Mein Beruf: Robert Kempe ist Polizist
Von der Bagatelle bis zum Raub

Albersloh/Rinkerode -

Zum Beruf des Bezirksbeamten gehört es, sich auch mit Bagatellfällen zu befassen. Doch das ist längst nicht alles, was Robert Kempe in seiner Polizeikarriere erlebt hat. Raubüberfälle, Körperverletzungen, Schlägereien und anderen Verbrechen oder Unfälle haben dem Hauptkommissar in vielen Dienstjahren schon einiges abverlangt.

Sonntag, 14.01.2018, 12:01 Uhr

In der Verwaltungsstelle hält Hauptkommissar Robert Kempe am Donnerstagmorgen seine Sprechstunde. Im Hintergrund läuft der Polizeifunk – der Beamte ist stets einsatzbereit. Foto: Christiane Husmann

In der Dienststelle in Albersloh geht es heute relativ ruhig zur Sache. Für Robert Kempe eine gute Gelegenheit, sich mit liegen gebliebenem Schreibkram oder Bagatellfällen zu befassen, die nun mal auch zum Berufsbild des Polizeibeamten gehören. Auf der anderen Seite sind da die Raubüberfälle, Körperverletzungen, Schlägereien und anderen Verbrechen oder Unfälle, die dem Hauptkommissar in vielen Dienstjahren schon einiges abverlangt haben.

Als Jugendlicher wollte Robert Kempe eigentlich Maschinenbauingenieur werden, doch nach dem Abitur hatte er erst mal genug vom Pauken. Er bewarb sich bei der Polizei, wurde angenommen und bestand die regulär dreijährige Ausbildung verkürzt nach eineinhalb Jahren. Von 1983 bis 1987 arbeitete er in Köln. „Ich hätte mich auch in Bonn bewerben können, doch dann hätte ich in der damaligen Hauptstadt drei oder vier Jahre Objektschutz machen müssen.“ Danach wurde der Polizist im Bezirk Bönen eingesetzt, zu dem auch das Einsatzgebiet Kamen-Heeren gehörte. „In den Früh- und Spätschichten war ich zeitweise für 30 000 Menschen alleine zuständig“, erzählt der Sendenhorster, der es richtig findet, dass heute wieder mehr junge Leute zu Polizisten ausgebildet werden. „Aber wenn die fertig sind, gehe ich schon fast in den Ruhestand“, rechnet der 57-Jährige vor, der aufgrund seines langjährig geleisteten Schichtdiensts bereits mit 61 Jahren in Pension gehen kann.

Seit vier Jahren ist Robert Kempe als Bezirksbeamter für Rinkerode und Albersloh zuständig. „Die Leute hier sind locker und offen“, lobt der „Dorfscheriff“, der schon ganz andere Kaliber kennengelernt hat. Unter ihnen auch echte „Experten“, die, wie er findet, schon wegen ihrer Dummheit verhaftet werden müssten. „Da fährt einer mit einem geklauten Auto durch die Gegend und schnallt sich nicht an“, schüttelt der Polizist den Kopf. Dadurch aufgefallen, habe der Autodieb Gas gegeben, mehrere Unfälle verursacht und sei letztlich auf einen stehenden Bus gekracht. „Wie bescheuert muss man sein, um aufzufallen?“, habe sich der Polizeibeamte schon öfter fragen müssen. Neben „Kommissar Zufall“ kommt Robert Kempe nach vielen Jahren Berufserfahrung sein „siebter Sinn“ zugute: „Man wird für viele Dinge und Situationen sensibler.“

Schlimm ist es für den Polizeibeamten, wenn er zu schweren Unfällen gerufen wird. Besonders wenn Kinder beteiligt sind. „Seit ein paar Jahren kann man in solchen Fällen psychologische Hilfestellung in Anspruch nehmen“, erklärt der Hauptkommissar. Vorher habe man das nur mit Hilfe von Kollegen, Familie und Sport irgendwie verarbeiten müssen. „Manch ein Kollege ist nach vielen Jahren und schlimmen Erfahrungen nicht mehr einsatzbereit“, weiß Kempe. Ein Kind habe ihn mal gefragt, wie viele Tote er schon gesehen habe. „Ich habe sie nicht gezählt“, war seine Antwort. Doch für sich habe er mal nachgerechnet: etwa zehn pro Jahr nach mehr als 30 Dienstjahren macht über 300. Keine schöne Zahl, die mit Einzelschicksalen verbunden sei, die man nicht einfach ausblenden könne. „Man muss funktionieren“, bringt es der Hauptkommissar auf den Punkt.

Damit er funktioniert, hält sich der Sendenhorster nicht nur körperlich beim Joggen und Fußballspielen fit. Regelmäßig geht er zum Schießtraining mit Dienstwaffe und Maschinenpistole. „Ich schieße gut“, sagt Kempe, der froh ist, dass er bis heute auf keinen Menschen schießen musste. „Ich hatte meine Waffe vier oder fünf Mal im Anschlag.“ Das sei nötig gewesen. Situationen mit Sätzen wie: „Lass die Axt fallen, oder ich schieße“, vergisst er nicht. Immer auf der Hut zu sein, gehöre zum Berufsbild. „Wenn man der Routine verfällt, kann das tödlich sein“, sagt er.

Weniger gefährlich, aber auch sehr wichtig findet er seine Besuche in Schulen und Kindergärten. „Vertrauen aufbauen, Angst abbauen“, benennt Robert Kempe die maßgeblichen Gründe für die Arbeit mit den Jüngsten. „Die Kinder sollen sich angstfrei an die Polizei wenden können“, sagt Kempe, der das Konzept von seinem Vorgänger Rudi Terbelt übernommen habe. Bald besuchen einige Sendenhorster „Maxikinder“ die Polizeiwache in Ahlen. Dort befindet sich der Zentralgewahrsam des Kreises Warendorf mit einer Gemeinschafts- und vier Einzelzellen. Ob die dann besetzt sind? „Wir hatten da einen Stammgast, der saß fast täglich ein“, schmunzelt der erfahrene Polizist.

In der Verwaltungsstelle in Albersloh bleibt es an diesem Vormittag ruhig. Nur der Polizeifunk läuft im Hintergrund. Hauptkommissar Kempe ist einsatzbereit. Auch für die Bürger die mit unterschiedlichen Anliegen zu ihm kommen. „Mir ist wichtig, dass die Menschen sich früh und ohne Scheu an die Polizei wenden – lieber einmal zu viel als einmal zu wenig“, sagt der Beamte, der weiß, dass durch präventives Handeln manche Übeltat vermieden werden kann. Die Nähe, die er zu den Bürgern hat, ist dem „Freund und Helfer“ wichtig. Die ist es wohl auch, die ihn neben vielen spannenden aber auch nach tragischen Einsätzen sagen lässt: „Rückblickend würde ich wieder Polizist werden wollen.“

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