Der Tag nach dem Streik
Wertstoffhof nimmt Abfälle an

Ahlen -

Von der kostenlosen Annahme von Rest- und Papiermüll auf dem Wertstoffhof – bedingt durch den von „Verdi“ ausgerufenen Warnstreik – machten so einige Bürger Gebrauch.

Mittwoch, 21.03.2018, 20:03 Uhr

Zur Eigeninitiative haben auch diese drei Ahlener Bürger gegriffen. Sie leerten am Mittwochvormittag ihre Abfalltonnen am städtischen Wertstoffhof an der Alten Beckumer Straße. Foto: Stadt Ahlen

Verstehen kann Michael Morisse den Ärger der Bürger, die am Dienstag vom Warnstreik betroffen waren. „Das ist für diejenigen, die es unmittelbar betrifft, schon eine lästige Sache“, sagt der Einsatzleiter der städtischen Abfallentsorgung, der am Mittwochmorgen ein gutes Dutzend Anrufer am Telefon hatte.

Die Reaktionen reichten von großem Verständnis für die Wahrnehmung der Arbeitnehmerrechte bis zu totaler Ablehnung. Die Gewerkschaft „Verdi“ hatte am Vortag dazu aufgerufen, im öffentlichen Dienst einen Tag lang die Arbeit ruhen zu lassen. Dem Aufruf folgten auch die Beschäftigten der Ahlener Müllabfuhr, so dass Restmüll- und Papiertonnen in einigen Teilen der Stadt nicht abgefahren worden sind.

Für alle Anrufer und diejenigen, die vom Streik betroffen waren, hat Morisse einen Ratschlag parat. „Bis einschließlich Samstag nehmen wir Restmüll und Papier auf dem Wertstoffhof kostenlos an.“ Ein Presswagen stehe zur Verfügung, um Abfälle aufzunehmen.

Wer keine Möglichkeit hat, seinen Abfall am Wertstoffhof an der Alten Beckumer Straße abzugeben, dem rät der Einsatzleiter zu den roten Abfallsäcken der Ahlener Umweltbetriebe. Im Fachhandel und bei einigen Kioskbetrieben werden sie für 3,30 Euro pro Stück angeboten und mit der nächsten turnusmäßigen Abfuhr abgeholt. Die gelegentlich geäußerte Hoffnung auf eine kostenlose Bereitstellung der Säcke dämpft unterdessen der Stadtkämmerer. „Streik ist höhere Gewalt“, so Dirk Schlebes. Gebührenrechtlich sei die entgeltlose Einsammlung von stehengebliebenem Abfall „schlicht rechtswidrig, weil unzulässig“.

Auch Personalratsvorsitzender Jörg Adomat, der am Dienstag selbst am Warnstreik teilnahm und die 95 streikenden Kolleginnen und Kollegen der Stadtverwaltung nach Münster begleitet hatte, will von nachträglicher Abfuhr des Mülls nichts wissen. „Es würde den Warnstreik ad absurdum führen, wenn die Beschäftigten das nacharbeiten müssten“, so Jörg Adomat. Nachholtouren seien „angeordnete und zustimmungspflichtige Überstunden, zu denen der Personalrat niemals seine Zustimmung erteilen würde“. Zum besseren Verständnis greift Jörg Adomat zu einem Vergleich aus der Metallbranche: „Wenn bei Mercedes gestreikt wird, kommen die Arbeiter auch nicht am Wochenende in das Werk, um die ausgefallene Schicht nachzuarbeiten.“ Das Streikrecht habe Verfassungsrang und gelte universell.

Durch den Warnstreik blieben am Dienstag in Ahlen etwa 3800 Restmüllbehälter und rund 1100 Papiertonnen ungeleert.

Streik ist höhere Gewalt.

Dirk Schlebes
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