Weihnachtsbäume haben jetzt Hochsaison
Nordmanntanne weiter sehr beliebt

Lotte/Tecklenburger Land -

Tiefgrün soll er sein, nicht piksen und nicht nadeln, um die zwei Meter hoch, gerade und gleichmäßig gewachsen, möglichst frisch aus heimischem Anbau: So stellen sich die meisten Familien auch in diesem Jahr ihren Tannenbaum vor. Die Nordmanntanne ist deshalb nach wie vor am meisten gefragt, bestätigen Weihnachtsbaum-Anbauer aus der Region.

Freitag, 08.12.2017, 17:12 Uhr

Der Verkauf  an private Endverbraucher geht auf dem Hof Strübbe in Lotte-Osterberg offiziell erst dieses Wochenende los. Das hielt die muntere Radfahrer-Truppe aus Ibbenbüren (links) am Donnerstag aber nicht davon ab, sich von Holger Strübbe (3. von rechts) schon ein paar Nordmanntannen zeigen zu lassen. Die reservierten Bäume werden später frisch geschlagen und mit dem Auto abgeholt.
Der Verkauf  an private Endverbraucher geht auf dem Hof Strübbe in Lotte-Osterberg offiziell erst dieses Wochenende los. Das hielt die muntere Radfahrer-Truppe aus Ibbenbüren (links) am Donnerstag aber nicht davon ab, sich von Holger Strübbe (3. von rechts) schon ein paar Nordmanntannen zeigen zu lassen. Die reservierten Bäume werden später frisch geschlagen und mit dem Auto abgeholt. Foto: Angelika Hitzke

Wohin geht der Trend ? Wie sind die Preise ? Hat sich an der Nachfrage etwas geändert? Wurden beim Anbau Pestizide eingesetzt ? Und muss man womöglich damit rechnen, dass der Tannenbaum im Wohnzimmer Schadstoffe ausdünstet?

Nein, natürlich nicht, versichern die Hofbetreiber unisono, räumen aber auch alle ein, dass man „nicht ganz“ aufs Spritzen von Unkrautvernichtungsmitteln verzichten könne. Zumindest in den ersten Jahren, wenn sich auf dem Boden zwischen den Jungbäumen Gras, Quecke oder Hirse übermäßig auszubreiten droht. „Bei uns steht der Baum in der Regel zehn Jahre. Die ersten drei, vier Jahre wenden wir bei Bedarf Herbizide an, danach haben die Bäume die Fläche überwachsen und das Unkraut wird nur noch gemäht oder es wird gemulcht. Sie können davon ausgehen, dass der Weihnachtsbaum in den letzten sechs, sieben Jahren keine Herbizide mehr gesehen hat“, sagt Mario Jansing , Inhaber der Hagener Baumschule Tiesmeyer.

Alle seine Bäume sind vom Samen über den Setzling bis zum schlagreifen Baum selbst herangezogen. Das gilt auch für die Weihnachtsbäume von Holger Strübbe auf dem traditionsreichen gleichnamigen Hof am Hagenberg in Lotte-Osterberg. Die Blaufichte sei nicht mehr stark gefragt, auch die einfache Fichte, früher „der Tannenbaum“ schlechthin, nur noch vereinzelt von Traditionalisten oder weil sie den niedrigsten Preis hat. Holger Strübbe hat auch „ein paar Korktannen“ in seinen Kulturen, die seien aber „nur begrenzt verfügbar“, weil der späte Frost am 19. April ihnen zugesetzt habe.

Strübbe verkauft nicht nur ausschließlich aus eigenem Anbau direkt ab Hof, sondern beliefert auch Großhändler, Gartencenter, Gärtnereien und hat eigene Verkaufsstände andernorts. Nordmanntannen von Strübbe gibt es auch an Ständen in Westerkappeln und Ibbenbüren. Und an Ständen von Wiederverkäufern wie Susanne Fountoulakis aus Lemgo: Die Händlerin, die zusammen mit ihrem Schwiegervater Karl-Heinz-Strate aus Bad Salzuflen extra mit dem Lkw aus dem Lippischen angereist ist, erzählt, dass sie seit zehn Jahren ihre Ware nur noch hier persönlich aussucht, nachdem sie vorher bei einem anderen Anbieter schlechte Erfahrungen gemacht habe.

Zurzeit sind es noch überwiegend Wiederverkäufer, die mit Lkw, Transportern oder Anhängern vorgefahren kommen. Denn der Direktverkauf an die privaten Endverbraucher startet zumeist erst nächste Woche, zum Teil auch erst am dritten Adventswochenende, auf dem Hof Strübbe allerdings schon diesen Samstag, also am 9. Dezember. Ab dann gibt es hier außer Glühwein, Kinderpunsch und Plätzchen auch Wildschweinburger: „Das ist einmalig in Deutschland“, sagt der Hofherr nicht ohne Stolz und erzählt schmunzelnd, dass letztes Jahr zwei Münsteraner nur deswegen vorbeigekommen seien. „Die wollten gar keinen Baum kaufen. Anschließend sind sie doch mit zwei Bäumen vom Hof gefahren!“

Der Übergang zum privaten Einzelverkauf ist fließend: Zeit hat die „Zwibb“-Gruppe mitgebracht, die mit dem Rad aus Ibbenbüren gekommen ist, um sich in Osterberg Bäume auszusuchen, die dann später mit Pkw abgeholt werden, und sich für den Rückweg zu stärken. Die Frauen und Männer im Rentenalter sind ein bisschen enttäuscht, dass es die Wildschweinburger noch nicht gibt, weil die Bude dafür gerade erst aufgebaut wird. „Zwibb“, so erklären Angelika Hülsmeier und Michael Diekmann stattdessen bei Punsch und Marzipanstollen, stehe für „Zusammen was unternehmen in Ibbenbüren“. Die Truppe kommt schon seit drei Jahren hierher.

Den Baum auch in der Kultur selber aussuchen und markieren kann man überall, ihn eigenhändig absägen aber nicht unbedingt. Bei Strübbe übernehmen das lieber die Profis. In der Baumschule Tiesmeyer ist das hingegen kein Problem. Aus dem Tannenbaumkauf ein Event für Familien, Freundescliquen oder Nachbarschaften zu machen sei ein Trend, der noch zunehme, meint Mario Jansing, allerdings auch stark vom Wetter abhängig sei. Bei Regen ziehe keiner mit der Handsäge los.

Besonders gefragt, darin stimmen die Anbauer überein, sind zwar dicht, aber nicht zu breit gewachsene Nordmanntannen, die deshalb meist in eine schlankere Form geschnitten werden, und bei Fans der modisch großen Kugeln Bäume mit ausreichend Abstand zwischen den Astkränzen. Und sie müssen aus der Region kommen, weshalb generell die Direktvermarktung aus eigenem Anbau boomt: „Regionalität ist das neue Bio“, betont Holger Strübbe.

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