23 000 Geräte im Tecklenburger Land müssen technisch umgerüstet werden
Tausende Gas-Kunden sind betroffen

Tecklenburger Land -

Ob‘s die Heizung ist, der Warmwasser-Boiler oder der Gasherd in der Küche – viele Menschen im Tecklenburger Land haben einen Gasanschluss im Haus. „Rund 23 000 gasbetriebene Geräte werden in der Region genutzt“, sagt Tobias Koch (40), der seit einigen Wochen als Geschäftsführer der Stadtwerke Tecklenburger Land Netz GmbH & Co. KG tätig ist. Und in jedem – ja, wirklich ausnahmslos in jedem – Haushalt, in dem ein Gas-Gerät genutzt wird, muss technisch was verändert werden.

Sonntag, 10.02.2019, 17:00 Uhr
Umgestellt werden müssen alle an Gas angeschlossenen Geräte. Das können auch Herde sein. Foto: dpa

Denn bislang kommt sogenanntes „L-Gas“ aus den Leitungen. Das gibt es aber bald nicht mehr: In Zukunft wird höherwertiges H-Gas geliefert. „Die Umstellung von L-Gas auf H-Gas ist ein Riesenprojekt“, sagt Koch . Kein Wunder: Das alles wird knapp zwei Jahre dauern und es wird allein hier in der Region zwischen fünf und zehn Millionen Euro an Kosten verursachen.

So viele von einer Umstellung betroffene Kunden gibt es nach Angaben der Stadtwerke Tecklenburger Land in den angeschlossenen Kommunen. Bei den Zahlen handelt es sich nicht um Netzanschlüsse, weil es in einem Gebäude – beispielsweise in einem Mehrfamilienhaus mit Etagenheizung oder Unterversorgung – mehrere Haushalte geben kann.

►Hopsten: 1200

►Hörstel: 3850

►Ibbenbüren: 10 700

►Lotte*: 650

►Mettingen: 2200

►Recke: 1900

►Westerkappeln: 2050

(* außer Büren und Wersen)

Aber von Anfang an: Schon im August 2018 haben die Stadtwerke Tecklenburger Land und die Westnetz GmbH (die betreiben die Leitungen, sind der Transporteur bis ins Haus) alle Kunden angeschrieben und sie auf die nötige Umstellung auf H-Gas hingewiesen. „98 Prozent aller Geräte können angepasst werden. Es muss eine Düse getauscht werden oder die Gas-Luft-Einstellung muss geändert werden“, erklärt Eckhard Stumpe (Regionalleiter Netzbetrieb Westnetz GmbH). Nur etwa zwei Prozent aller Gas-Geräte/-heizungen sind so alt, dass sie nicht angepasst werden können.

Um die Umstellung, die wegen der Menge der Kunden und der nahezu unendlichen Vielfalt der genutzten Geräte logistisch sehr aufwendig ist, nun abwickeln zu können, haben die Stadtwerke und Westnetz spezialisierte Dienstleister-Firmen beauftragt. Die melden sich schriftlich an, sprechen einen Termin ab und kommen zu einem ersten Termin ins Haus.

L- und H-Gas – Stadtwerke / Westnetz

: (das „L“ steht für „low“, das englische Wort für niedrig) L-Gas ist niedrig-kalorisch, es hat einen niedrigeren Energiegehalt. Ein Kubikmeter L-Gas entspricht etwa zehn Kilowattstunden Energie. L-Gas kommt zu 80 % aus den Niederlanden, zu zehn Prozent aus Deutschland und zu zehn Prozent aus Gas-Speichern. Weil die Reserven in den Niederlanden zur Neige gehen und die Förderung dort gedrosselt wird, ist nun eine Umstellung auf das sogenannte H-Gas nötig. : (Das „H“ steht für „high“, das englische Wort für hoch) H-Gas ist hoch-kalorisch, es hat einen höheren Energiegehalt. Ein Kubikmeter H-Gas entspricht etwa elf bis 11,5 Kilowattstunden Energie. H-Gas kommt zu 70 % aus Russland, zu 20 % aus Norwegen und zu zehn Prozent aus Dänemark. „H-Gas ist sehr versorgungssicher, es gibt mehr als genug Pipelines“, sagt Eckhard Stumpe (Westnetz) : Die Gemengelage ist etwas kompliziert, für den Kunden am Ende aber relativ egal: Aktuell bekommen die Stadtwerke-Kunden ihr Gas über Leitungen, die die Westnetz GmbH betreibt. Stadtwerke und Westnetz haben gemeinsam Dienstleister-Unternehmen mit der H-Gas-Umstellung beauftragt. Ab Anfang 2020 gehen die Leitungsnetze in den Besitz der Stadtwerke TE-Land über. Die beauftragten Dienstleister arbeiten dann einfach weiter an der Umstellung von L- auf H-Gas.

...

Dabei wird geprüft und erhoben, welche Geräte vor Ort verbaut sind und was technisch für die Umstellung auf H-Gas benötigt wird. Einige Monate später – nach erneuter schriftlicher Anmeldung – nimmt ein Montagetrupp vor Ort beim Kunden die Umrüstung vor. Damit das alles auch richtig läuft, werden etwa zehn Prozent aller Kunden zwischendurch aus Gründen der Qualitätskontrolle zusätzlich noch einmal besucht.

Übrigens: Damit keine Trittbrettfahrer üble Geschäfte im Zuge der Umstellung machen können, sind die schriftlichen Terminankündigungen mit einem Zahlencode versehen worden. So kann der Kunde sicher sein, dass der von Stadtwerken/Westnetz beauftragte Dienstleister die Umstellung erledigt und nicht irgendein „Betrügerunternehmen“.

Aufpassen sollte man, wenn Rechnungen ins Spiel kommen, denn: „Die Umrüstung ist für die Kunden kostenlos. Die Bundesnetzagentur zahlt alle anfallenden Kosten“, sagt Tobias Koch. Apropos Kosten: „Nach der Umstellung wird die Versorgung nicht teurer, es gibt deswegen keine Preissteigerung“, verspricht Koch.

Und wie geht es nun weiter ? Seit Januar werden die Kunden in Ibbenbüren und Hörstel angeschrieben, hier soll es bereits erste Hausbesuche geben. Ab August 2019 sind Hopsten, Mettingen, Recke, Westerkappeln und Lotte dran. Bis Ende 2019 sollen alle Prüfungen gelaufen sein, bis Ende 2020 alle technischen Umstellungen.

Den genauen organisatorischen Ablauf, viele Technik-Infos und alle Sicherheitsaspekte haben Westnetz/Stadtwerke übrigens bei einer Einladungsveranstaltung für alle Installateurbetriebe aus der Region, für alle Schornsteinfeger und die Polizei am vergangenen Donnerstag im Hotel-Restaurant Leugermann vorgestellt.

Interessant für alle Kunden: Es wird ein Gas-Informations-Büro in Ibbenbüren an der Bergstraße 28 a eingerichtet. Eröffnet werden soll dieses am Montag, 18. Februar. Ab dann können alle Kunden alle Fragen zum Thema H-Gas-Umstellung stellen, das Büro dient als Info- und Anlaufstelle, auch Termine können dort vereinbart werden.

Zu guter Letzt: Es gibt neben den zahllosen Privatkunden auch noch etwa 100 große Gewerbe- und Industriekunden. Die sind bereits informiert und der Umstellungsprozess läuft.

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