Eichenprozessionsspinner
Nest für Nest – ab in die Tüte

Vorhelm/Ahlen -

Nicht mit dem Sauger, sondern mit dem Kratzer rückten Fachleute den Eichenprozessionsspinnern in Vorhelm zu Leibe. Anlieger hatten über gesundheitliche Beschwerden geklagt. Offensichtlich waren feine Härchen in ihre Gärten geflogen.

Mittwoch, 12.06.2019, 20:30 Uhr
Mit Haarspray eingesprüht, werden feinste Härchen fixiert. Erst dann geht es mit dem Kratzer ans Nest. Die Raupen werden in Tüten aufgefangen und später von einem Entsorgungsunternehmen verbrannt. Foto: Ulrich Gösmann

Schon einmal Quallen-Kontakt gehabt? Dieses Brennen auf der Haut gespürt? Diesen Reiz, kratzen zu wollen, um gerötete Partien zu Pusteln anschwellen zu lassen? Anlieger des Vorhelmer Wohngebiets Up‘n Felde reichte ganz offensichtlich die frische Luft an windigen Pfingsttagen zur Reizübertragung. Winzige Härchen hatten es unbemerkt auf ihre Haut geschafft. Rübergeweht von der Straßenbaumreihe, in der sich – lang dran runter – der Eichenprozessionsspinner eingenistet hat. Der medizinischen Erstversorgung folgte am Mittwoch die Entsorgung.

Für Stefan Krellmann-Beer , Geschäftsführer der Firma „Stamm und Ast“ aus Hamm, reichte zum Wochenstart ein Anruf der Ahlener Umweltbetriebe, um sich gleich auf den Weg ins Wibbeltdorf zu machen. Viele Nester waren da schon bei seinem Vorab-Gutachten vom Boden aus sichtbar. Weitere sollten am Folgetag mit dem Hubwagens noch entdeckt werden. Für eine seiner fünf zurzeit voll ausgelasteten Kolonnen, die in diesen Wochen schwerpunktmäßig durch den Hammer Norden ziehen, begann ein Tag, dessen Länge die Baumreihe vorgab.

Eichenprozessionsspinner in Ahlen

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  • Vorhelm, Up‘n Felde: Entsorger im Einsatz Vorhelm, Up‘n Felde: Entsorger im Einsatz Foto: Ulrich Gösmann
  • Vorhelm, Up‘n Felde: Entsorger im Einsatz Foto: Ulrich Gösmann
  • Vorhelm, Up‘n Felde: Entsorger im Einsatz Foto: Ulrich Gösmann
  • Vorhelm, Up‘n Felde: Entsorger im Einsatz Foto: Ulrich Gösmann
  • Vorhelm, Up‘n Felde: Entsorger im Einsatz Foto: Ulrich Gösmann
  • Vorhelm, Up‘n Felde: Entsorger im Einsatz Foto: Ulrich Gösmann
  • Vorhelm, Up‘n Felde: Entsorger im Einsatz Foto: Ulrich Gösmann
  • Vorhelm, Up‘n Felde: Entsorger im Einsatz Foto: Ulrich Gösmann
  • Vorhelm, Up‘n Felde: Entsorger im Einsatz Foto: Ulrich Gösmann
  • Vorhelm, Up‘n Felde: Entsorger im Einsatz Foto: Ulrich Gösmann
  • Vorhelm, Up‘n Felde: Entsorger im Einsatz Foto: Ulrich Gösmann
  • Vorhelm, Up‘n Felde: Entsorger im Einsatz Foto: Ulrich Gösmann
  • Vorhelm, Up‘n Felde: Entsorger im Einsatz Foto: Ulrich Gösmann

Rein in den Schutzanzug und in die Latex-Handschuhe. Den Übergang mit Klebeband isoliert, auf dass keines der Mikro-Härchen an die Haut kommt. Zweite Schicht Arbeitshandschuhe drüber, Schutzhelm auf, den rückseitigen Schlauch mit dem Atemschutzgerät verbunden und fertig: Stefan Krellmann-Beer spricht von Vollschutz, unter dem sich seine beiden Kollegen bis zur Spitze vortasteten. „Oft sitzen die Nester auf der Unterseite der Äste, in den Kronenpartien oder am Stammfuß“, erklärt der Fach-Agrarwirt für Baumpflege. Unten sei die Übertragungsgefahr besonders groß, wenn Hunde oder spielende Kinder mit dem Stamm in Berührung kämen.

Auch viele Jahre später noch giftig

Die Reaktionen stellten sich oft erst zeitversetzt ein. „Abends, wenn man zu Hause ist, kriegt man Pusteln oder andere allergische Reaktionen“, sagt der „Stamm und Ast“-Geschäftsführer, der seine Mannschaft in diesem Monat komplett auf den Eichenprozessionsspinner-Einsatz umgestellt hat. Das Gespinst, die Raupe und auch der Kot – alles sei bei Berührung gleich giftig. Und das auch noch zehn bis 15 Jahre später. Umso wichtiger sei die professionelle Entsorgung. Die, am wirtschaftlichsten mit dem Sauger, in Vorhelm allerdings genauso gründlich mit dem Kratzer ausgeführt wird, weil alle Geräte im Einsatz seien.

Schwerpunkte in Borbein und Westhusen

Mit dem Haarspray werden zunächst die entdeckten Nester eingesprüht, um sämtliche Haare zu binden. Dann wird gekratzt – und in einem Beutel gesammelt. Die Tüte komme in eine weitere Tüte, lässt Krellmann-Beer wissen. Alles, was die Eichen an Nestern hergeben, lande letztendlich zur Verbrennung in einem Entsorgungsbetrieb.

In Vorhelm ist von den rund 80 Bäumen grob geschätzt jeder dritte befallen. Der Einsatzradius beschränkt sich auf den Bereich der Wohnsiedlung. Hier wie anderswo. Weitere Schwerpunkte sieht Robert Schmäing, Vize-Grünflächenleiter bei den Ahlener Umweltbetrieben, in den Bauerschaften Borbein und Westhusen. Dort, wo niemand wohne, müsse auch nicht aktiv eingegriffen werden. Die Stadt beschränke sich dort auf das Anbringen von Warnschildern. Schließlich würden Raupen irgendwann davonfliegende Falter. Mit ihnen löse sich das Problem dann in Luft auf.

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