Derix-Gruppe nimmt neue Brettsperrholz-Produktion in Velpe in Betrieb
Ein Baustoff mit Zukunft

Westerkappeln -

Die neue, riesige X-LAM-Fertigungshalle der Derix-Gruppe in Westerkappeln-Velpe nimmt jetzt den Betrieb auf. Bis zu 50 000 Kubikmeter Brettsperrholz sollen hier verarbeitet werden. Diesem Baustoff – nachhaltig und wirtschaftlich – gehöre die Zukunft, ist Geschäftsführer Markus Brößkamp überzeugt.

Donnerstag, 16.05.2019, 19:00 Uhr
Der erste Teil der X-LAM-Fertigung hat den Betrieb aufgenommen. Firmenchef Markus Derix (rechts) war maßgeblich an der Entwicklung der hochkomplexen Anlage beteiligt. Etwa etwa 50 000 Kubikmeter Brettsperrholz sollen hier nach Angaben von Geschäftsführer Markus Brößkamp (links) im Jahr verarbeitet werden. Die Enden der Holzelemente greifen mit keilförmigen Zinken ineinander und werden miteinander verklebt. Die Konstruktion hält „bombenfest“.Nicht ohne Ende, aber fast 300 Meter lang und rund 50 Meter breit ist die neue X-LAM-Fertigungshalle der Derix-Gruppe in Westerkappeln. Foto: Frank Klausmeyer

Firmenchef Markus Derix beobachtet heute persönlich und mit penibler Ruhe, ob die Abläufe so sind, wie er sich das vorgestellt hat. Schließlich war der Diplom-Ingenieur maßgeblich an der Entwicklung der riesigen Anlage beteiligt. „Da ist eine hohe technische Komplexität drin“, betont Markus Brößkamp , Geschäftsführer am Derix-Standort in Velpe (früher Poppensieker). Spätestens im Juli soll die Produktion starten.

Wie seit 2011 am Derix-Standort Niederkrüchten werden bald auch in Velpe massive Bauelemente aus Brettsperrholz – sogenanntes X-Lam – hergestellt. Diese bestehen aus mindestens drei rechtwinklig zueinander verklebten Lagen aus Schnittholz – fast ausschließlich Fichte – und ersetzen Mauerwerk, Beton, Holzrahmenbauwände und sogar Filigrandecken. Bis zu 3,50 mal 16 Meter große Elemente können fabriziert werden. „Das sind schon recht dicke Bretter“, sagt Brößkamp schmunzelnd.

Dem Brettsperrholz gehört die Zukunft, ist der 47-Jährige überzeugt – auch weil der Rohstoff Sand – kein Witz – auf der Erde knapp wird. „Das Interesse an nachhaltiger Bauweise wird größer“, sagt Brößkamp. Selbst in einer „Klinkerstadt“ wie Hamburg rechnet die Derix-Gruppe mit ihren Brettsperrholz-Produkten mit wachsender Nachfrage. „Da versuchen wir gerade den Auftrag für ein 16-stöckiges Gebäude zu bekommen.“

Nicht ohne Ende, aber fast 300 Meter lang und rund 50 Meter breit ist die neue X-LAM-Fertigungshalle der Derix-Gruppe in Westerkappeln-Velpe.

Nicht ohne Ende, aber fast 300 Meter lang und rund 50 Meter breit ist die neue X-LAM-Fertigungshalle der Derix-Gruppe in Westerkappeln-Velpe. Foto: Frank Klausmeyer

Für die Aufzählung aller Vorteile braucht Brößkamp mehr als fünf Finger einer Hand: Holz wächst (anders als Sand) nach. Die Derix-Gruppe beziehe ihren Rohstoff ausnahmslos aus zertifizierten Wäldern. Die Herstellung und Bearbeitung von Brettsperrholzelementen bedürfe nur wenig Energie und trage zur dauerhaften CO-Speicherung und Minimierung des Treibhauseffektes bei.

  Foto: Frank Klausmeyer

Die X-LAM-Wände seien dünner als Beton- und Mauerwerk, aber stabiler als Stein. Sie seien zwar luftdicht, aber diffusionsoffen. Das sorge für ein besseres Raumklima, erläutert der Geschäftsführer.

„Es ist aber nicht nur eine Frage der Ökologie und der Nachhaltigkeit, wir sind damit auch wirtschaftlicher“, erklärt der Geschäftsführer. Die fertigen Elemente werden komplett auf die Baustelle geliefert und müssten dort nur noch montiert werden. Ab Werk werden Ausfräsungen für Fenster, Türen oder elektrische Leitungen geliefert – „millimetergenau“, versichert Brößkamp. Brettsperrholzelemente produziert die Derix-Gruppe auch fürs Einfamilienhaus, der Schwerpunkt liege aber sicher im mehrgeschossigen Wohn- und Bürogebäudebau.

Obwohl das Unternehmen eher in Projekten und Terminen denkt, kann der Geschäftsführer natürlich zu Mengen etwas sagen: In Westerkappeln-Velpe, wo bislang nur Holzleimbinder gefertigt wurden, sollen künftig etwa 50 000 Kubikmeter Brettsperrholz verarbeitet werden, die gesamte Gruppe komme dann auf einen Jahresausstoß von über 100 000 Kubikmeter. Zur Verdeutlichung: Das entspricht einem über hundert Meter hohen, hundert Meter langen und zehn Meter breiten Holzbauklotz.

Einen größeren zweistelligen Millionenbetrag hat die Derix-Gruppe in die neue Fertigungshalle in Velpe investiert.

Einen größeren zweistelligen Millionenbetrag hat die Derix-Gruppe in die neue Fertigungshalle in Velpe investiert. Foto: Frank Klausmeyer

Genauso beeindruckend sind die Maße der neuen Halle: knapp 300 Meter lang und rund 50 Meter groß – vollständig aus Holz und freitragend ausgeführt, also komplett ohne Zwischenstützen. „Wir bauen auch deshalb so, um zu zeigen, was mit Holz alles möglich ist.“

Das Investitionsvolumen beziffert Brößkamp auf einen größeren zweistelligen Millionenbetrag. Wobei das meiste Geld vermutlich im Maschinenpark steckt. Gerade hat – unter wachsamen Augen von Markus Derix – die Keilzinkung den (Test-)Betrieb aufgenommen. Darunter versteht man die Längsverbindung von Vollholzelementen, deren Enden mit hereingefrästen Zinken ineinandergreifen und miteinander verklebt sind. Der zweite Teil der Produktionsanlage wird noch montiert.

Die Enden der Holzelemente greifen mit keilförmigen Zinken ineinander und werden miteinander verklebt. Die Konstruktion hält „bombenfest“.

Die Enden der Holzelemente greifen mit keilförmigen Zinken ineinander und werden miteinander verklebt. Die Konstruktion hält „bombenfest“. Foto: Frank Klausmeyer

Erstaunlicherweise reichen nach Angaben von Brößkamp pro Schicht acht Mitarbeiter, um die Produktion zu fahren. Relativ schnell solle es in den Zwei-Schicht-Betrieb gehen. Ein Dutzend neue Mitarbeiter wurden dafür schon eingestellt, weitere werden folgen, kündigt der Geschäftsführer an.

Fachkräftemangel ? Nicht wirklich, lautet Brößkamps Antwort. „Es hat sich wohl herumgesprochen, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber sind.“ Gruppenarbeit werde bei Derix groß geschrieben. Nur er selbst habe eine „Einzelzelle“, sagt der Geschäftsführer lachend. Und Holz sei offensichtlich ein interessanter Werkstoff. So sei es kein Problem gewesen, im zurückliegenden Jahr ein knappes Dutzend Ingenieursstellen zu besetzen. Das Ganze spiegelt sich im Derix-Unternehmensleitbild wider: „Starkes Team – starkes Holz“.

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