Volksbanken-Fusion
„Strategische Weichenstellung“

Ahlen -

Die Vertreterversammlung der Volksbank eG hat den Weg frei gemacht für die Fusion mit der Volksbank eG im Ostmünsterland (Harsewinkel). Es gab nur eine einzige Nein-Stimme.

Donnerstag, 17.05.2018, 10:05 Uhr

Mit nahezu 100 Prozent stimmte die Vertreterversammlung der Volksbank eG der Verschmelzung mit der Volksbank im Ostmünsterland eG zu. Nur ein einziger Delegierter votierte mit „Nein“, Enthaltungen gab es keine. Foto: Peter Harke

Es war keine gewöhnliche Vertreterversammlung, mit Einlasskontrolle und Platzanweiserinnen. Gäste und Presse wurden höflich, aber bestimmt auf die Empore gebeten. Für die Mitglieder des „Bankparlaments“ war am Dienstagabend im großen Saal der Stadthalle ein separater Bereich mit Kordeln abgesperrt, der sogenannte „Präsenzbereich“, zu dem außer ihnen niemand Zutritt hatte, den sie umgekehrt aber auch möglichst nicht verlassen sollten, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Dirk Holterdorf sie ermahnte, ohne sich bei den Schriftführern abzumelden. Holterdorf bat um Verständnis dafür, dass wegen der anstehenden Beschlussfassung über die Fusion mit der Volksbank im Ostmünsterland eG „formal strengere Auflagen als üblich“ galten.

Eine gewisse Anspannung war den Verantwortlichen deutlich anzumerken – ebenso wie dann die Erleichterung, als es um 20.39 Uhr „gelaufen“ war. Mit nahezu 100 Prozent stimmte die Versammlung der Verschmelzung zu, nur ein einziger von 158 Vertretern votierte dagegen. Enthaltungen gab es keine. Auf deutlich weniger Begeisterung waren die „Heiratspläne“ am Montagabend bei den Vertretern der Volksbank Ostmünsterland in Harsewinkel gestoßen: Mit 99 Ja- und 23 Nein-Stimmen, was einer Zustimmungsquote von 81,15 Prozent entspricht, wurde die Hürde der für eine Annahme des Verschmelzungsvertrages erforderlichen Dreiviertel-Mehrheit nur relativ knapp übersprungen. Aufsichtsratsvorsitzender Dirk Holterdorf ist dennoch zuversichtlich, auch die Skeptiker noch davon überzeugen zu können, dass der Zusammenschluss „wirklich eine gute Sache“ sei, eine „strategische Weichenstellung“ für die Zukunft und zum Wohl beider Partner.

Die begegnen sich nach den Worten von Rolf Weishaupt „auf Augenhöhe“, weil beide „betriebswirtschaftlich gesund“ und sich in ihrer geschäftspolitischen Ausrichtung „sehr ähnlich“ seien. Mit Blick auf die Landkarte stellte der Vorstandsvorsitzende fest, dass das künftige, größere Geschäftsgebiet „auch rein optisch eine harmonische Einheit“ bilden werde.

Mit einer addierten Bilanzsumme von rund zwei Milliarden Euro wird die „neue“ Volksbank eG mit Sitz in Warendorf nach Weishaupts Worten ein „ebenbürtiger Wettbewerber“ im Marktgebiet von Münsterland und Ostwestfalen sein. Womit der Vorstandssprecher auch den Wettbewerb um Köpfe meinte: „Wir müssen attraktive Arbeitsplätze und Aufstiegschancen gerade auch für den Nachwuchs bieten.“

„Ebenbürtiger Wettbewerber“ im Marktgebiet

Die Gründe für die neuerliche Fusion hatte Weishaupt zuvor noch einmal mit drei Schlagworten zusammenge fasst: Niedrigzinsumfeld, Ban­­­ kenregulierung und Digitalisierung. Diese Herausforderungen seien in größeren Einheiten leichter und effizienter zu bewältigen. Er sei überzeugt: „Unsere Personal- und Sachkostenstruktur wird sich verbessern.“ Dies gelte auch perspektivisch für das Betriebsergebnis. Den Kunden verspreche er aber: „Wir setzen weiter auf Regionalität.“

Als „vorausschauend“ lobte Ludwig Lippes, Wirtschaftsprüfer beim Genossenschaftsverband in Düsseldorf, die Entscheidung der beiden Institute, sich zusammenzutun. Der Verband kommt in seinem Prüfungsgutachten, das Lippes verlas, zu dem Ergebnis, dass die in Paragraf 1 des Verschmelzungsvertrages formulierte Zielsetzung einer „langfristigen Existenzsicherung der beteiligten Genossenschaften“ erreicht werden kann.

Der Vertrag muss nach der Annahme durch die Vertreter nun noch notariell beurkundet werden. Die Fusion wird rückwirkend zum 1. Januar 2019 wirksam, wenn im Sommer die Eintragung in das Genossenschaftsregister erfolgt ist. Zuvor müssen im April auf letztmals getrennten Vertreterversammlungen noch die Jahresabschlüsse für 2018 genehmigt werden. Die technische Fusion soll im Herbst vollzogen werden. „Und dann“, so Dirk Holterdorf, „sind wir eine Bank.“

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