Zeche Westfalen blüht auf
Es grünt so grün auf der Gleisharfe

Ahlen -

Einst Gleisharfe und Aufbereitung, demnächst ein grünes El Dorado: Auf der Zeche Westfalen in Ahlen entwickelt sich auf 13 Hektar Fläche Natur neu. Anschubhilfe geben in Kürze über 30 000 Wasserpflanzen zwischen Deichen und Biotopen.

Samstag, 02.03.2019, 07:00 Uhr
Sein Revier: Projektmanager Christian Heiderich begleitet die ehemalige Gleisharfe in ihrer Entwicklung. Foto: Ulrich Gösmann

Den Förderweg gibt‘s an frühlingshaften Februartagen gleich zweimal. Einmal stehen seine Zechenhäuser sogar Kopf. Eine Laune der Natur, auf glasklarer Wasseroberfläche zwischen den Deichen inszeniert, wenn kein Lüftchen weht. Gleisharfe war gestern, Renaturierung ist heute. Zwei Jahrzehnte nach dem letzten Zechen-Zugverkehr hat die RAG Montan Immobilien die Signale auf Renaturierung einer Fläche gestellt, die 18 Fußballfelder fassen könnte. Mit ökologischem Anspruch entsteht eine sogenannte Offenlandfläche. Eine nachhaltige, eine günstige Folgenutzung, die kurz vor dem Abschluss steht. In Kürze folgen 30 380 Pflanzen – vom Schilf bis zum Röhricht. Auf dass Kiebitze, Flussregenpfeifer und andere Bodenbrüter heimisch werden. Für Bussarde gibt‘s übrigens separate Landeantennen.

Zweimal Förderweg. Einmal auf dem Kopf.

Zweimal Förderweg. Einmal auf dem Kopf. Foto: Ulrich Gösmann

Es ist sein Revier: Christian Heiderich , Diplom-Ingenieur bei der RAG Montan Immobilien, kommt alle zwei Wochen aus Essen rüber, um zu schauen, wie sich seine Fläche macht. Im April 2017 war mit den Arbeiten begonnen, weit davor die Frage beantwortet worden: Was daraus machen?

Es liegt eine Belastung vor, die überwacht wird.

Christian Heiderich (Projektmanager)

Gewerbefläche? Scheiterte an der fehlenden Anbindung, die eine Osttangente jetzt für den Schwerverkehr schaffen könnte. Wohnbebauung? Ebenso unwirtschaftlich, wie der Projektingenieur beim Ortstermin in dieser Woche zurückblickt. Inzwischen hat sich viel bewegt. 13 Hektar Fläche wurden mit dichtem Boden aufgefüllt. Höhenschwankend zwischen einem halben und eineinhalb Meter. Machte in der Masse 130 000 Kubikmeter Erdbewegung. Dabei entstanden zwei Tiefpunkte und unzählige Kleinkuhlen, die Regen aufnehmen, um ihn über die Verdunstung wieder abzugeben. Heiderich spricht von Offenland-Struktur, von der bedrohte Tierarten profitieren sollen. Nutznießer ist aber auch die RAG . Für sie die preiswerteste Lösung. Abflussfrei gestaltet – und frei von Entwässerungsgebühren. „Einmalig, ein Pilotprojekt“, lässt Stephan Conrad , Sprecher der RAG-Montan, wissen. Und sollte mehr Regen fallen, als die Fläche zwischen ihren Deichen halten kann, kommen Tauchpumpen in Pumpensümpfen ins Spiel.

Panoramablick vom Förderturm in Richtung Nord / West.

Panoramablick vom Förderturm in Richtung Nord / West. Foto: Ulrich Gösmann

Technik im Verborgenen – auch an anderen Stellen: Messstationen liefern nicht nur Pegelstände, sondern auch Qualitätsangaben zum Grundwasser. „Es liegt eine Belastung vor, die überwacht wird“, sagt Christian Heiderich – und schickt erklärend Entwarnendes hinterher: Wo eine Kokerei gestanden habe, seien kokereispezifische Kohlenwasserstoffe nun mal da. „Wir müssen hier in Ahlen aber keine Grundwasserreinigung machen.“ Anderswo schon.

Panoramablick vom Förderturm in Richtung Süd / West.

Panoramablick vom Förderturm in Richtung Süd / West. Foto: Ulrich Gösmann

Überwachungseinheiten für das Grundwasser arbeiten auch außerhalb der Fläche. „Eine Ewigkeitsaufgabe der RAG“, wie der 49-Jährige erklärt. Das Messnetz insgesamt – es sei „sehr umfangreich“. Und nur durch einige Rohre zu erkennen, die aus dem Boden oder Wasser blitzen.

Der Förderweg in Deichdeckung.

Der Förderweg in Deichdeckung. Foto: Ulrich Gösmann

Nordseefeeling im Ostenstadtteil durch die neue „Offenlandfläche“: Dazu tragen die Deiche bei, die das Areal umschließen. Drinnen mit Ton verdichtet, damit das Regenwasser nicht auf die Wege und Nachbargrundstücke durchsickern kann. Draußen mit einer Erosionsmatte überspannt. Einem Stroh unterfütterten Geflecht, das Absackungen verhindern soll. 80 Meter folgen jetzt noch entlang des Radwegs.

Geht auf neun Meter hoch: das Sicherungsbauwerk. Mit Potenzial für Freizeitentwicklung.

Geht auf neun Meter hoch: das Sicherungsbauwerk. Mit Potenzial für Freizeitentwicklung. Foto: Ulrich Gösmann

Dominant auf weiter Flur: ein Hügel auf halber Höhe – mit tiefem Sinn und neun Metern Spitze. Ein Sicherungsbauwerk, wie der Sanierungsmanager erklärt. „Hier war mal `ne Kokerei. Da steckt eine ganze Menge an Schadstoffen drin.“ Unter einer Deponieabdeckung sei zusammengefasst worden, was einst nach Zechenschließung an Schadstoffen auf „Westfalen“ ausgekoffert wurde. Mit einer 3-Millimeter-Kunststofffolie abgedeckt; regenresistent! Und: „Mit einer Garantiefrist von 100 Jahren“, wie Stephan Conrad nachschiebt. Sie verhindere ein Ausschwemmen von Schadstoffen. In Kürze sollen 30 380 Wasserpflanzen auf der Fläche angepflanzt werden, um die Verdunstungsleistung zu erhöhen. Noch mehr Natur gibt‘s zeitnah über die Ausspritzbegrünung.

Netzmatten schützen Deiche vor Erosionen.

Netzmatten schützen Deiche vor Erosionen. Foto: Ulrich Gösmann

Die Kosten nur für die Gestaltung der Offenlandfläche beziffert die RAG mit rund zwei Millionen Euro. Darin noch nicht enthalten die der gesamten Flächen- und Gebäudesanierung sowie der Rückbau und die weiterlaufenden Kosten des Monitorings.

Das muss hier nicht eine No-Go-Area für die nächsten 30 Jahre sein.

Stephan Conrad (RAG-Sprecher)

Drei Jahre steht die Fläche fortan unter Beobachtung. Ob sie dann freigegeben wird, dazu müsse eine Regelung gefunden werden, betont Stephan Conrad, blickt auf den Hügel, unter dem die Schadstoffe abgeschirmt schlummern. Und dann rüber ins Ruhrgebiet: Auf „Consol 349“. Ein Stadtteilpark, der in Gelsenkirchen-Bismarck auf solch einem Sicherungsbauwerk installiert worden sei und Naherholung biete. Mit Soccer, Basketballfeld . . . und Grillplatz. „Das muss hier nicht eine No-Go-Area für die nächsten 30 Jahre sein“, sagt Conrad, lacht – und lässt gleich wissen, dass es dafür dann Verantwortlichkeiten vor Ort geben müsse. Allein schon wegen des anfallenden Mülls, den es doch sicherlich auch hier in Ahlen auf Westfalen gebe, oder. . .?

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