Integratives Leben
Ein Zuhause gefunden

Everswinkel -

Das Haus St. Vitus war seinerzeit die erste Wohnstätte des damaligen Caritasverbandes für den Kreis Warendorf e.V. (heute Caritasverband im Kreisdekanat Warendorf e.V.). Bald schon wohnten in dem Gebäude, das für diese Zwecke damals umgebaut und erweitert wurde, die ersten 15 Bewohner. Im Laufe der Jahre erhöhte sich deren Zahl auf 54, ermöglicht durch den Ausbau des Dachgeschosses und die Auslagerung einer Wohngruppe in ein Einfamilienhaus in den 90er Jahren.

Freitag, 01.09.2017, 15:09 Uhr

Das Haus St. Vitus an der Münsterstraße 22.
Das Haus St. Vitus an der Münsterstraße 22. Foto: Peter Sauer

Es war seinerzeit die erste Wohnstätte des Kreis-Caritasverbandes. Mit dem Wohnheim für behinderte Menschen war eine ideale Nachfolgenutzung für das ehemalige Everswinkeler Krankenhaus gefunden worden. Nun blickt das Haus St. Vitus 35 Jahre nach dem Einzug der ersten Bewohner am morgigen Sonntag, 3. September, bei einem Sommerfest auf seine 35-jährige Geschichte zurück.

„Am 1. September 1982 zogen die ersten vier Bewohner aus Beckum kommend in Everswinkel ein.“ Das berichtet der langjährige Heimleiter Franz-Pius Graf von Merveldt im Gespräch mit dieser Zeitung. „Einer dieser vier Bewohner wohnt seit dieser Zeit weiterhin dort. Ein weiterer hat schon beinah 20 Jahre im Ort eine kleine Wohnung. Die beiden anderen haben Everswinkel verlassen und stehen nicht mehr in Kontakt mit dem Haus St. Vitus.“

Der Name des Hauses, St. Vitus, ergab sich übrigens durch die Vorgeschichte des ehemaligen St. Vitus Hospital. Graf Von Merveldt ergänzt: „ St. Vitus zählt zu den 14 Nothelfern und ist namentlich als Veit ( Nervenkrankheit „Veitstanz“) ein Begriff.

19 Doppelzimmer und bloß sechs Einzelzimmer waren vom Träger zunächst konzipiert. Alle Bewohner müssen täglich einer Beschäftigung nachgehen, die in den Freckenhorster Werkstätten erfolgt. Mit Erfolg. „Im Laufe der Zeit ist es uns gelungen, drei Bewohner auf dem freien Arbeitsmarkt schon über zehn Jahre unterzubringen“, sagt Franz-Pius Graf von Merveldt, „auch in Everswinkel glückte dies für einen. „

Der Wohnkomfort veränderte sich im Laufe de Jahre. „Wir stellten fest, dass im Dachgeschoss die sechs Personal-Appartements nicht mehr benötigt wurden. Wegen der ungünstigen Doppelzimmerbelegung wollten wir so sechs zuverlässigen und verantwortungsvollen Bewohnern diese Appartements als neue Wohnmöglichkeit anbieten.“ Dich es gab zunächst Probleme: Das Dachgeschoss hatte nur einen einzigen Zugang. So fehlte der vorgeschriebene zweite Fluchtweg. Aber nicht lange. Nachdem das Problem durch eine Baumaßnahme bewältigt war, wollte der Träger dann auch zusätzliche Bewohner aufnehmen. Die Bewohnerzahl stieg von 44 auf 54 Personen.

In späteren Jahren kaufte der Caritasverband ein Haus gegenüber dem Everswinkler-Feuerwehr-Geräte-Haus. Sechs weitere Bewohner konnten dort Einzelzimmer beziehen und ein recht eigenständiges Leben entwickeln.

Seit 2007 gibt es das neue

Haus St. Vitus direkt an der Münsterstraße. Dort wohnen 24 Bewohner, während durch Anmietung einer weiteren Immobilie in der Bergstraße fast alle übrigen Bewohner eine neue Bleibe gefunden haben.

Mit großer Dankbarkeit schaut Graf von Merveldt auf den Verein „Freunde + Förderer des Haus St. Vitus, der unter dem Vorsitz des damaligen Bürgermeisters, Benno Poll, gegründet wurde und jetzt von Hermann Dirksen, ebenfalls Gründungsmitglied, engagiert geleitet wird.

Übrigens bekam Graf von Merveldt als Einrichtungsleiter jeden Kontoauszug in Kopie zugestellt. „So konnte ich im Namen der Bewohner viele große (Auto) und kleine Wünsche (zum Beispiel Weihnachtsgeschenke, für diejenigen, die im Haus St. Vitus die Festtage verbringen „mussten“) ermöglichen.“ Die Bewohner vom Haus St. Vitus machten in den vergangenen 35 Jahren auch regelmäßig Urlaub – in den drei Wochen, in denen die Freckenhorster Werkstätten geschlossen haben: es ging unter anderm nach Rom, Lourdes, Helgoland, Ameland, oder nach Berlin, in früheren Zeiten noch mit DDR-Grenzkontrollen. Die Reisen zu den Katholiken- und den Kirchentagen waren auch für die begleitenden Betreuer bedeutsam.

2016 wurde der 25-jährige Projekttag in der LVHS-Freckenhorst begangen. Diese viermal jährlich stattfindenden Tage wurden seit Beginn in Kooperation mit der Lebenshilfe im Kreis Warendorf durchgeführt und erfreuen sich, so Graf von Merveldt, weiterhin großer Beliebtheit. Die Freckenhorster Werkstätten geben den Teilnehmern dann einen Tag Bildungsurlaub.

Stolz ist Graf von Merveldt auch auf die kreativen Gruppen. Unter fachlicher Anleitung gibt es zum Beispiel vielgestaltige Malkurse im Haus der Generationen. Die Vitus-Bewohner gestalten mit ihren Werken einige Ausstellungen, die Publikum wie Presse gleichermaßen erfreuen. Auch farbenfrohe Kalender wurden erstellt. „Großes Glück hat das Haus durch das Musikinstrumenten-Angebot unter fachlicher Begleitung“, betont der Graf. „Es wurde durch Spenden sogar möglich im Haus St. Vitus einen eigenen Musikraum zu errichten, für den der Kostenträger (Landschaftsverband Westfalen-Lippe) wohl kein Geld zur Verfügung gestellt hat.“

Ein besonders Kennzeichen des Hauses ist die gesellschaftliche Teilhabe seine Bewohner. Sie können gleichberechtigt an allen Bereichen des Everswinkeler Lebens teilnehmen.

Für besondere Veranstaltung wurden auch schon renommierte Schirmherren gewonnen, wie den jetzigen MdB Reinhold Sendker. Er lud das Haus St. Vitus auch zu einem Besuch in den Landtag nach Düsseldorf ein. Diözesan Caritasdirektor Heinz-Josef Kessmann war Schirmherr für ein Fußballturnier der kleinen Wohnheime. Auch der verstorbene Diözesanbischof Dr.Reinhard Lettmann sowie sein Weihbischof Friedrich Ostermann waren Gäste des Hauses.

Die Haltestelle vor der Einrichtung für den Schnellbus nach Münster hieß eine Zeit lang Haus St. Vitus. Zum Leidwesen der Einrichtung wurde sie aber dann in „Friedhof“ umgewandelt. Der liegt gegenüber.

Kontakte und Besuche von der Kirchengemeinde gab und gibt es mit unterschiedlicher Intensität. Das katholische Pfarrheim konnte für eigene Veranstaltungen genutzt werden. Auch die Verbindung zum Altenheim Haus St. Magnus verläuft sehr gut.

Doch Franz-Pius Graf von Merveldt räumt ein: „Man darf nicht nur schwärmen. Es gibt heute durch die andauernden Daumenschrauben seitens des Kostenträgers, Pflegesatzveränderungen, begrenzte Fachleistungsstunden als Sparmaxime, Personalkürzungen (es gibt für die Zivildienstleistenden keinen Ersatz!) trotz steigender Arbeitssteigerung bezogen auf älter werdende Bewohner.

„Im Nachhinein kann ich nur von großem Glück reden, dass mir bei der Aufgabenerfüllung als Einrichtungsleiter die Referenten des Diözesancaritasverbandes in Münster stets zur Verfügung standen und auch in die Einrichtung kamen, wenn es mal „brannte“, so Graf von Merveldt abschließend.  

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5118622?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F128%2F
Güterzug kollidiert mit Auto: Frau schwer verletzt
Bahnübergang Glücksburger Straße: Güterzug kollidiert mit Auto: Frau schwer verletzt
Nachrichten-Ticker