Viel Bewegung auf dem Beschäftigungsmarkt im Tecklenburger Land
Arbeitsagentur ist nicht arbeitslos

Tecklenburger Land -

Die Zahl der Arbeitslosen ist auch im Tecklenburger Land weiter gesunken. Bei der Agentur für Arbeit waren im November 2003 Frauen und Männer erwerbslos gemeldet, 24 weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote beträgt unverändert 3,2 Prozent. Sieht nach wenig Bewegung aus, tatsächlich ist aber richtig Musik drin. Die Arbeitsagentur ist alles andere als arbeitslos

Donnerstag, 29.11.2018, 15:30 Uhr aktualisiert: 30.11.2018, 12:00 Uhr
Reiner Zwilling – hier beim Besuch der Geschäftsstelle in Ibbenbüren – ist seit 2015 Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur im Kreis Steinfurt. Foto: Frank Klausmeyer

Es gebe eine große Fluktuation, bestätigt Reiner Zwilling, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur für den Kreis Steinfurt. Diese Aussage belegen auch die aktuellen Zahlen aus der Region. Im November haben sich 541 Personen in Ibbenbüren arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig weist die Statistik einen Abgang von 570 Menschen aus. Gut ein Drittel davon hat einen neuen Job gefunden, andere Betroffene haben eine Ausbildung begonnen oder nehmen beispielsweise an einem Weiterbildungslehrgang teil.

Die Arbeitsagentur betreut den Personenkreis, der in der Regel noch nicht länger als zwölf Monate ohne Beschäftigung ist. „Im Durchschnitt liegt die Arbeitslosigkeit bei uns etwas über 100 Tage. Die meisten sind innerhalb von zwei Monaten wieder in Lohn und Brot“, betont Zwilling.

„Bei uns“ heißt Arbeitsagentur. Um die Langzeitarbeitslosen kümmert sich das Jobcenter . Der Kreis Steinfurt ist seit 2005 eine von 18 sogenannten Optionskommunen in Nordrhein-Westfalen. Hartz IV- und Arbeitslosengeld II-Empfänger fallen in sein Ressort. Diese Trennung wurde eingeführt, weil die betroffenen Städten und Gemeinden der Ansicht waren, Langzeitarbeitslosen besser helfen zu können. „Dieses Splitting war politisch gewollt, passt aber heute nicht mehr in die Zeit“, findet der Chef der Arbeitsagentur. „Wir brauchen zumindest eine stärkere Kooperation.“ Zwischen den Zeilen lässt Zwilling durchblicken, dass die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Kreis Steinfurt nicht immer optimal läuft; beispielsweise beim Bemühen, Flüchtlinge in Beschäftigung zu bringen. „Im Fußball würden wir von einer unterschiedlich ausgerichteten Spielphilosophie sprechen.“

Für seinen Bereich konstatiert Zwilling Vollbeschäftigung. Die Arbeitslosenquote im Bereich des Sozialgesetzbuches III beträgt in und um Ibbenbüren gerade einmal 1,1 Prozent. Dass das so ist und damit das so bleibt, setzt die Arbeitsagentur auf Weiterbildung und Qualifizierung – immer auf Tuchfühlung mit den Unternehmen.

Die Finanzkrise vor zehn Jahren sei auch deshalb so gut bewältigt worden, weil die Betriebe selbst aus Verantwortung ihren Mitarbeitern gegenüber „Eigenkapital in einem Maße verbrannt haben, wie es eigentlich keine Wirkung zeigen konnte.“ Die Agentur sei seinerzeit offensiv auf die Betriebe zugegangen: Beispielsweise hätten durch innerbetriebliche Qualifizierungsmaßnahmen mit Unterstützung von Bildungsträgern Entlassungen verhindert werden können.

Heute ist die Aufgabenstellung eine andere. „In den nächsten zehn Jahren sind viele Leute nicht mehr da, weil in Rente“, sagt Zwilling. In allen Branchen gebe es eine zunehmende Überalterung der Belegschaften. Gleichzeitig schreite die Digitalisierung voran. In der hiesigen Region werde diese Entwicklung noch nicht dramatisch deutlich, weil mehr als 90 Prozent der rund 10 000 Arbeitgeber, die sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze bieten, weniger als 20 Beschäftigte haben, darunter sehr viele Handwerksbetriebe. Es werde, wo es geht, zwar automatisiert, aber die Firmen setzten weiter auf Menschen. „Dafür brauchen wir Fachkräfte und Helfer.“ Schon jetzt gebe es einen „gewissen Konkurrenzkampf“ um geeignete Mitarbeiter.

Die Arbeitsagentur versuche die Unternehmen zu bestärken, ihre Mitarbeiter weiterzuqualifizieren, betont Zwilling. „Wir werden vor der Arbeitslosigkeit tätig.“ Bei Coppenrath & Wiese, einem „Ankerunternehmen“ in der Region, habe die Komponente betriebsinterne Weiterbildung einen hohen Stellenwert.

Das allein genügt nicht. Der Kreis Steinfurt und das Tecklenburger Land brauchten Fachkräfte und Helfer von außen. „Bislang haben wir davon profitiert, dass die Löhne hier moderat sind und die Leute davon leben können.“ Mit Sorge schaut Zwilling aber auf die steigenden Mieten auch im ländlichen Raum. Für Berufspendler spiele die Höhe der Spritpreise eine bedeutsame Rolle bei der Arbeitsplatzwahl. Auch der Öffentliche Nahverkehr müsse attraktiv sein. „Wenn sie an irgendeiner Stellschraube drehen, knallt es“, mahnt der Chef der Arbeitsagentur.

Arbeitslosigkeit leicht gestiegen

Anders als in allen anderen Bezirken der Arbeitsagentur für den Kreis Steinfurt ist die Arbeitslosigkeit in und um Ibbenbüren gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen (+3,6 Prozent). Die Entwicklung in den einzelnen Orten ist allerdings unterschiedlich. Deutlich mehr Arbeitslose gibt es in Ibbenbüren und Westerkappeln. Die Zahlen im Einzelnen (in Klammern Arbeitslose November 2017 und prozentuale Veränderung):

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Um auch in Zukunft genügend und geeignete Mitarbeiter zu finden, müssten sich Unternehmen mehr bewegen als manche es heute vielleicht tun. Beispiel Schwerbehinderte: Bei deren Einstellung sieht Petra König, Pressesprecherin der Arbeitsagentur, noch Potenzial, das es von Arbeitgebern auszuschöpfen gelte. Die meisten der Betroffenen seien eher besser qualifiziert, ihre Handicaps resultierten oft aus Krankheiten.

Beispiel ältere Arbeitnehmer: „Auch da ist noch Luft nach oben“, meint Zwilling. „Einige Arbeitgeber haben noch eine Brille auf, die nicht zur Lage passt.“ Beispiel Ausbildung: Je weniger Lehrstellen vor Ort angeboten werden, desto schwieriger werde es, ein Berufsschulangebot ortsnah zu bündeln. Weite Wege schrecken Jugendliche ab. Es fehlen Nachwuchskräfte. Ein Teufelskreis.

Alles in allem sieht Zwilling die Region für die Zukunft aber gut aufgestellt: „Wir sind ein wirtschaftlicher Tausendfüßler.“ Diese Struktur habe den Ausstieg aus dem Steinkohlebergbau erleichtert. Von diesem habe das Tecklenburger Land über viele Jahre „super profitiert“, erklärt Zwilling. Auf der Zeche sei jahrelang über Bedarf ausgebildet worden. „Der Bergbau war klar ein Schrittmacher.“

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