Verfahren nebeneinander abgearbeitet werden müssen, die zwar alle irgendwie zusammenhängen. Gleichwohl gibt es unterschiedliche Schritte, die nicht gleichzeitig, sondern nacheinander gemacht werden müssen.

Da ist zum einen das in den vergangenen Tagen viel zitierte Thema Wasserrahmenrichtlinie . Vereinfacht gesagt, geht es hier darum, die Durchlässigkeit der Ems sicherzustellen, die in weiten Teilen eine Art Kanal – mit Staustufen und Wehren – ist.

Bislang gab es für den Bereich Warendorf (am HoT) den Plan zum Bau eines Wasserkraftwerks mitsamt aufwändiger Fischtreppe.

In der Diskussion um die künftige Nutzung der Emsinsel sind in den vergangenen Wochen zwei weitere Vorschläge auf den Tisch gekommen: Stadtverwaltung und Arbeitskreis Emsinsel haben die Idee einer Durchleitung der Ems durch den Emssee entwickelt – allerdings mit unterschiedlichen Verläufen.

Verfolgte man diese Ideen weiter, hätte sich das Thema Wasserkraftwerk/Fischtreppe erledigt – weil die Ems dann nicht mehr genug Druck liefert, um Turbinen zu betreiben.

Mindestens drei Varianten stehen damit für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie im Raum: Sie müssen allesamt erst einmal qualifiziert untersucht werden, bevor eine Entscheidung fällt. Bürgermeister Jochen Walter versicherte: „Wir gehen ergebnisoffen an die Fragen heran.“ Und vielleicht ergeben sich dabei ja noch weitere Varianten. Eins ist allerdings sicher: Erst mal muss geklärt werden, was finanziell, technisch und ökologisch sinnvoll und machbar ist.

Das Gesamtpaket Wasserrahmenrichtlinie hat Planungskosten von rund 390 000 Euro zur Folge. Dazu gehört allerdings auch die Planung für die Neugestaltung am Emswehr in Dackmar (225 000 Euro) und für ein Stauwehr unterhalb des HoT (100 000 Euro).

Zweites Thema in diesem Zusammenhang war die umstrittene künftige Nutzung der Emsinsel. Seit Tagen streitet man sich in Warendorf darum, ob – und in welchem Maß – dort eine Bebauung stattfinden kann und soll. Oder ob der Vorschlag des Arbeitskreises, der für eine umfassende Renaturierung der Industriebrache plädiert, der richtige Weg ist. Der Arbeitskreis hatte dazu ein umfangreiches Antragspapier vorgelegt. Dessen Bewertung wurde breit diskutiert – vor allem wohl auch, weil die Verwaltung in ihrer Beschlussempfehlung hatte festschreiben wollen, dass die Emsinsel für den Warendorfer Wohnungsmarkt von Bedeutung sei. Darin sahen die Sprecher des Arbeitskreises eine gewisse Vorfestlegung, die sie nicht akzeptieren.

In der Politik stießen sie mit ihren Bedenken auf offene Ohren: Die Formulierung wurde schließlich komplett gestrichen. Der Antrag des Arbeitskreises wird zur Kenntnis genommen und seine Vorschläge fließen in den weiteren Planungsprozess ein. Auch an dieser Stelle wurde die Ergebnisoffenheit des Verfahrens betont.

Baudezernent Pesch machte deutlich, dass die öffentlich diskutierte Zahl von 200 Wohneinheiten auf der Emsinsel nicht Ziel der Planung, sondern das maximal Machbare sei: „Was dort passieren kann, muss erst einmal planerisch entwickelt werden.“

Was auf der Emsinsel auf gar keinen Fall passieren wird, ist zumindest in einem Punkt breiter Konsens bei Rat und Verwaltung: „Großflächigen Einzelhandel wird es auf der Emsinsel nicht geben“, sagte Walter. Und auch ein weiterer Punkt wurde noch mal deutlich: Die Stadt ist zwar planerisch Herr des Verfahrens. Aber das Grundstück gehört ihr nicht. Da haben Banken und der Insolvenzverwalter die Finger drauf. 

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