Baugebiet Telgte-Süd
„Ein Baugebiet für Oberärzte“

Telgte -

Nicht nur wegen der prognostizierten Quadratmeterpreise entbrannt im Hauptausschuss eine angeregte Diskussion um das Baugebiet Telgte-Süd.

Mittwoch, 19.06.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 21.06.2019, 14:26 Uhr
Im Telgter Süden soll ein neues Baugebiet entstehen, dessen Verkaufspreis auf 366 Euro pro Quadratmeter geschätzt wird. Foto: Große Hüttmann

Es schien ein wenig so, als würde das Baugebiet Telgte-Süd im Hauptausschuss auf der Kippe stehen. Denn Karin Horstmann ( FDP ) war nicht nur angesichts eines prognostizierten Verkaufspreises von 366 Euro pro Quadratmeter erschrocken und sprach ironisch von einem „Baugebiet für Oberärzte aus Münster“, sondern sie hob auch auf den Klimanotstand ab. „Können wir uns vor diesem Hintergrund so etwas Großes noch leisten?“, fragte sie und regte etwa eine Nutzung von leer stehenden Gewerbeflächen für die Wohnbebauung an. Bauchschmerzen wurden auch in Äußerungen der Grünen deutlich, einerseits wegen des Klimanotstandes, andererseits aber auch wegen eines fehlenden Stadtentwicklungskonzeptes. Auch Christoph Boge (CDU) ließ in seinen Äußerungen den Klimanotstand nicht außen vor, verwies aber gleichzeitig auf die Notwendigkeit zur Schaffung von Wohnraum. „Wir sollten uns nicht beirren lassen“, sagte er. Denn es gehe nicht nur um Bauland, sondern auch um eine Südumgehung, die letztlich allen zugute käme.

Bürgermeister Wolfgang Pieper betonte die Notwendigkeit von Wohnungen, vor allem im Geschosswohnungsbau, der einen großen Teil der Einheiten ausmachen soll. Zudem bezeichnete er in Erwiderung der Idee von Karin Horstmann die Umnutzung von Gewerbe- in Bauflächen als kurzfristigen Effekt, der dem Markt immens wichtige Gewerbeareale auf Dauer entziehe.

Klaus Resnischek (SPD) setzte sich vehement dafür ein, rechtzeitig an die entsprechende soziale Infrastruktur zu denken. Zwar sei im Osten des Areals eine Fläche dafür vorgesehen, bei einer abschnittsweisen Erschließung bestehe aber die Gefahr, dass Bedarfe entstünden, die nicht wohnortnah gedeckt werden könnten. Christoph Boge war es, der zudem auf ein anderes Pro­blem aufmerksam machte. Denn im geschätzten Verkaufspreis von 366 Euro pro Quadratmeter sind die Kosten für das Abwassersystem nicht eingerechnet. Die sollen, es handelt sich um etwa 60 Euro pro Quadratmeter, auf die Allgemeinheit umgelegt werden. In anderen Gebieten, so Boge, sei das anders gehandhabt worden.

Vom Prinzip her bestätigte das Baubereichsleiter Markus Weber, der aber beide Vorgehensweise als rechtskonform bezeichnete. Mit Blick auf den Quadratmeterpreis betonte Weber, dass dieser im Geschosswohnungsbau, und der mache einen Großteil der Flächen aus, anders zu bewerten sei als beim Einfamilienhaus.

Letztlich gab es zwei Prüfaufträge für die Verwaltung. Zum einen soll eruiert werden, welche Auswirkungen eine deutlich langsamere abschnittsweise Erschließung haben könnte. Zum anderen soll geklärt werden, wie viel Zuschlag die Einberechnung der Abwassernetzkosten genau ausmacht.

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