Die nächste Generation
Wie der Vater, so der Sohn

Kreis Warendorf -

Wir werden alle älter, auch die Gründer oder Inhaber vieler Handwerksbetriebe. Nachfolger werden oftmals händeringend gesucht, weil nicht immer die Kinder erben wollen. Aus Sassenberg kommt aber eine Nachfolger-Geschichte, die motiviert, mit neuen Ideen auf einen alten Rohstoff zu setzen, der offenbar zeitlos gut ist: Holz!

Dienstag, 02.01.2018, 23:01 Uhr

Seit 2016 ist Ralf Strotmeier (r.) Chef der Tischlerei in Füchtorf. Sein Vater gab die Leitung an ihn ab, arbeitet seitdem wöchentlich zehn Stunden noch etwas mit. Beide verstehen sich gut. Eine wichtige Voraussetzung für eine Betriebsübernahme.
Seit 2016 ist Ralf Strotmeier (r.) Chef der Tischlerei in Füchtorf. Sein Vater gab die Leitung an ihn ab, arbeitet seitdem wöchentlich zehn Stunden noch etwas mit. Beide verstehen sich gut. Eine wichtige Voraussetzung für eine Betriebsübernahme. Foto: Peter Sauer

Wie ein Korkenzieher dreht sich die neue moderne Designer-Treppe in dem Schweizer Hotel nach oben. Gebaut wurde sie von der Füchtorfer Tischlerei Strotmeier . Sie setzt neben Türen, Möbel und Inneneinrichtungen vor allem auf Treppen, ob für Zuhause oder für 150 Meter lange Luxus-Yachten.

„Wir machen alles aus einer Hand – vom Entwurf über das Aufmaß bis zum Einbau des fertigen Produkts“ sagt Ex-Chef Clemens Strotmeier (66). Seit 2016 leitet sein Sohn Ralf Strotmeier die Tischlerei: „In unseren Produkten ist viel Grips und Hirnschmalz drin.“ Er liebt das Produkt Holz ebenso wie sein Vater, hat es schon früh kennengelernt. „Im Kinderwagen lag er öfters neben der Werkbank“, erinnert sich der Senior.

Erste Amtshandlung des neuen Chefs: er machte aus der GbR erst mal eine GmbH. „Wir treten ja immer in Vorleistung. Gerade beim teuren Yacht-Ausbau ist die sehr hoch“, erklärt Ralf Strotmeier den Schritt. „Als GmbH haben wir uns gut abgesichert. Vorher als GbR hatten wir ja auch mit allem Privatvermögen mitgehaftet.“

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Ein Bekannter von ihm in einem Konstruktionsbüro stellte damals den alles entscheidenden Kontakt zum Yacht-Innenausbau her. „Für den ersten Auftrag mussten wir eine neue 350 Quadratmeter große Halle bauen. Ralf Strotmeier klopft zufrieden auf den Holztisch: „Seit zehn Jahren haben wir mit den Yachten einen guten Lauf, arbeiten mittlerweile für drei große Yachtbauer.“

35 Jahre war es die Firma seines Vaters. Der 66-jährige Clemens Strotmeier ist nun Angestellter: „Ich kann nicht ganz von der Holzverarbeitung lassen und arbeite jetzt zehn Stunden die Woche.“

Übrigens: Sohn Ralf hätte nicht übernehmen müssen. „Mein Vater ließ mir freie Hand bei der Berufswahl und so fing ich erst eine Lehre zum Industriemechaniker an.“ Doch das Element Holz zu verarbeiten faszinierte ihn schließlich mehr. Mit der Verantwortung als Chef kommt der 38-Jährige gut klar: „Mit meinen 15 Mitarbeitern arbeite ich auf Augenhöhe zusammen. Wir sind ein Team.“

Stillstand ist seine Sache nicht. Der neue Chef setzt auch auf Zukunftssicherheit. „In den letzten fünf Jahren haben wir viel in Anlagen und Maschinen investiert, fast alle Maschinen ausgetauscht und in der Produktion alles auf 3D umgestellt.“ Größter Stolz ist das PC-gesteuerte Bearbeitungszentrum. „Da bauen andere ein Haus für“, sagt Ex-Chef Clemens Strotmeier zu der rund 400 000 Euro teuren Anschaffung. Für seinen Sohn Ralf ist es eine nachhaltige Investition: „Wir sind ja schließlich nicht mehr bei Meister Eder! Unsere Holzarbeiten sind vielfältig, wir arbeiten auch mit Licht, Glas, Metall oder – wie bei mancher Yacht – auch mit Blattgold.“

Deshalb ist die Philosophie für den Betriebsnachfolger klar: „Wir gehen lieber mit der Zeit, sonst laufen wir Gefahr, dass die Zeit uns einholt.“

Damit überzeugt er auch den Nachwuchs. Vier Azubis arbeiten in der Tischlerei von Ralf Strotmeier, für 2018 gibt es schon drei Bewerber: „Bei uns hat noch nie jemand abgebrochen.“

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