Adolf Schütte ist zurück in Telgte
Leben voll Höhen und Tiefen

Telgte -

Der gebürtige Telgter Adolf Schütte ist wieder in die Emsstadt zurückgekehrt. Viele Höhen und Tiefen hat er in seinem Leben erlebt.

Sonntag, 09.06.2019, 10:00 Uhr
Adolf Schütte zusammen mit seiner Tochter Ulrike, vor dem Heidehotel Waldhütte, das jetzt von der Familie Schütte geführt wird. Schloss Wettinhöhe in Radebeul (Foto unten), das Adolf Schütte auch heute noch besitzt, wurde zwischen 1940 und 1960 als Krankenhaus genutzt, danach als TBC-Anstalt, später als Altenheim und ab 1970 als Ärztehaus. Die gesamte Schlossanlage baute der Telgter um: 80 Mietwohnungen entstanden in beiden Sanatorien. Foto: Pohlkamp

Ein bewegtes Leben liegt hinter dem Telgter Adolf Schütte . 25 Jahre lang bestimmten Eiervertrieb und Hühnerhaltung sein Leben. Dann kam 1985 mit der Trennung von seiner ersten Frau das Aus. Doch der Mauerfall bedeutete für ihn wenig später den Aufbruch in Richtung Osten. In den neuen Bundesländern gestaltete Adolf Schütte sein Leben neu und kehrte nach 27 Jahren mit seiner Familie wieder nach Telgte zurück. Denn 2016 hat er das Heidehotel Waldhütte erworben und die Verantwortung für Hotel und Restaurant vor kurzer Zeit seiner 21-jährigen Tochter Ulrike übertragen.

„Ich bin froh, wieder hier zu sein“, freut sich der 78-jährige Telgter, der sein abwechslungsreiches Leben mit Höhen und Tiefen Revue passieren lässt: „Es war nicht immer das Gelbe vom Ei“, sagt der ehemalige Hühner-Experte.

Geboren 1940 wuchs er zusammen mit sechs Geschwistern auf dem elterlichen Bauernhof im Berdel auf. Schon früh entschied er sich für die Landwirtschaft und spezialisierte sich zunächst auf den Handel mit Eiern, später kam die Haltung von Legehennen dazu. 1960 wechselte er seinen Wohnsitz nach Handorf. Von seinem neuen Domizil aus handelte er weiter mit Eiern, ab 1967 produzierte er diese auch: Er baute einen Stall auf seinem elterlichen Betrieb um. 12 000 Hühner brachte er dort unter.

1971 erweiterte er seinen Betrieb um weitere 25 000 Hühner in Amelsbüren. 1978 kaufte er einen Betrieb in Ochtrup mit 45 000 Legehennen. Adolf Schütte war erfolgreich und expandierte weiter. Es folgte 1972 der Erwerb eines landwirtschaftlichen Betriebes in Nordwalde mit 45 Hektar. Von 1972 bis 1975 wurden weitere 150 Hektar hinzugepachtet. In Kanada erwarb er zudem nahezu zeitgleich 250 Hektar Ackerland.

Nach erfolgreichen Jahren in der Landwirtschaft erlebte Adolf Schütte 1985 einen großen Rückschlag. Die Scheidung von seiner ersten Frau zwang ihn, den gesamten landwirtschaftlichen Zweig aufzugeben. Von 1985 bis 1990 lebte er in Münster und arbeitete als Immobilienmakler.

Als 1989 die Mauer fiel, fuhr Adolf Schütte wenige Wochen später nach Leipzig. Dabei erkannte er schnell, dass bei den ehemaligen DDR-Bürgern ein hoher Bedarf an Konsumgütern bestand. Er sah hier eine Chance, sich wieder neu aufzustellen. Von nun an pendelte der damals 50-jährige zwischen Münster, Leipzig und Dresden. Für einige Jahre lang funktionierte er sein Auto zum Wohnmobil um. „Ich musste mobil sein. Heute Waren im Westen einkaufen, um diese morgen auf dem Marktplatz in Leipzig und später in Dresden zu verkaufen“, erzählt er.

War er müde, schlief er in seinem Fahrzeug. In kürzester Zeit war er zum fliegenden Händler geworden. Im September 1990 verlegte Adolf Schütte seinen Wohnort nach Dresden. Doch seine Fahrten zwischen Telgte und Dresden nahmen damit kein Ende. Der Handel florierte. Westprodukte – von der Bratwurst über hochwertige Textilien, Haushaltsartikeln bis hin zu Zeitschriften – bot er auf Märkten in Leipzig und Dresden an.

Zeitgleich erweiterte er seinen Tätigkeitsbereich. Bald betrieb er zusätzlich einen Futterhandel, handelte mit Pkw und Lkw und organisierte Industrieaufträge. 120 000 Kilometer legte er mit seinem Wagen allein im Jahre 1990 zurück. Sein Einsatzgebiet war so vielseitig, dass er sogar vorübergehend Eigentümer von 50 000 Schweinen war, die ihm „sicherungsübereignet“ wurden.

Nachdem er mit Mühe ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft mit 25 Mitbewohnern und nur einem Badezimmer in Radebeul gefunden hatte, managte er auch viel über sein neues „Büro“. Auch mit dem Eierhandel hatte er vorübergehend wieder zu tun. Adolf Schütte erzählt: „Es gab Betriebe in der ehemaligen DDR, die eine Millionen Hühner und mehr hielten. Diese hatten große Bestände an Eiern gelagert und konnten sie nicht mehr verkaufen. Mit vielen Sattelzügen habe ich den Bestand zu Ei-Produktwerken in den Westen liefern können.“

Obwohl Adolf Schütte gerade im Jahre 1990 Tag und Nacht unterwegs war und ihm der Kopf in dieser Phase bestimmt nicht nach einer festen Beziehung stand, verliebte er sich dennoch: Es war der 8. November 1990. An diesem Tag kehrte er wieder einmal nach 15-stündiger Autofahrt mit zahlreichen Staus und Wartezeiten von Münster nach Dresden zurück. Hungrig und müde legte er in Meißen eine Pause ein und betrat eine Gaststätte. Zufällig spielte dort eine gemischte deutsch-russische Kapelle.

Adolf Schütte erinnert sich gerne an diese Begegnung. Denn: „An diesem Abend lernte ich Katharina kennen. Wir trafen uns dort drei Tage später zufällig wieder: Auch dieses Mal spielte die Liveband. Ich forderte sie zum Tanz auf, und die Band spielte für uns das berühmteste russische Lied „Kalinka“. Die beiden wurden ein Paar.

1992 fanden sie eine gemeinsame Wohnung in einem Plattenbau in Coswig bei Meißen. Bevor diese Wohnung zugeteilt wurde, musste Katharina als Mieterin fünf Jahre lang warten. 1993 wurde geheiratet.

Doch zurück zum Gewerbe: 1991/92 ließ der private Handel schrittweise nach, weil immer mehr große Firmen in den Städten Niederlassungen errichteten. Adolf Schütte stellte seinen „fliegenden Handel“ ein. Jetzt halfen ihm seine Erfahrungen als Immobilienmakler. Er investierte ab 1994 in Altbauten, kaufte Objekte, die stark renovierungsbedürftig waren, und baute diese zu Mietwohnungen um.

Im Immobilienbereich sah Adolf Schütte eine weitere Chance, sich wieder neu aufzustellen. So kaufte er 1997 in der Karl-May-Stadt Radebeul einen Komplex mit 25 Hektar Wald und Weinbergen. Auf dem Gelände befanden sich zwei große Sanatorien und ein kleines Schloss: Schloss Wettinhöhe, das auf einem Weinberg thront.

Das Herrenhaus, das Adolf Schütte auch heute noch besitzt, wurde zwischen 1940 und 1960 als Krankenhaus genutzt, danach als TBC-Anstalt, später als Altenheim und ab 1970 als Ärztehaus. Die gesamte Anlage baute der Telgter um: 80 Mietwohnungen entstanden in den beiden früheren Sanatorien.

Das unter Denkmalschutz stehende Schloss restaurierte er und bewohnte einen Teil davon mit seiner Familie. Seine beiden Kinder wuchsen dort auf, sie besuchten in Radebeul die Schule.

Den Umzug nach Telgte hatte Adolf Schütte schon viel früher geplant. „Seit 2005 wollte ich zurück in meine Heimat. Zehn Jahre lang suchte ich in Telgte ein neues Zuhause: Eines Tages erhielt ich von Freunden den Hinweis, dass die Waldhütte zum Verkauf stand.“ 2016 erwarb er das gesamte Anwesen mit acht Hektar Land und Wald.

Das Hotel wurde weiter von den ehemaligen Besitzern geführt. Aus gesundheitlichen Gründen erfolgte der Umzug nach Telgte erst im Oktober 2017. Hier lebt er inzwischen wieder mit seiner Frau und den Kindern Ulrike und Christian.

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