Umfangreiche Untersuchung für Westerkappeln
Was bewegt die jungen Leute ?

Westerkappeln -

Was wünschen sich Kinder und Jugendliche in Westerkappeln ? Das ist schwer zu sagen. Denn vermutlich will jeder etwas anderes und wie lässt sich herausfinden, wer was möchte ? Stella Quandt ist ganz optimistisch, das das gelingt. Seit Montag ist sie mit Mirko Harmel, Jeanette Klobeck, Annica Steinbach und Elvira Sumin in der Gemeinde unterwegs, um jungen Leuten auf den Zahn zu fühlen.

Dienstag, 26.03.2019, 16:02 Uhr aktualisiert: 26.03.2019, 16:08 Uhr
Mitmachen – mitreden: Kreisjugendpfleger Ludger Vorndieck (links), Bürgermeisterin Annette Große Heitmeyer und Sozialamtsleiter Günter Rahmeier hoffen auf eine große Beteiligung junger Leute bei der Regionalanalyse. Für Blitzlicht-Interviews sind seit Montag in grünen Pullis (von rechts) Elvira Sumin, Mirko Harmel, Stella Quandt sowie Jeanette Klobeck und Annica Steinbach (beide nicht im Bild) auf der Straße und an Jugendtreffpunkten unterwegs. Foto: Frank Klausmeyer

Die fünf Mitarbeiter des Vereins Mediencooperative Steinfurt (Medico) klappern die Jugendzentren, Schulen, Sportplätze, Supermärkte und andere Treffpunkt ab, um Kinder und Jugendliche zu befragen, wie und wo sie ihre Freizeit verbringen oder wie sie die unterschiedlichen Angebote in Westerkappeln bewerten. Diese Blitz-Interviews sind Teil einer umfangreichen Regionalanalyse, die im Auftrag der Gemeinde und des Kreisjugendamtes erstellt werden soll.

„Wir wollen die Kinder und Jugendlichen abholen, wo sie sind“, erklärt Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer zum Sinn und Zweck der Veranstaltung. Insbesondere gingen die Sozialarbeiter des Medico e.V. in die Schulen hinein, „um zu erfahren, was junge Leute bewegt und was sie brauchen“, sagt die Verwaltungschefin.

„Demokratie ist eine große Sache – aber sie beginnt im Kleinen“ steht in gelber Schrift auf den Rückenteilen der dunkelgrünen Kapuzenpullis, mit denen Quandt und Co. in diesen Tagen im einheitlichen Look durchs Dorf gehen. Hinter dieser Botschaft steckt auch der Appell an alle Kinder und Jugendlichen, sich nicht nur an der Befragung zu beteiligen, sondern aktiv bei der Gestaltung ihres Lebensumfeldes mitzumischen. „Es geht darum, Leute zu aktivieren“, betont Kreisjugendpfleger Ludger Vorndieck , der die Federführung für die Regionalanalyse übernommen hat. Diese beschränke sich nicht nur auf Jugendliche aus Westerkappeln, sondern auch aus Lotte und Mettingen, die ihre Freizeit hier verbringen.

  Foto: Frank Klausmeyer

Die Untersuchung setzt sich aus vier Bausteinen zusammen, erläutert Stella Quandt zum Konzept: Erstens werden in den weiterführenden Schulen ab der fünften Klasse ausführliche Fragebögen verteilt. Auf vier Seiten werden unter anderem das Freizeitverhalten abgeklopft, die Zufriedenheit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder ehrenamtliches Engagement abgefragt. Die Kinder und Jugendlichen können auch Zeugnisnoten für die Freizeitangebote in Westerkappeln und Velpe vergeben. Und zum Schluss werden sie gefragt, was sie besser machen würden, wenn sie Bürgermeister wären. Wichtig: „Alle Angaben bleiben anonym“, versichert Quandt.

Zweite Säule sind sogenannte Experteninterviews mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kinder- und Jugendarbeit, mit Vereinen und Kirchen sowie den Schulleitern. Dabei sollen unter anderem Möglichkeiten der engeren Zusammenarbeit ausgelotet werden.

Drittens gibt es einen – kürzer gefassten – Onlinefragebogen, der sich ebenfalls an Kinder und Jugendliche ab Klasse 5 richtet. Diese können sich über einen QR-Code auf Flyern und Plakaten in die Befragung, in der es vor allem um die Qualität der Jugendeinrichtungen geht, „einwählen“.

Und schließlich führt das Medico-Teams bis zu den Osterferien die Blitzlicht-Interviews. Befragt werden auch die Jugendlichen, die sich im öffentlichen Raum aufhalten – andere würden sagen, auf der Straße abhängen. Harmel hat dort schon Gespräche geführt. „Die Jugendlichen wollen sich da treffen“, betont der Sozialarbeiter. Deren Ansprüche seien zum Teil ganz bescheiden. „Denen würde manchmal einfach eine Bank reichen.“

Mediencooperative Steinfurt

Der Verein Mediencooperative (Medico) Steinfurt wurde 1990 gegründet und ist anerkannter Träger der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Zu den Tätigkeitsbereichen gehören unter anderem – wie in Westerkappeln – auch die Übermittags- und Nachmittagsbetreuung mit Freizeit- und Bildungsangeboten an Schulen, Präventionsprojekte, und die Europäische Jugendarbeit.Der Medico e.V. ist auch Träger der Jugendzentren in Westerkappeln und Velpe sowie weiterer Treffs im Tecklenburger Land. Darüber hinaus hat der Verein die mobile Jugendarbeit in Lotte und Westerkappeln übernommen. Die Mediencooperative Steinfurt ist Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband, dem Paritätischen Jugendwerk und der Landesgemeinschaft Medienarbeit.

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„Wir brauchen Futter für gute Entscheidungen“, hofft Vorndieck auf eine breite Beteiligung bei den schriftlichen Befragungen wie auch den Interviews. „Je mehr mitmachen, desto mehr Erkenntnisse können wir daraus ziehen“, sagt auch Bürgermeisterin Große-Heitmeyer. Da die Stimmungslage der jungen Leute und deren Wünsche und Bedürfnisse noch völlig unklar sind, will sich die Verwaltungschefin aber noch nicht aus dem Fenster hängen, ob und wie die Ergebnisse umgesetzt werden.

Am 18. Juni sollen diese im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert werden. Auch dann gebe es noch die Möglichkeit, sich mit Anregungen einzubringen, kündigt Vorndieck an. Im Anschluss soll die Untersuchung den Ratsgremien vorgelegt werden.

Insgeheim wünschen sich die Verantwortlichen sicher, mit dem Projekt langfristig Jugendliche für ein lokalpolitisches Engagement zu gewinnen. „So etwas hängt aber ganz, ganz stark von der Persönlichkeit der Leute ab“, gibt Vorndieck zu bedenken.

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