E-Mobilität in der Gemeinde Lotte
Mobilität aus Eigenstrom

Lotte -

Beispielgebend mit Elektromobilität ist die Gemeinde Lotte unterwegs. Seit wenigen Tagen stehen beim Servicebetrieb zwei neue E-Autos an den Stromzapfsäulen, die komplett mit der Sonnenernte eigener Fotovoltaikmodule gespeist werden sollen. Wer bereits hinterm Lenkrad saß, ist begeistert von den „Stromern“.

Dienstag, 09.04.2019, 13:00 Uhr
Energieautarkes Autofahren mit Eigenstrom bereitet Frank Negraßus (von links), Jörg Stork, Helmut Laux, Marc-Philipp Nikolay und Rainer Lammers ein gutes Gefühl. Foto: Ursula Holtgrewe

Beachtliche 88 996,18 Euro gab es als Förderung für die Gemeinde Lotte. Den gleichen Betrag zahlte die Kommune als Eigenanteil. „Wir haben das Förderprogramm ,Ausgewählte Klimaschutzmaßnahme‘ der Kommunalrichtlinie in Anspruch genommen. Fördermittelgeber ist der Bund, in diesem Fall das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit“, erklärte Lottes Klimaschutzmanager Marc-Philipp Nikolay .

50 Prozent Zuschüsse gab es für die bereits in Dienst gestellten Kia Niro Plug-in-Hybrid, VW e-up!, die beiden neuen Nissan e-NV 200 Evalia, sechs Wallboxen (Stromzapfanlagen mit elektronischen Anzeigen) und zwei Batteriespeicher für den Strom aus der neuen PV-Anlage auf dem Dach eines Servicebetriebsgebäudes.

„Durch die Wallboxen, die mit den Batteriespeichern verbunden sind, kann die Ladezeit halbiert werden im Gegensatz zum Laden aus einer Haushaltssteckdose“, erklärte Nikolay. Eine Vollladung des 44-kWh-Akkus eines Nissan dauere via Wallbox rund achteinhalb Stunden, aus der normalen Steckdose rund 17 Stunden.

Auch bei leichtem Nieselregen produzieren die Solarmodule des Servicebetriebs Strom. „Zurzeit sind es 1,5 Kilowatt, die aus Licht entstehen. Wir brauchen aktuell fünf Kilowatt, also entnehmen wir dem Netz 3,5 Kilowatt“, errechnete der Servicebetriebsleiter Hans-Georg Kunkemöller mit Blick auf den PC-Bildschirm. Wenn die Sonne scheine, schnelle die Stromproduktion auf 15 Kilowatt hoch.

Bei den Ausschreibungen für die PV-Anlagen auf dem Rathausdach und beim Servicebetrieb sowie der beiden Batteriespeicher für den Eigenstrom habe sich Lottes Umweltbeauftragte Ursula Wilm-Chemnitz maßgeblich eingebracht, lobte Nikolay die Unterstützung.

Die beschriebene Kombiförderung bleibt für Lotte einmalig, denn, wie Nikolay berichtete, sei Förderung aus diesem Programm nicht mehr zu beantragen. „Wir sind bundesweit die erste Kommune, die die ,Ausgewählte Klimaschutzmaßnahme‘ in Anspruch genommen und Zuwendungen erhalten hat“, beschrieb Bauamtsmitarbeiter Jörg Stork das Alleinstellungsmerkmal.

Wenn die Fahrzeuge des Fuhrparks durch die Gemeinde und den Kreis Steinfurt „stromern“, dann fährt bei den Lenkern das gute Gefühl mit, nahezu – bei vielen Sonnenstunden täglich komplett – energieautark unterwegs zu sein. „Durch die Nutzung von PV-Strom der Anlagen auf den Dächern von Rathaus und Servicebetrieb sowie der Batteriespeicher zum Laden der vier E-Fahrzeuge können jährlich bis zu 8,44 Tonnen COeingespart werden“, errechnete der Klimaschutzmanager.

Bürgermeister Rainer Lammers sah es von Beginn an positiv, dass der Verkehrs- und Umweltausschuss auf Antrag von CDU und Grünen vor zwei Jahren grünes Licht für die Teilumstellung auf Lotter E-Mobilität gegeben hat. „Wichtig ist, möglichst viel Eigenstrom zum Laden der Akkus zu nutzen“, betonte Lammers, der mit seinem E-Dienstwagen unterwegs ist und dabei für energieautarkes Fahren wirbt.

„Ich finde es klasse. Es ist ein tolles Gefühl: Man tankt Eigenstrom und fährt sozusagen die Sonne ab“, begeisterte sich Lottes hauptamtlicher Flüchtlingsbetreuer Frank Negraßus, der nun einen Nissan als Dienstwagen steuert.

„Man fragt sich: Wann springt er denn nun an? – Und dabei läuft der Motor schon“, beschrieb Hans-Georg Kunkemöller den geräuschlosen Motor. „Ja, drinnen hört man erst mal nichts“, stimmte Helmut Laux zu, der mit dem zweiten Nissan unterwegs ist. „Ab 25 Stundenkilometern sind die Rollgeräusche laut genug, so dass man ein Fahrgefühl bekommt“, flocht Negraßus ein.

Die beiden bei Bedarf sprintstarken Neuwagen sind für leichteren Material- und den Transport von bis zu sieben Personen vorgesehen. Weiterhin hat jedes Fahrzeug eine Anhängerkupplung. Die Sitze lassen sich von der Wand klappen, falls der Nissan als Bus genutzt werden soll. Ist der Wagen frisch aufgeladen, steht auf dem Display eine Reichweite von 280 Kilometern.

„Heute Morgen habe ich die Heizung aufgedreht. Das geht dann schnell zulasten des Akkus. Jetzt habe ich noch eine Reichweite von 217 Kilometern“, erklärte Helmut Laux. Fährt der Nissan im Eco-Modus, dann beschleunige er nicht so schnell. „Er bremst dann härter ab, denn er ist mit Rekuperationstechnik ausgestattet, wandelt Bremsenergie in Strom um“, ergänzte Marc-Philipp Nikolay.

Im Vorfeld des Projektes E-Mobilität und nach ausgiebiger Diskussion im Umweltausschuss hatte er sich mit dem Thema ökologische Amortisation von Li-Ion Batteriespeichern befasst. „Eine Amortisation ist nach rund zwei Jahren realistisch“, fasste Nikolay seine Recherche zusammen. Das liege unter anderem auch daran, dass erneuerbare Energien vermehrt bei der Produktion eingesetzt werden. Weiterhin gelte für den Energieaufwand zur Herstellung dann eine kurze Amortisationszeit, wenn der Speicher mit Strom aus Lichtenergie gespeist werde.

Der Trend gehe zur dezentralen Energieerzeugung und -speicherung, erfuhr Nilolay weiterhin. Es könne zu Netzschwankungen kommen, wenn zu viele E-Wagen gleichzeitig aufgeladen werden. Grund: Die elektrische Infrastruktur sei noch nicht ausgelegt für die wachsende Zahl von E-Fahrzeugen. Daher würden auf längere Sicht Batteriespeicher eine Schlüsselrolle bei der Energiewende und E-Mobilität spielen.

Darauf setzt auch die Gemeinde Lotte, denn noch in diesem Monat rechnet der Klimamanager mit der Förderungsbewilligung für ein Fahrzeug, das beim Abwasserbetrieb eingesetzt wird.

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