Selbsthilfegruppe trotzt Leukämie und Lymphom
Wie ein Stock im Hamsterrad

Ahlen -

„Das ist eine lebenslustige Truppe mit einem Optimismus, auf den man sonst nicht so oft trifft“, lacht Herbert Brennert mit dem Blick von außen. Die Rede ist von der Selbsthilfegruppe Münsterland e.V., in der sich Leukämie- und Lymphom-Betroffene zusammengefunden haben.

Mittwoch, 21.03.2018, 07:03 Uhr

Petra Brennert und Dagmar Kraske setzten sich für Gleichgesinnte mit Leukämie- und Lymphom-Erkrankungen ein. Foto: Ulrike von Brevern

Brennerts Ehefrau Petra, selbst erkrankt, ist die Vorsitzende.

Lebenslustig und optimistisch? Tatsächlich wird am Tisch in dem gemütlichen Kotten auf Mittrops Hof in Ahlen, dem regelmäßigen Treffpunkt der Gruppe, viel gelacht. Als das Gespräch auf diesen Knubbel an ihrem Hals kommt und die Diagnose, die auf den Arztbesuch vor rund fünf Jahren folgte, sagt Petra Brennert dennoch ehrlich: „Hätte ich’s mal nie gemacht!“ Ihr Krebs wächst langsam und kann nicht behandelt werden. „Seitdem schwebt das irgendwie…“, sagt sie und macht kreisende Bewegungen über dem Kopf.

Bei ihrer Stellvertreterin Dagmar Kraske ist das anders. Sie hat die Krankheit, die bei ihr mit anhaltendem Reizhusten begann und nur per Zufall entdeckt wurde, besiegt. Seit Oktober kann sie wieder arbeiten. Als sie die Diagnose bekam, hatte die damals Mittvierzigerin gerade Bruder und Mann verloren. „Ich war immer lebensbejahend, habe weiter funktioniert“, erzählt sie. „Aber der Krebs war dann wie ein Stock im Hamsterrad“. In der erzwungenen Isolation während der Chemotherapie hatte sie plötzlich sehr viel Zeit zum Nachdenken.

Ich habe eine andere Haltung zum Leben gewonnen. Seit ich 14 war, wollte ich immer mal nach Südafrika. Jetzt habe ich es gemacht.

Dagmar Kraske

Dagmar Kraske war froh über die Selbsthilfegruppe. „Es gibt Dinge, über die man mit Verwandten oder Freunden nicht reden möchte, um sie nicht zu belasten“, sagt sie in Erinnerung an schlimme Stunden während der Krankheit. Natürlich gebe es auch Angst, ob der Krebs wiederkommt. „Obwohl, eigentlich ist das schiet-egal“, lacht sie zupackend. Mit schwerwiegenden Spätfolgen der Therapie müsse ohnehin jeder rechnen.

Selbsthilfegruppe Münsterland e.V.

Die Selbsthilfegruppe wendet sich an Leukämie- und Lymphom-Erkrankte. Die derzeit 16 Mitglieder treffen sich jeden dritten Samstag im Monat um 15 Uhr auf Mittrops Hof, Görlitzer Straße 1 in Ahlen. Interessenten können Petra Brennert kontaktieren unter ' 0 23 89 / 6515 und sich im Internet informieren: www.shg-muensterland.de. Der Verein erhebt eine Mitgliedsgebühr von 30 Euro im Jahr.

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Die Selbsthilfegruppe ist als Verein organisiert und gehört der Deutschen Leukämie- und Lymphom-Hilfe an. Darüber erhalten die Mitglieder Zugang zu aktuellen Informationen. Sie organisieren Fragestunden mit Ärzten oder suchen Ernährungstipps, bauen sich bei den monatlichen Treffen vor allem aber gegenseitig auf. Mit Ausflügen wie zum Beispiel einer lukullischen Landpartie gestalten sie gemeinsame Freizeit. „Oft ist die Krankheit bei den Treffen auch gar nicht mehr so präsent“, erzählt Brennert.

Neulinge sind gern gesehen, anderen Krebserkankungen als Leukämie und Lympomen möchte sich die Gruppe allerdings nicht öffnen. Brustkrebs etwa sei etwas vollkommen anderes. „Das verstehen wir nicht, da können wir gar nicht mitreden“, sagt die Vorsitzende.

Immer wieder versterben Gruppenmitglieder, doch damit kommen die Zurückbleibenden zurecht. „Ich habe eine andere Haltung zum Leben gewonnen“, hält Dagmar Kraske für sich fest. „Seit ich 14 war wollte ich immer mal nach Südafrika. Jetzt habe ich es gemacht.“

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