Immer häufiger in Ahlen
Täglich eine Tonne wilder Müll

Ahlen -

Teile einer Küche und ein Sofa, die im Grünen landen. Und ein aktuelles Paradebeispiel für ein Problem, das in Ahlen immer größer wird: wilde Müllentsorgung! Im vergangenen Jahr kamen 260 Tonnen zusammen. Tendenz steigend.

Dienstag, 12.02.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 12.02.2019, 14:20 Uhr
Zwischen Rodelberg und Bahnlinie: wild entsorgt am Wochenende. Foto: Ulrich Gösmann

„Unvorstellbar“, kommt‘s Matthias Krätzig so spontan über die Lippen, als habe er Ähnliches noch nie gesehen. Doch was die Männer von den Ahlener Umweltbetrieben am Montagnachmittag zwischen Rodelberg und Bahnlinie erwartet, ist inzwischen trauriges Tagesgeschäft. Eine ausrangierte Einbauküche wartet darauf, aus freier Natur abgeholt zu werden. Kleine Zugabe obendrauf: ein Sofa im Kunstleder-Look, reichlich durchhagelt – nicht nur von den Niederschlägen des Wochenendes.

„Ich kann es nicht nachvollziehen!“ Der Einsatzleiter Stadtreinigung schüttelt angenervt mit dem Kopf. „Alles Sperrmüll und Elektroschrott. Wir hätten es sogar frei Haus abgeholt.“ Alternativ wäre auch eine kostenlose Anlieferung auf dem Recyclinghof an der Alten Beckumer Straße gegangen. Aber nein: Es werde einfach irgendwo abgeladen. Die Folge: eine weitere Extratour für die beiden Kollegen von der Sperrmüll-Kolonne. Das koste Zeit und Geld – und treibe letztendlich die Entsorgungskosten hoch.

Rein damit! Die Sperrmüll-Kolonne auf Extratour.

Rein damit! Die Sperrmüll-Kolonne auf Extratour. Foto: Ulrich Gösmann

Ob‘s häufiger passiert? „Ja“, antwortet Krätzig – und schickt ein „immer häufiger“ hinterher. Wild entsorgter Müll habe es allein im vergangenen Jahr auf 260 Tonnen gebracht. Mache pro Arbeitstag eine Tonne. Und das sei „wahnsinnig viel“. Zum Vergleich: In ein Pressfahrzeug passen acht Tonnen.

Ich kann es nicht nachvollziehen.

Matthias Krätzig

Beliebte Abladeplätze seien dort, wo man sich unbeobachtet fühle, sagt Michael Morisse, Einsatzleiter Entsorgung. Darunter die Top-Adressen Oestricher Landwehr (im Wald), Am Morgenbruch, Dolbergs Markenweg, Osterholt und Henneberg sowie Vorhelm-Bahnhof. Gern würde auch an Altglascontainern zugestellt, was nicht durch die Öffnung passe. Allen voran hinter dem toom-Baumarkt. An der Ostbredenstraße habe sich die Situation vollständig entspannt, seitdem die Container unter der Erde liegen.

Und für den Elektroschrott ein Extra-Fahrzeug.

Und für den Elektroschrott ein Extra-Fahrzeug. Foto: Ulrich Gösmann

Im aktuellen Fall stechen zwei Aufkleber auf dem ausrangierten Kühlschrank ins Auge: „The Fuerte Diving Base“ lässt von den Kanarischen Inseln grüßen, der Verband Bildung und Erziehung wirbt mit dem Slogan „Erzieher und Erzieherinnen geben Kindern Zukunft.“ Zu dünn, um darauf Recherchen aufzubauen, die zum Verursacher führen könnten. Der würde im Fall einer zielführenden Rückverfolgung mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren belangt und müsste die Kosten für die Extraentsorgung tragen – zuzüglich einer Ordnungsstrafe.

Weiter sind die Ahlener Umweltbetriebe auf der anderen Seite der Langst. Der Parkplatz am ehemaligen Tiergehege war in der Vorwoche in die Schlagzeilen geraten. Durch wilden Müll, der darauf hindeuten lässt, dass hier auch andere Nummern laufen. Die Stadtgärtner haben inzwischen das Unterholz herausgeschnitten. Jetzt ist freie Sicht vom Vorhelmer Weg auf den Parkplatz. Krätzig spricht von einer ersten Maßnahme. Sollte sich die in den nächsten Wochen nicht bewähren, laufe der Parkplatz Gefahr, ganz gesperrt zu werden.

Tiefe Einblicke am alten Tiergehege: Der Parkplatz ist jetzt auch von der Straße frei einsehbar, wie Matthias Krätzig zeigt.

Tiefe Einblicke am alten Tiergehege: Der Parkplatz ist jetzt auch von der Straße frei einsehbar, wie Matthias Krätzig zeigt. Foto: Ulrich Gösmann

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