Selbsthilfe
Bunte Szene mit Augenkontakt

Kreis Warendorf -

Selbsthilfe hat nichts zu tun mit Menschen, die im Stuhlkreis sitzen und sich gegenseitig anjammern. Das Hilfsangebot ist anders.

Freitag, 12.01.2018, 16:01 Uhr

Die drei aus der Selbsthilfe-Kontaktstelle koordinieren und unterstützen: Verwaltungsmitarbeiterin Daniela Rehnen, Christiane Vollmer und Sabine Tenambergen.
Die drei aus der Selbsthilfe-Kontaktstelle koordinieren und unterstützen: Verwaltungsmitarbeiterin Daniela Rehnen, Christiane Vollmer und Sabine Tenambergen. Foto: Ulrike von Brevern

„Beim Thema Selbsthilfe haben viele noch ein antiquiertes Bild vor Augen von Menschen in einem Stuhlkreis, die ein Wollknäuel hin- und herwerfen und sich gegenseitig anjammern“, bedauert Christiane Vollmer schmunzelnd. Gemeinsam mit Sabine Tenambergen verantwortet die Sozialpädagogin die Arbeit der Selbsthilfe-Kontaktstelle im Kreis Warendorf. Vollmers Bild ist ein anders: bunt, vielfältig und engagiert sei die Selbsthilfeszene derzeit. Fast täglich erreicht sie eine Anfrage auf der Suche nach Kontakt.

Seit 1994 ist die Selbsthilfe-Kontaktstelle im Kreis aktiv. Ursprünglich in Ahlen ansässig zog die Beratungsstelle in Trägerschaft des Paritätischen 2015 nach Warendorf. Sie steht aktiven Selbsthelfern und Anschlusssuchenden gleichermaßen als Anlaufpunkt offen und bietet zudem einen kostenlosen und barrierefreien Gruppenraum an.

Kontaktadressen von mehr als 100 Gruppen hat Vollmer in ihrer kreisweiten Selbsthilfe-Datenbank, manche davon bestehen schon seit Jahrzehnten. Wie dynamisch die Szene ist, zeigt schon der Blick in die Liste der Neugründungen 2017: Von „Fuß fassen in Beckum“ über eine Epilepsie-Gruppe bis zu psychischen Erkrankungen reicht das Spektrum. Hinzu kommt das umfangreiche Projekt Pflegeselbsthilfe, das Sabine Tenambergen mit einem eigenen Kontaktbüro betreut.

Selbsthilfegruppen im Internet können gut sein für den Anfang. Aber später fehlt das persönliche Gespräch, das In-die-Augen-Schauen.

Stefanie Stumpe

Mit der Verlagerung der Kontaktstelle nach Warendorf hat die Selbsthilfe-Aktivität im Nordkreis zugenommen, beobachtet Vollmar. Die eigenen Räume sind gut ausgelastet, das liege aber auch daran, dass es für die Gruppen immer schwieriger werde, überhaupt kostenfreie Räume zu bekommen.

Die Kontaktstelle unterstützt in der Gründungsphase und beim Papierkram. Außerdem bietet sie regelmäßig Gesamttreffen und Fortbildungen für die Gruppensprecher an. Andrea Hülsken-Schauf, die eine Adipositas-Gruppe leitet, findet gerade auch diese Austauschmöglichkeit jenseits des eigenen Themas spannend.

Die Sprecher einer Gruppe psychisch Erkrankter aus Drensteinfurt erinnern sich daran, wie hilfreich Vollmers Tipps waren, als sie die zuvor angeleitete Gruppe in Eigenregie übernahmen. „Sie müssen sich Regeln schaffen“, hatte sie zum Beispiel geraten, als klingelnde Handys zum wiederholten Mal störten. Außerdem hatte sie über finanzielle Hilfen informiert und beim Antrag geholfen. Gesundheitsbezogene Selbsthilfegruppen mit mindestens sechs Teilnehmern können Krankenkassen-Mittel beantragen, um laufende Kosten wie Porto oder Vortragshonorare zu finanzieren. Für sozial ausgerichtete Gruppen gilt das dagegen nicht, bedauert Vollmer.

In den vergangenen Jahren hat sich die Selbsthilfelandschaft ausdifferenziert. Auf dem Land machen sich allerdings Entfernungen und mangelnder öffentlichen Nahverkehr weiter bemerkbar, registriert die Sozialpädagogin. Zudem kommt Gegenwind aus dem Cyberspace. Die Selbsthilfe sei dadurch schnelllebiger geworden, schätzt sie. Für Stefanie Stumpe, die eine Gruppe Krebsbetroffener in Everswinkel leitet, hat dagegen beides seine Berechtigung: „Selbsthilfegruppen im Internet können gut sein für den Anfang“, ist sie überzeugt. „Aber später fehlt das persönliche Gespräch, das In-die-Augen-Schauen!“

Kontakt: Selbsthilfe-Kontaktstelle Kreis Warendorf, Waterstroate 6, Warendorf; ✆ 0 25 81 / 4 67 99 88 oder Selbsthilfe–warendorf@paritaet-nrw.de

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