Fritz-Winter-Haus
Innerem Kompass gefolgt

Ahlen -

Brückentag, Kurzurlaub – davon war am Samstagnachmittag im Fritz-Winter-Haus nichts zu spüren, als Hausherrin Helga Gausling ihre Ausstellung „Hans Jaenisch – Retrospektiv“ eröffnete. Dazu begrüßte sie nicht nur den früheren Stadtdirektor Dr. Gerd Willamowski, einen Freund des Hauses, sondern auch Gudrun Schmiegel, die ältere Schwester der verstorbenen Künstlerwitwe Adelheid Jaenisch. Helga Gausling betonte, wie dankbar sie sei, den Nachlass von Hans Jaenisch übernommen zu haben.

Sonntag, 06.10.2019, 18:00 Uhr
Helga Gausling freute sich über den Besuch Gudrun Schmiegels, der älteren Schwester der verstorbenen Adelheid Jaenisch. Foto: Dierk Hartleb

Mit Dr. Friedhelm Häring unternahm es ein anderer Freund des Hauses, den biografischen und künstlerischen Stationen Jaenischs, Jahrgang 1907, nachzuspüren. Nach dem Abitur am Stephaneum in Aschersleben, das übrigens auch Neo Rauch über 50 Jahre später besuchte, beschäftigte sich Jaenisch als Autodidakt mit Kunst, verweigerte sich dem elterlichen Wunsch, eine Banklehre zu machen und wurde schon als 20-Jähriger von Herwarth Walden, Kunstmäzen, Galerist und Verleger, für eine Ausstellung in der Sturm-Galerie in Berlin entdeckt.

In diesen Jahren hatte Jaenisch den ersten gesellschaftlichen und politischen Umbruch erlebt: Zusammenbruch des Kaiserreichs nach verlorenem Ersten Weltkrieg , Novemberrevolution, Ausrufung der Weimarer Republik und so weiter. Hans Jaenisch ließ sich von diesen auch existenziellen Herausforderungen nicht unterkriegen, sondern suchte konsequent seinen Weg Der führte ihn 1928 als Lehrer an die private Berliner Kunstschule „Der Weg“, wo er die Nachfolge des Künstlers Otto Nebel antrat.

Nach der Schließung der Schule 1933 durch die Nationalsozialisten und ein Ausstellungsverbot zog sich Jaenisch in sein Atelier zurück. Der Einberufung zum Kriegsdienst 1940 folgte die Verwendung in Afrika, wo er 1943 in amerikanische Gefangenschaft geriet. In der verblieb er bis 1946, kehrte dann über Schottland in das zerstörte Berlin zurück.

Volles Haus zur Eröffnung der Jaenisch-Ausstellung.

Volles Haus zur Eröffnung der Jaenisch-Ausstellung. Foto: Dierk Hartleb

Häring widmete sich deshalb so intensiv diesen Jahren, weil sich Jaenisch in Afrika künstlerisch mit Beduinen und in der Gefangenschaft in den USA mit Porträts der Offiziere und der Kunst der Indianer beschäftigte. Diese Einflüsse hinterließen deutliche Spuren in seinem Werk.

Nach seiner Rückkehr fasste Jaenisch beruflich schnell wieder Fuß, malte, obwohl es an allem fehlte. In der Zeit der Luftbrücke entstanden die bekannten Bilder der Rosinenbomber, die auch in der Ausstellung zu sehen sind. Das ruchlose Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der demokratische Neuanfang stellten den zweiten Einschnitt im Leben der Angehörigen dieser Generation dar, so Häring. Auch diese Zäsur habe Jaenisch mit dem ihm eigenen Optimismus gemeistert.

Hans Jaenisch war damals schon sehr gut vernetzt.

Dr. Friedhelm Häring

Mit der Berufung zum Professor an der HBK Berlin 1953 war Jaenisch auch wirtschaftlich abgesichert, wobei er schon sehr früh in Galerien in New York, London und Paris vertreten gewesen war. „Hans Jaenisch war damals schon sehr gut vernetzt“, so Häring. Zeitgleich begannen die Aufenthalte auf Amrum, die 1964 zum eigenen Atelier dort führten.

Passend zu den Fugettenbildern von 1959 und 1960, interpretierte Christian Feischen am Klavier eine malerische Komposition und verband sie mit Themen aus dem Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski.

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