Sanierung soll 60 Millionen Euro kosten
Ahlens Tropfsteinhöhle: Eindringende Feuchtigkeit ist ein Problem im Ahlener Rathaus

Ahlen -

Eine städtebauliche Dominante sollte es sein, das Rathaus, das das Düsseldorfer Architektenpaar Brigitte und Christoph Parade am Werseufer in Ahlen in den Jahren 1975 bis 1977 bauen ließ. Weil es den Ahlenern mit seiner verdunkelten gläsernen Aluminiumfassade von Anfang an zu großstädtisch und überdimensioniert vorkam, sprachen die einen von einer Betonwüste, die anderen nannten es „Faustoleum“, weil sich ihrer Meinung nach der damalige Bürgermeister Herbert Faust mit dem Solitär ein Denkmal setzen wollte.

Donnerstag, 28.12.2017, 14:12 Uhr

Großstädtisch und imposant wirkt das Ahlener Rathaus, dessen Fassade aber fast von Anfang an undichte Stellen aufwies.
Großstädtisch und imposant wirkt das Ahlener Rathaus, dessen Fassade aber fast von Anfang an undichte Stellen aufwies. Foto: Ulrich Gösmann

Inzwischen nennen es Mitarbeiter und Bürger nur noch spöttisch „Tropfsteinhöhle“, weil sich bereits nach wenigen Jahren Undichtigkeiten in der Fassade zeigten. Versuche, die ausführende Firma in Haftung zu nehmen, scheiterten, weil die neuartige Technologie wohl noch nicht ausgereift war und das Unternehmen darüber in Insolvenz ging.

Seitdem schlägt man sich in Ahlen mit den Folgen der Baumängel herum. Kein Rat und keine Verwaltung haben bislang den Mut aufgebracht, die Sanierung anzupacken. Nachdem das Pro­blem immer drängender wurde, weil zwischenzeitlich Heizungsrohre platzten, die eine latente Gefahr für die Mitarbeiter darstellen, hat sich Dr. Alexander Berger als amtierender Bürgermeister des Themas angenommen und die Bauverwaltung beauftragt, eine europaweite Ausschreibung der ermittelten Sanierungsleistungen vorzubereiten.

Die Vorlage weist nach Auskunft von Stadtbaurat Andreas Mentz nur noch zwei weiße Flecken auf: die durch den voraussichtlichen Denkmalschutz verursachten Auflagen und die Kosten für die Ablösung des Urheberrechtes des Ar­chitekten. Letzterer ist allerdings auf die Stadt nicht gut zu sprechen und wirbt dafür, in die Sanierung eingebunden zu werden, was der Politik wiederum nicht schmeckt.

Auch dass der Denkmalschutz auf den Plan getreten ist und klargemacht hat, dass er das Rathaus als bedeutenden Kommunalbau und als architektonisch beispielhaft für die Spätmoderne betrachtet, die heute als Brutalismus bezeichnet wird, hat keine Begeisterung ausgelöst.

Nach derzeitigen Kostenschätzungen gehen die Ahlener von einem Sanierungsaufwand von rund 60 Millionen Euro plus X aus, den Architekt Parade für völlig überteuert hält. Darin enthalten sind die Kosten für eine Einbeziehung der Stadtbücherei und eine Verlagerung der Volkshochschule in ein benachbartes Gebäude. Das Land hat dafür eine Förderung in Aussicht gestellt. Um für den „Worst Case“ gerüstet zu sein, soll die Verwaltung einen Plan B aufstellen, um notfalls eine Alternative, sprich Umzug in ein bestehendes Gebäude oder einen Neubau, zu haben. Mit einem Umzug stünde allerdings auch die Stadthalle zur Disposition, die mit dem Rathaus verbunden ist.

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