Kritik an der Telekom
An Glasfaser führt kein Weg vorbei

Kreis Warendorf -

Ein Blick in den Kreis Coesfeld reicht. Dort haben Landwirte in Senden Leerrohre in die Erde gelegt, in die dann im nächsten Schritt Glasfaserkabel kamen. Ist das die Lösung, um schnell an ganz schnelles Internet zu kommen? Diese Frage wurde bei einer Diskussion über den Breitbandausbau im Kreis Warendorf erörtert. Eingeladen hatten die Wirtschaftsvereinigung der CDU (MIT) und die Junge Union. Moderiert wurde die Diskussion von Susanne Block, MIT-Kreisvorsitzender und Sebastian Vennebusch, JU-Kreisvorsitzender.

Donnerstag, 22.03.2018, 15:03 Uhr

Diskutierten über Breitbandausbau (v.l.):Susanne Block (Moderatorin), Jens von Lengerke (IHK Münster), Petra Michalczak-Hülsmann (Gesellschaft für Wirtschaftsförderung), Florian Braun (MdL), Tanja Lützenrath und Ulla Schauf-Paschek (beide Deutsche Telekom) sowie Sebastian Vennebusch (JU-Kreisvorsitzender). Foto: Beate Kopmann

Mehrere Gäste waren jedenfalls sehr skeptisch, ob die 60 Millionen Euro, mit denen Bund und Land den Ausbau des schnellen Internets im Kreis Warendorf fördern wollen, nicht doch in eine veraltete Technologie – nämlich Vectoring – investiert werden. „Glasfaser ist die Zukunft, da geht kein Weg dran vorbei“, betonte der Landtagsabgeordnete Florian Braun, der Sprecher für Digitalisierung in seiner Fraktion ist. Petra Michalczak-Hülsmann, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Warendorf, erläuterte, man bemühe sich bei den derzeit laufenden Ausschreibungen um ein Upgrade, um vom Vetoring zur Glasfaser zu kommen. „Ich habe auch die Rechnung parat, was es kostet, Glasfaser bis ins letzte Gehöft zu verlegen.“ Dafür bräuchte man noch einmal 60 Millionen Euro.

Das Problem dabei: Deutschland ist flächendeckend mit Kupfernetz versorgt. Die alten Kupfer-Kabel waren eigentlich nur für Telefongespräche gedacht und sind viel zu langsam. Trotzdem sei die Vetoring-Technologie, die mit dem Kupfernetz arbeitet, eine „Brücken-Technologie“, meinte Jens von Lengerke (IHK Münster). Er wies darauf hin, dass bei der Glasfaser die Tiefbaukosten der eigentliche Kostentreiber seien. Deswegen sollte man prüfen, ob Überlandleitungen eine Alternative seien. Reinhard Genderka (Ahlen) warnte als Diskussionsteilnehmer und früherer Telekom-Manager davor, Vetoring zu verteufeln. „Glasfaser bis in jedes Haus ist das Ziel, aber bis wir das erreicht haben, brauchen wir Übergangstechnologien.“

Volker Dörken (Albersloh) wunderte sich, dass auf dem Podium nur zwei Vertreterinnen der Telekom saßen. Dabei gebe es im Kreis ja auch andere Anbieter: etwa die Deutsche Glasfaser, die den Glasfaser-Ausbau mit einer ganz anderen Strategie erfolgreich voranbringe. Tanja Lützenrath (Telekom) konterte, ihr Unternehmen baue sehr viel Glasfaser aus – nur eben nicht bis ins Haus, weil das enorm teuer sei. Von der Verteilerstation bis zum Haus arbeite man mit Kupferkabeln. Ein Argument, dass Dörken nicht gelten ließ. Die Deutsche Glasfaser mache ja vor, dass es mit einem anderen unternehmerischen Ansatz sehr wohl funktioniere. „Aber ich vermute mal, dass die Telekom auf Vetoring setzt, weil sie ihr Kupferkabelnetz nutzen will.“ Ulla Schauf-Paschek (Regionalmanagerin der Telekom) hielt entgegen, dass der flächendeckende Glasfaserausbau in ganz Deutschland einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag kosten würde.

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