Anwohner müssen Grund abgeben
Neues Altenpflegeheim knabbert Gärten an

Westerkappeln -

Während am Dienstag am Merschweg der erste Spatenstich für die neue Rettungswache gefeiert wurde, werden auf der anderen Gleisseite der Tecklenburger Nordbahn bereits große Erdmassen bewegt. Die Bauarbeiten für das neue Altenpflegeheim haben dort begonnen. Dabei rückt die geplante Einrichtung den Nachbarn in der Wohnanlage am Ende der Erich-Schröer-Straße näher auf die Pelle als diese gedacht haben.

Mittwoch, 20.03.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 21.03.2019, 13:56 Uhr
Das Grundstück für das Altenheim ist größer als von den Eigentümern und Mietern der Wohnanlage an der Erich-Schröer-Straße angenommen. Einige müssen deshalb einen Teil ihrer Gärten abgeben, wie auf dem Foto zu erkennen ist. Die Erdarbeiten für das neue Pflegeheim haben jetzt begonnen. Foto: Frank Klausmeyer

„Ich bin stinksauer“, sagt Hartmut Wöhl , der 2012 eine Wohnung im Erdgeschoss gekauft hat. Dabei weiß der 73-Jährige nicht so recht, über wen er sich ärgern soll. Denn möglicherweise liegt der Fehler auch beim ihm.

Fakt ist: Die Mieter und Eigentümer auf der Westseite des Wohnkomplexes müssen auf Teile ihrer Gärten verzichten. „Bei unserer Vermessung im Zuge des Bauantrages haben wir festgestellt, dass die Gartennutzung nicht dem tatsächlichen Grenzverlauf entsprach“, bestätigt Diplom-Ingenieurin Tanja Roosmann , Geschäftsführerin des Büros IPS Projekte Lingen, das für die Planungen des Altenheimes verantwortlich zeichnet. „Die Grenzsteine lagen richtig.“

Wöhl kann das nicht beurteilen. Er habe die Wohnung vor sieben Jahren gekauft wie gesehen. Und da war sein Garten einige Meter breiter. „Damals hieß es, die Hälfte des Walls gehört uns“, sagt der rüstige Rentner. Die Bauflucht an den Grundstücken läuft um einige Grade schräg, was zur Folge hat, dass der gesamte Wohnkomplex nach Norden hin sogar einige Quadratmeter dazu gewinnt, zur Erich-Schröer-Straße aber Grund abgeben muss. Auch ein halber Parkplatz falle deshalb weg.

Hartmut Wöhl will nicht ausschließen, dass im Zuge des Baus der Anlage auf dem früheren Werksgelände von Coppenrath & Wiese fehlerhaft eingemessen wurde oder Grundstückspflöcke falsch eingeschlagen wurden. „Ich hätte damals beim Kauf vielleicht in die Flurkarte schauen sollen“, sagt er heute. Seinen Garten muss er nun zurückbauen. Einen Teil des Sichtschutzes zu den Nachbarwohnungen hat er bereits demontiert, Beete muss er zurücksetzten und das Pflaster neu verlegen. „Kann man nichts machen“, bedauert der 73-Jährige.

Die Erdarbeiten für das neue Altenpflegeheim laufen. Mit dem Hochbau soll im April begonnen werden.

Die Erdarbeiten für das neue Altenpflegeheim laufen. Mit dem Hochbau soll im April begonnen werden. Foto: Frank Klausmeyer

Seine Nachbarin Erika Seiler ist nicht einmal böse wegen des neuen Grenzverlaufs. So habe sie weniger Arbeit mit dem Rasen und Garten. Nun müsse sie nur noch jemanden finden, der ihr das Pflaster neu verlegt, sagt die Rentnerin.

Hartmut Wöhl empfindet aber keinen Groll auf die Investoren für das neue Altenpflegeheim. „Ich bin ganz froh, dass das da hinkommt“, betont der Westerkappelner. Das Grundstück sei ja auch für den Bau von Sozialwohnungen im Gespräch gewesen. „Unter Umständen wäre dann ein sozialer Brennpunkt daraus geworden.“

Der Investor

Die RTLL Lewerenz Holding AG gliedert sich in eine Bauunternehmung und mehrere Projektgesellschaften. Sitz der Holding ist Kirchberg bei Zwickau. Der Fokus liegt auf Wohn- und Geschäftshäusern sowie Einzelhandels- und Pflegeimmobilien – mit 30 Jahren Erfahrung in den Bereichen Projektentwicklung und Schlüsselfertigbau. Unter dem Dach der Holding wird mit Blick auf den Immobilienlebenszyklus die gesamte Wertschöpfungskette abgedeckt.

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Das neue, vollstationäre Altenheim soll 80 pflegebedürftigen Menschen Platz bieten. Der dreigeschossigen Einrichtung angeschlossen wird ein Gebäude für betreute Wohngemeinschaften mit insgesamt 24 Zimmern. Bauherr auf dem 5707 Quadratmeter großen Grundstück ist eine Tochtergesellschaft der RTLL Lewerenz Holding AG aus dem sächsischen Kirchberg. Rund zehn Millionen würden investiert, sagt Henning Groth, Leiter Projektentwicklung bei der RTLL. Anfangs war von Baukosten in Höhe von 7,5 Millionen Euro die Rede gewesen.

RTLL ist Generalunternehmer. Die Gewerke würden an unterschiedlichste Firmen vergeben. „Wir versuchen auch immer, mit Unternehmen aus der Region zusammenzuarbeiten“, sagt Groth.

Betreiben soll die Einrichtung die QualiVita AG aus Peine, ein Unternehmen das bereits sieben Altenheime in Nord- und Westdeutschland unterhält und die darüber hinaus mit ambulanten Pflegediensten, Krankentransporten, Tagespflege, Service-Wohnen und sogar mit einem Hofcafé Geld verdient.

Für einen ersten Spatenstich ist es zu spät. Auch eine offizielle Grundsteinlegung sei nicht geplant, betont RTLL-Projektleiter Groth. „Das machen wir heute nicht mehr. Und der Betreiber hat auch kein Interesse daran.“

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