Aus Syrien geflohen
Familienmitglied des Assad-Clans als Flüchtling anerkannt

Warendorf/Münster -

Seit Anfang 2017 lebt eine Verwandte des syrischen Machthabers als Flüchtling im Kreis Warendorf. Seit Mittwoch ist klar, dass die 47 Jahre alte Frau dort mutmaßlich auch noch für eine längere Zeit bleiben wird. Das Verwaltungsgericht Münster hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge angewiesen, der Frau die Flüchtlingseigenschaften zuzugestehen.

Mittwoch, 20.12.2017, 11:12 Uhr

Aus Syrien geflohen: Familienmitglied des Assad-Clans als Flüchtling anerkannt
Die Witwe des getöteten Cousins von Syriens Präsident Baschar al-Assad wird in Deutschland als Flüchtling anerkannt. Foto: dpa

Die Klägerin, die eine syrische und die libanesische Staatsangehörigkeit besitzt, war seit 1993 mit einem Cousin Assads verheiratet. Der Mann war ein hoher Offizier in der syrischen Armee und wurde 2014 unter nicht näher geklärten Umständen getötet. Angeblich war er Chef einer Assad-treuen Milizen-Truppe und soll von Rebellengruppen ermordet worden sein. Ein Sohn ließ Machthaber Assad verhaften, nachdem dieser einen Luftwaffenoffizier im Streit getötet hatte. Im September 2015 schließlich wurde sie selbst Opfer eines Anschlags. Offenbar infolge familieninterner Auseinandersetzungen wurde sie von einem anderen Clanmitglied mit vier Kugeln niedergestreckt. Schwer verletzt überlebte sie den Anschlag.

Viele Landsleute kennen sie

Im Sommer 2016 kam sie nach Deutschland und Anfang 2017 in den Kreis Warendorf. Dort stellte sie im September ihren Asylantrag. Dass die Behörden vor Ort keine Information darüber erhielt, wer da als Flüchtling gekommen war, ärgerte seinerzeit Landrat Dr. Olaf Gericke sehr. „Wenn hier etwas Schlimmes passiert wäre, wäre der Teufel losgewesen.“ Das Problem: Die Frau gehörte in ihrer Heimat einst zu den oberen Zehntausend, viele Landsleute kennen sie. Als Mitglied des Assad-Clans ist sie bei vielen Syrern offenkundig verhasst, unabhängig davon, dass sie selbst Opfer des Regimes geworden ist. In Deutschland ist sie offenbar mehrfach schon von Landsleuten angegangen worden. Auch im Kreis Warendorf.

Asylsuchende aus dem Assad-Clan im Kreis Warendorf

Im Libanon nicht sicher

Das Bundesamt lehnte den Asylantrag der Frau ab. Begründung: Der Aufenthalt im Libanon sei für sie als libanesische Staatsbürgerin zumutbar. Dagegen klagte sie. Ihr Argument: Sie sehe sich in Lebensgefahr, weil sie mit der syrischen Präsidentenfamilie gebrochen habe und Syrien enge Kontakte zum Libanon pflege. Sie sei dort vor dem Zugriff der Assads nicht sicher.

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Politische Verfolgung zu fürchten

Dieser Klage gaben die Richter in ihrem Urteil vom 5. Dezember statt. In der am Mittwoch veröffentlichten Entscheidungsbegründung heißt es: „Die Klägerin hätte im Fall ihrer Rückkehr nach Syrien Verfolgungsmaßnahmen aus politischen Gründen zu fürchten, weil sie als aus Deutschland zurückkehrende Asylbewerberin wie alle syrischen Asylbewerber mit der Verfolgung durch das Assad-Regime zu rechnen hätte“ - und als Witwe eines Cousins des Machthabers besonders gefährdet sei.

Aufgrund ihrer Ehe mit einem hohen Offizier, „besteht auch die beachtliche Wahrscheinlichkeit einer drohenden Verfolgung durch die zahlreichen oppositionellen Gruppen in Syrien“. Aufgrund ihrer ehemaligen Verbindungen zur Präsidentenfamilie drohe ihr aufgrund der großen Anzahl aufgenommener Flüchtlinge auch im Libanon eine Verfolgung „durch andere Syrer in einem ähnlichen Ausmaß wie in Syrien selbst“. Gegen das Urteil kann die Zulassung der Berufung beantragt werden.

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