Haupthaus aus Albersloh erstrahlt im Freilichtmuseum Detmold in neuem Glanz
Schulten wollten es fein haben

Albersloh -

Ursprünglich stand es auf dem Hof Schulte Bisping in der Bauerschaft Alst. Seit 1969 befindet sich das damalige Haupthaus im Freilichtmuseum Detmold. Dort wurde es im Inneren in den prachtvollen Zustand versetzt, den das Gebäude um 1800 gehabt haben soll.

Donnerstag, 18.07.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 19.07.2019, 13:08 Uhr
Das LWL-Museum hat das Haupthaus, das ursprünglich auf den Hof Schulte Bisping in der Bauerschaft Alst stand, im Inneren nun so gestaltet, wie es früher einmal gewesen sein soll – inklusive roter Uhr. Foto: LWL

Die Wände und das sichtbare Fachwerk in einem leicht gebrochenen Weiß, die Holzeinbauten dunkelrot: Der Münsterländer Gräftenhof im LWL-Freilichtmuseum Detmold erstrahlt in neuer Farbe. Nach aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) wurde das Haupthaus des größten Hofes im Freilichtmuseum umgestaltet und ist ab sofort für die Besucher wieder geöffnet. Das Haupthaus hat seinen Ursprung auf dem Hof Schulte Bisping in der Bauerschaft Alst, heißt es im Bericht des LWL.

Wir haben Vergleichshöfe aus dem Münsterland und eigene Befunde untersucht, und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Farbigkeit in den Schultenhöfen im Münsterland um 1800 deutlich anders war als bisher angenommen.

Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger

„Wir haben Vergleichshöfe aus dem Münsterland und eigene Befunde untersucht, und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Farbigkeit in den Schultenhöfen im Münsterland um 1800 deutlich anders war als bisher angenommen“, erläuterte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. Bei der Untersuchung habe sich herausgestellt, dass das Fachwerk der Wohnräume eben nicht im Naturbraun des Holzes und dem Weiß der Putzfelder zu sehen gewesen sei, sondern dass die Innenwände einheitlich in einem gebrochenen Weiß gestrichen gewesen seien.

Es gab sogar Tapeten

„Eine aus heutiger Sicht schon fast moderne Methode, um das Fachwerk optisch zurücktreten zu lassen“, so Rüschoff-Parzinger. „Lange hatte man vermutet, dass diese ländliche Oberschicht das Fachwerk ebenso wie die einfache bäuerliche Bevölkerung sichtbar zeigte. Inzwischen wissen wir, dass der Repräsentationswillen der Schulten einen feineren Eindruck, zum Teil sogar mit Tapeten hervorrief“, berichtete Dr. Hubertus Michels, Leiter des Referates Bauwesen im LWL-Freilichtmuseum Detmold. Und auch die Möbel seien deutlich farbiger gewesen. Rottöne seien vielfach zu finden und manchmal auch dezent mit weiteren Farben kombiniert gewesen.

So sieht das Haupthaus von außen aus.

So sieht das Haupthaus von außen aus. Foto: LWL

„Für dieses Ergebnis war richtige Detektivarbeit nötig, denn insbesondere die Farbuntersuchungen an den Möbeln erwiesen sich als schwierig, da diese häufig abgebeizt und neu gestrichen wurden. So auch die Standuhr, die auf dem Hof Hof der Familie Schulte Bisping gestanden hatte und nun an ihren alten Originalplatz zurückgekehrt ist“, schreibt der Landschaftsverband. Die Uhr sei ursprünglich einmal in Rot gestrichen gewesen, wie Farbproben und Vergleichsobjekte belegen. „Ich finde das Gesamtergebnis überwältigend, der Raumeindruck ist ganz anders als bisher“, so Rüschoff-Parzinger. Und LWL-Museumsdirektor Professor Dr. Jan Carstensen ergänzt: „Es ist unsere Pflicht als Museum, unseren Besuchern die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu zeigen. Das ist allerdings in der Dauerausstellung, also in unseren historischen Häusern, nicht immer ganz einfach, denn dafür müssen wir einen Hof dann auch einmal eine Zeit lang schließen.“

Bei Besuchern sehr beliebt

Da der Münsterländer Gräftenhof eines der beliebtesten Gebäude auf dem Gelände sei, habe das Museum die Wartezeit bis zur Wiedereröffnung mit Führungen unter dem Titel „Gräftenhof pur“ überbrückt, die Einblicke in die Baustelle gaben. Nun ist sich Carstensen sicher: „Das Ergebnis wird unsere Besucher ebenso überraschen und hoffentlich auch überzeugen wie uns.“

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