Recherchen um ein altes Poesiealbum
Text aus Kriegstagen weckt Neugier

Ahlen -

Wer war eigentlich Erwin Rejewski? Diese Frage stellten sich die Eheleute Ruth und Reinhard Struckmeier, als sie einen Eintrag unter diesem Namen in einem alten Poesiealbum fanden.

Montag, 24.09.2018, 17:32 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 24.09.2018, 17:24 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 24.09.2018, 17:32 Uhr
Einfach mal „googeln“: Ruth Struckmeier stieß bei der Suche des Gedichtverfassers aus dem Jahr 1940 im Poesiealbum ihrer verstorbenen Schwester auf einen früheren Bundesanwalt, was auch ihren Mann Reinhard Struckmeier (v. l.) überraschte. Foto: Ralf Steinhorst / privat

Ein Gedicht aus den Kriegstagen im Poesiealbum ihrer verstorbenen Schwester faszinierte Ruth Struckmeier , der Verfasser Dr. Erwin Rejewski allerdings war ihr unbekannt. Als sie nach diesem Namen im Internet forschte, stieß sie auf eine Persönlichkeit, die laut Magazin „Der Spiegel“ 1968 zum Bundesanwalt ernannt wurde.

Anni Deurbroek, die Schwester von Ruth Struckmeier, starb im Februar dieses Jahres kurz vor ihrem 94. Geburtstag im belgischen Beyne-Heusay bei Lüttich. Sie hatte nach dem Krieg einen belgischen Besatzungssoldaten in der Wersestadt kennengelernt, folgte ihm später nach Belgien und heiratete ihn. Mit ihrem Tod hatte Anni Deurbroek nicht nur Fotos hinterlassen, sondern auch ein Poesiealbum, dessen Einträge aus der Zeit von 1937 bis 1940 stammen. Diese erhielt Ruth Struckmeier nach dem Tod ihrer Schwester.

Beim Lesen des Poesiealbums fanden sich Einträge von Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten ihrer Schwester. An einem Eintrag aber blieb ihr Blick hängen: „Das Gedicht hat mich fasziniert, weil es so schön geschrieben war.“ Denn da heißt es: „Im Kriege lernten wir uns kennen, die Zeit mit Dir war kurz und froh. Im Kriege mussten wir uns trennen, dass ist im Leben leider so.“ Unter dem mehrere Strophen umfassenden Text aus dem Januar 1940 gab sich ein Dr. Erwin Rejewski als Autor zu erkennen, damals Feldwebel in einer Panzerabwehreinheit.

Der Originaltext aus dem Poesiealbum. Foto: privat

Der Verfasser machte Ruth Struckmeier neugierig. Sie konnte ihre Schwester ja nun nicht mehr fragen. Diese war damals schon 16 Jahre alt, sie selbst wurde erst 1941 geboren, konnte den Soldaten Erwin Rejewski also nicht kennengelernt haben. „Unsere Familie hatte während des Krieges oft Gäste, vermutlich war er einer von ihnen“, versucht Ruth Struckmeier Zusammenhänge zu erfassen.

Warum den Namen zum Spaß nicht mal „googeln“? Die Suche ergab dann eine große Überraschung, als ein Presseartikel aus dem „Spiegel“ im März 1968 über die Ernennung eines Dr. Erwin Rejewski zu einem von 14 Bundesanwälten ausführlich berichtete. „Ich war sehr überrascht und sagte zu meinem Mann: ,Guck dir das mal an‘“, so ihre erste Reaktion. Ehemann Reinhard zeigte sich ebenfalls erstaunt: „Was die Schwester meiner Frau seinerzeit für Kontakte hatte . . .“

Wenn es derjenige Dr. Erwin Rejewski war, der in ihrem Elternhaus zu Gast war, musste er im Jahre 1940 26 Jahre alt gewesen sein, also zehn Jahre älter als ihre Schwester. Im Jahr 1937 hatte er promoviert und war vor seiner Berufung zum Bundesanwalt Oberstaatsanwalt in Berlin.

Unsere Familie hatte während des Krieges oft Gäste, vermutlich war er einer von ihnen.

Ruth Struckmeier
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