Jupp Pott erinnert sich
„Wir waren ja junge Burschen“

Tecklenburg-Brochterbeck -

„Da war ich mit dabei.“ Jupp Pott schmunzelt. Der Brochterbecker kann sich noch gut daran erinnern, wie er vor 58 Jahren gemeinsam mit anderen Jungs aus dem Horstmersch einen Viehtransporter vom Tecklenburger Bahnhof zum Marktplatz hochgeschoben hat. In der gestrigen Ausgabe dieser Zeitung war von der damals spektakulären Wette berichtet worden.

Dienstag, 02.01.2018, 20:01 Uhr

Fitten Bäumer am Steuer, Tönne Pott als Aufpasser links daneben: Begleitet wird der Transporter von zahlreichen Brochterbeckern und Tecklenburgern. Das Bild stammt aus dem Fotoalbum von Jupp Pott.
Fitten Bäumer am Steuer, Tönne Pott als Aufpasser links daneben: Begleitet wird der Transporter von zahlreichen Brochterbeckern und Tecklenburgern. Das Bild stammt aus dem Fotoalbum von Jupp Pott.

Jupp Pott , heute 82 Jahre alt, weiß noch genau, wie es damals dazu gekommen war. Und davon will er berichten. Nach der Lektüre des Zeitungsberichtes schwingt sich der rüstige Senior also auf sein E-Bike und radelt von Brochterbeck nach Lengerich. Mit dabei: Das Fotoalbum mit Bildern, die an den „Kraftakt am steilen Berg“ erinnern. Eingeklebt ist auch ein Einzahlungsbeleg. Zehn Flaschen Doornkaat haben die jungen Männer damals gewonnen, nachdem es ihnen gelungen war, den Transporter bis zum Marktplatz zu hieven. Doch haben sie nicht den ganzen Schnaps gewollt, sondern sich einen Teil der Wettschuld in bar auszahlen lassen. „Das Geld haben wir für die Kongo-Hilfe gespendet“, erzählt Jupp Pott.

Helfen, das sei immer wichtig gewesen, versichert der Brochterbecker. Und irgendwie hängt die Hilfsbereitschaft der jungen Männer anno 1960 auch mit der Wette zusammen. Der Viehhändler Fitten Bäumer habe seinen Viehtransporter immer unverschlossen vor den Gaststätten Franz oder Heemann stehen lassen. Das war natürlich verlockend für den 24-jährigen Jupp und seine etwa gleichaltrigen Freunde. „Wir haben den Wagen weggeschoben und versteckt.“

Dann kam der Tag, an dem die Männer Blut spendeten – und danach wieder den Transporter entdeckten – und versteckten. Und was sagt Fitten Bäumer? Er trägt der Truppe spaßeshalber auf, ihn in seinem Transporter nach Hause zu schieben – nach Holthausen. Und da entstand dann so langsam die Idee zu der Wette, an der sich auch der Brochterbecker Metzgermeister Hans Völling beteiligte.

Zwei, drei Wochen hat es dann noch gedauert, bis der Tag der Wette kam. Und bis dahin hätten sie sich so einige Kommentare anhören müssen: „Jungs, geht nach Hause und schlaft Euch aus“, so ein damaliger guter Rat. „Dass wir es schaffen, hat keiner geglaubt“, weiß Jupp Pott noch heute. Und man sei völlig überrascht gewesen über die vielen, vielen Zuschauer. Die Wette hatte sich halt herumgesprochen.

Und dann ging es los. Im Fahrzeug nahmen Fitten Bäumer, Hans Völling und, als Aufpasser, Tönne Pott, der Bruder von Jupp, Platz. „Damit nicht einer auf die Bremse tritt“, erinnert sich Jupp Pott schmunzelnd. Zwei seiner Freunde haben den Wagen an einem hinten befestigten Seil gezogen, der Rest hat geschoben. Eine Pause wurde auf der rund 1,5 Kilometer langen, steilen Strecke nicht eingelegt. Wer weiß, ob man das Gefährt dann wieder in Bewegung bekommen hätte?

Letztendlich hat alles geklappt. Muskelkater am nächsten Tag? „Nein“, winkt Jupp Pott ab. „Wir waren ja junge Burschen.“

Der 82-Jährige packt sein Fotoalbum und damit auch die Erinnerungen wieder in seinen Jutebeutel ein und radelt zurück nach Brochterbeck. Man muss sich schließlich fit halten – auch wenn er solch einen Kraftakt wie das Schieben des Transporters nicht mehr unternehmen wird.

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