Intensivpflege beschert im Krankenhaus schnelle Erfolge
Zwischen Mensch und Maschine

Oelde -

Die Intensivstation im Oelder Marienhospital ist in warmem Sonnengelb gestaltet. Um einen zentralen Tresen herum sind die Räume mit sieben Intensivbetten gruppiert. „Das macht die Wege kurz“, freut sich Annette Bunne, die die Station als Fachkrankenpflegerin leitet.

Donnerstag, 21.03.2019, 09:03 Uhr aktualisiert: 25.03.2019, 12:28 Uhr
Volle Konzentration heißt es für Intensivschwester Annette Bunne, wenn sie wie hier ein Beatmungsgerät kontrolliert. Geht ein Alarm, sind von ihr nicht nur technische und medizinische Kenntnisse gefragt, sondern auch pflegerischer Instinkt. Foto: Ulrike von Brevern

Sie hat kein Problem, das einsetzende Piepen eines Gerätes genau einem der Räume zuzuordnen. „Das macht die Erfahrung“, schmunzelt sie. Sie kann sowohl den Gerätehersteller und damit die Ursache, als auch die Entfernung des Piepens und damit den betroffenen Raum zuverlässig einschätzen.

Die Intensivstation ist heute weniger denn je eine Station, um Beziehungen aufzubauen. Jedenfalls nicht zu Patienten und Angehörigen. Dafür werden einfach zu viele Menschen hier durchgeschleust und manch einer ist wegen einer ambulanten Untersuchung schon nach Stunden wieder weg. „Dem Patienten ein gutes Coming-out aus einer schwierigen Situation zu geben“, so formuliert Bunne stattdessen das, was ihr in ihrem Beruf Befriedigung verschafft. Die beständigen Herausforderungen auf der Station motivieren sie. Sie gehöre eher zu dem „Machertyp“ unter den Pflegekräften, gibt sie zu, darum gefällt ihr, dass sie auf der Intensivstation schnell Erfolge sieht durch Besserung beim Patienten.

Durch Erfahrung können wir gut einschätzen, wie ein Patient tickt.

Annette Bunne

Lange, sogar langjährige Beziehungen gibt es auf der Oelder Intensivstation dafür zwischen den Pflegekräften. „Wir haben ganz viele Jahre Intensiverfahrung hier“, sagt Bunne stolz auf ihr beständiges Team – für Neulinge biete diese Erfahrung die Chance etwas zu lernen, das immer schwieriger zu erwerben ist: instinktives Handeln bei der Pflege der Patienten.

Die komplexen Maschinen, Überwachungsapparate und Intensivgerätschaften zu beherrschen und mit dem medizintechnischen Fortschritt Schritt zu halten, ist die offensichtlichste Fertigkeit eines Intensivpflegers. Aber jenseits der Überwachungsmaschinen spielt auch der psychologische Aspekt eine Rolle: Warum schlägt das Herz plötzlich schneller, warum sinkt der Blutdruck? Besser abwarten oder besteht Handlungsdruck? Die langjährigen Pflegekräfte handeln oft nach Instinkt. „Durch Erfahrung können wir gut einschätzen, wie ein Patient tickt“, erläutert Bunne. Erfahrungen, die durch die verdichtete Arbeit aber kaum noch zu sammeln seien.

Von den erfahrenen Kräften zu lernen, ist für neue Fachkräfte eine Chance, dennoch gehe eine gewisse Sensibilität verloren, ist Bunnes Vorgesetzter Heinrich Siefers überzeugt, der als Pflegedienstleiter neben dem Marien-Hospital auch für das Gütersloher Elisabeth-Hospital zuständig ist. „Die Pflegearbeit wird funktionalisiert“, beklagt er – für ihn ein Verlust.

Überhaupt macht ihm, wenn er an die Zukunft der Krankenpflege denkt, nicht allein der Gedanke an den Nachwuchs Sorgen. Er beobachtet, dass unter den ungünstigen äußeren Bedingungen der besondere soziale Zusammenhalt in der Berufsgruppe, das Einstehen für sich, die Kolleginnen und die Arbeit, zu bröckeln beginne. Dieses gegenseitige Einstehen sei aber Grund, warum Pflege trotz allem noch immer so gut funktioniere.

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