Große Kirche soll für mehr Nutzungen geöffnet werden
Was kann hier abgehen?

Burgsteinfurt -

Sie ist schon fast so historisch wie die Kirche selbst: 55 Jahre lang verrichtete die Heizung in der Großen Kirche ihren Dienst. „Seit 2005 haben uns Heizungsbauer und Schornsteinfeger immer wieder gewarnt, dass es keine Ersatzteile für größere Reparaturen mehr gibt“, erzählt Pfarrer Guido Meyer-Wirsching.

Montag, 24.06.2019, 17:30 Uhr aktualisiert: 24.06.2019, 18:32 Uhr
Die alte Heizungsanlage in der ehemaligen Krypta tat 55 Jahre lang ihren Dienst. Foto: Bernd Schäfer

Jetzt war es so weit: „In diesem Jahr hat sie sich endgültig verabschiedet.“

Damit kam die Frage auf, ob sich eine neue Heizung, die immerhin rund eine Viertelmillion Euro kostet, in Zeiten schwindender Gottesdienstbesucher überhaupt noch lohnt. „Noch können wir uns das leisten – in 20 Jahren wahrscheinlich nicht mehr“, macht sich Meyer-Wirsching keine Illusionen.

Er sieht die Investition als Statement zur Großen Kirche, deren älteste Teile über 800 Jahre alt sind: „Wir wollen das Gebäude, das auch eine Bedeutung für die Stadtgeschichte hat, langfristig erhalten.“

Und zwar nicht nur als Ort für Gottesdienste: Für die neue Heizung erhält die Gemeinde einen Zuschuss von 75 000 Euro vom Evangelischen Kirchenkreis.

Noch können wir uns das leisten – in 20 Jahren wahrscheinlich nicht mehr.

Pfarrer Guido Meyer-Wirsching

Der ist jedoch mit einem neuen Nutzungskonzept verbunden, das vom Presbyterium erarbeitet wurde und die Öffnung der Kirche für unterschiedlichste Veranstaltungen vorsieht – etwa Lesungen, Diskussionen und Konzerte.

Pfarrer Meyer-Wirsching kann sich sogar noch viel mehr vorstellen: In England gebe es Kirchen, in denen man übernachten kann. „Sowas ist doch auch eine tolle Idee.“ Möglich sei vieles. „Wir sind selbst neugierig: Was kann hier abgehen?“

Seit den ersten Hinweisen auf fehlende Ersatzteile wurden immer mal wieder Spenden gesammelt. Im Lauf der Zeit kamen so 72 000 Euro zusammen, die jetzt abgerufen werden. „Dafür waren sie da, dafür werden sie jetzt eingesetzt.“

Kirchmeister Walter Krebs hat den Überblick über die Finanzen: 72 000 Euro aus dem Heizungsspendentopf der Gemeinde, 75 000 Euro vom Kirchenkreis – bleiben rund 100 000 Euro, die die Gemeinde aus der Substanzerhaltungsrücklage finanzieren will. „Das Geld ist da“, beruhigt Walter Krebs. Die neue Anlage wird von einer auf Kirchenheizungen spezialisierten Firma eingebaut, die europaweit tätig ist, zum Beispiel auch im Trierer Dom oder der Lübecker Petrikirche. Und die 1964 auch die alte Heizung gebaut hatte. „Die hatten die Pläne unserer Kirche noch im Archiv, deshalb war die Planung der Anlage jetzt kein Problem“, weiß Walter Krebs.

Wir sind selbst neugierig: Was kann hier abgehen?

Pfarrer Guido Meyer-Wirsching

Vor 1964 gab es nur Heizöfen im Kirchenraum selbst. „Entweder saß man zu dicht dran, dann war es zu heiß, oder zu weit weg, dann war es eiskalt“, erinnert sich Ingrid Kolthoff-Teigeler, die für die Gebäude der Gemeinde zuständig ist.

Die Heizung wurde dann in der ehemaligen Krypta der Großen Kirche eingebaut – dafür mussten die verblichenen Mitglieder des Fürstenhauses, die bis dahin dort ihre letzte Ruhestätte hatten, auf den fürstlichen Friedhof im Bagno umziehen.

Statt wie bisher mit Öl, von dem rund 14 000 Liter pro Jahr durch den Brenner flossen, wird die neue Heizung mit Gas betrieben. Drei Heizkessel können dann unabhängig voneinander mit moderner Regeltechnik gesteuert werden, damit soll rund ein Drittel an Energie gespart werden können. Auch die Luftfeuchtigkeit im Kirchenraum kann automatisch geregelt werden, um Schimmelbildung etwa in der Orgel vorzubeugen.

Für die Umbauarbeiten wird die Kirche vom 14. Juli an bis Ende August für Gottesdienste und andere Veranstaltungen geschlossen.

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