Tödliche Unfallgefahren im Gerätehaus
Notruf von der Westerkappelner Feuerwehr

Westerkappeln -

Schimmel an den Wänden, lebensgefährliche Zustände im Gerätehaus, die Kameradschaft bröckelt. Die Freiwillige Feuerwehr Westerkappeln ruft um Hilfe. Die Unzufriedenheit in der Mannschaft ist jedenfalls groß, wie Gemeindebrandinspektor Ingo Bünemann bestätigt.

Freitag, 11.10.2019, 17:36 Uhr aktualisiert: 13.10.2019, 12:02 Uhr
Die Enge im Feuerwehrgerätehaus ist lange bekannt. Bei Einsätzen können nicht einmal zwei Fahrzeugtüren gleichzeitig geöffnet werden. Schlimmer noch: Experten haben darauf hingewiesen, dass selbst tödliche Unfälle in der Fahrzeughalle nicht ausgeschlossen werden können. Foto: Feuerwehr Westerkappeln

Vor allem das schleppende Verfahren für den geplanten Neubau einer Feuerwache drückt auf die Stimmung. „Wir werden immer nur vertröstet“, klagt der Wehrführer.

Vor zwei Wochen ist ein Feuerwehrtrupp beim Gemeinderat vorstellig geworden, um sich im Rahmen der sogenannten Einwohnerfragestunde über den aktuellen Stand der Planung zu erkundigen. Dabei berichteten die Männer über unhaltbare Zustände. Jugendfeuerwehrwart Markus Schröer wies auf eine vor über zwei Jahren von externen Fachleuten angefertigte Gefährdungsbeurteilung für das Feuerwehrgerätehaus an der Bullerteichstraße hin. Das Ergebnis sei mangelhaft gewesen. „Was sollen wir unseren Partnerinnen und Partnern sagen, wenn dort tödliche Unfälle nicht ausgeschlossen werden können?“, fragt Schröer.

Bünemann und der Rest der Wehrführung haben nicht an der Ratssitzung teilgenommen. Der Auftritt der Kameraden sei aber abgesprochen gewesen. „Wir sind auch immer wieder im Rathaus vorstellig geworden. Es passiert aber nichts“, kritisiert der Gemeindebrandinspektor. Er nennt die Ergebnisse des Gutachtens, das von der Verwaltung unter Verschluss gehalten wird, „erschreckend“. So bestehe die reale Gefahr, dass bei Alarmeinsätzen, wenn alles schnell gehen muss, Kameraden in der engen Fahrzeughalle zwischen Löschfahrzeugen und den Wänden eingeklemmt werden und zu Tode kommen.

Um dieses Risiko ein bisschen zu minimieren, seien bereits Anfang der 2000er Jahre die Spinde in der Halle demontiert und in den Aufenthaltsraum verbracht worden. Da die Fahrzeuge aber immer größer geworden sind, habe dies auch nicht viel mehr Luft gebracht. „Das entspricht schlicht und einfach alles nicht mehr den heutigen Normen“, erklärt Bünemann.

In den Räumen der mittlerweile 22-köpfigen Jugendfeuerwehr schimmelt es gewaltig. Schon vor Monaten hatte die Wehr Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer in einer E-Mail darauf hingewiesen. Sie habe die Nachricht ans Bauamt weitergeleitet, erklärt die Verwaltungschefin. Der zuständige Mitarbeiter sei leider lange erkrankt gewesen. Jetzt, wo er wieder genesen ist, werde er die Beseitigung des Schimmels auf ihre Anweisung hin unverzüglich in Auftrag geben, berichtet die Bürgermeisterin.

Die Unfallgefahren im Gerätehaus sind damit aber nicht behoben. Die Kameradschaft breche zusammen, berichtet ein Feuerwehrmann. Die Beteiligung an den Dienstabenden werde immer schlechter. Gemeindebrandinspektor Bünemann kann das nachvollziehen. „Es macht einfach keinen Spaß, zwei- oder dreimal im Jahr Sicherheitsbelehrungen über sich ergehen lassen zu müssen.“ Dazu sei er jedoch angesichts der Gefährdungsbeurteilung angehalten.

Die Kameraden mache erst recht „stinkig“, dass die Gemeinde im Schulzentrum und für die Sportplätze sehr viel Geld ausgebe, die Planung für die neue Feuerwache aber stocke. „Das andere ist sicher alles sinnvoll und notwendig. Dort besteht aber keine Gefahr, dass Menschen uns Leben kommen“, erklärt Bünemann.

Kommentar: Skandalöse Zustände

Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr! Dieser Leitspruch gilt der Freiwilligen Feuerwehr als Verpflichtung, anderer Leute Leib und Leben sowie deren Hab und Gut zu schützen. Dafür riskieren die Frauen und Männer mitunter ihr eigenes Leben. Wenn die Freiwillige Feuerwehr dabei schon unter dem eigenen Dach wegen unhaltbarer Zustände in Lebensgefahr schwebt, ist das untragbar. Und skandalös wird die Sache spätestens dann, wenn Fachleute schon vor Jahren auf tödliche Unfallgefahren im Gerätehaus hingewiesen haben, nichts passiert und das entsprechende Gutachten von der Verwaltung geheim gehalten wird. Die Bürger haben ein Recht auf solche Informationen, denn die Feuerwehr ist eine öffentliche Einrichtung. Es wundert schon, dass es so lange gedauert hat, bis die Kameraden ihren Frust auch öffentlich kundtun.Natürlich ist jedem bewusst, dass ein Feuerwehrgerätehaus nicht von heute auf morgen aus dem Boden gestampft werden kann. Dem Verfahren scheint jedoch ein gewisser Nachdruck zu fehlen. Solange das neue Gebäude nicht bezogen ist, gehören die Unfallrisiken am alten Standort abgestellt – und sei es in Form eines kostenträchtigen Provisoriums. Punkt!Dass die Gemeindeverwaltung Monate braucht, um Schimmel im Feuerwehrhaus zu bekämpfen, ist vielleicht kein Skandal, dies mit der längeren Erkrankung eines zuständigen Mitarbeiters zu entschuldigen aber mindestens eine Frechheit.

...

Bürgermeisterin Große-Heitmeyer kann den Unmut der Feuerwehrleute verstehen und versucht die Frauen und Männer bei Laune zu halten. Am Montagabend war sie nach eigenen Angaben beim Dienstabend, um über den Planungsstand für das neue Gerätehaus zu informieren. „Das ist eine Pflichtaufgabe der Kommune und die werden wir erfüllen“, versichert die Verwaltungschefin.

Die Frage ist, wann das geschieht. Seitdem über die neue Rettungswache des Kreises an der Mettinger Straße diskutiert werde, die bereits in vier Monaten den Betrieb aufnehmen soll, werde auch über den Bau eines neuen Gerätehauses auf dem Nachbargrundstück gesprochen, erinnert Bünemann. Baurecht besteht mittlerweile. Bei der Planung kommt die Kommune aber nicht so recht voran.

Die Gemeinde will das Vorhaben an einen Generalplaner vergeben. Ein externer Fachmann soll das Projekt steuern. Beide Aufträge mussten nach Angaben Große-Heitmeyers europaweit ausgeschrieben werden. Dies wurde an das Fachbüro Compar in Dortmund delegiert. Weil es erst noch Abstimmungsbedarf mit der Feuerwehr gegeben habe und dann die zuständige Mitarbeiterin bei Compar im Urlaub gewesen sei, habe sich die Ausschreibung verzögert.

Die Resonanz darauf war ernüchternd. Für die Aufgabe des Projektsteuerers habe es nicht ein einziges fehlerfreies Angebot gegeben, weshalb die Ausschreibung zurückgezogen worden sei. Compar werde die Aufgabe nun noch einmal beschränkt ausschreiben, kündigt Große-Heitmeyer an.

Für die Generalplanung hätten nur zwei von rund einem Dutzend Bewerbern fehlerfreie Unterlagen abgeliefert. Ende November sollen sich die beiden Büros an zwei vollen Tagen vorstellen, kündigt Große-Heitmeyer an. Mit am Tisch säßen dann auch Vertreter der Ratsfraktionen, der Feuerwehr und eine für das neue Gerätehaus eigens eingesetzte Projektgruppe.

Erst wenn ein Zuschlag erteilt wurde, kann die Planung für eine neue Wache beginnen. Die Bürgermeisterin will keine Aussage dazu treffen, ob der erste Spatenstich noch im kommenden Jahr zu erwarten ist. Wehrführer Ingo Bünemann glaubt jedenfalls nicht mehr daran, dass die Westerkappelner Feuerwehr zum 125. Jubiläum im Jahr 2021 an die Mettinger Straße umziehen kann.

So lange müssen die Feuerwehrleute wohl noch mit dem Risiko tödlicher Unfälle an der Bullerteichstraße leben...

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6994426?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F188%2F
Schuldfähigkeit wird geklärt
Am 11. August war die Feuerwehr an dem Hotel im Einsatz.
Nachrichten-Ticker