Immer weniger Firmen bei der Heimtextil in Frankfurt
Da waren‘s nur noch zwei

Borghorst -

Da waren es nur noch zwei: Die weltgrößte Messe für Heimtextilien in Frankfurt, die traditionsgemäß immer im Januar über die Bühne geht, verliert für die Steinfurter Textilunternehmen immer weiter an Bedeutung.

Montag, 11.02.2019, 15:56 Uhr
Sebastian, Christa und Hans Günter Hahn sind mit dem Verlauf der Heimtextil-Messe in Frankfurt sehr zufrieden. Olaf Huge (kl. Foto) kommt mittlerweile gut ohne klar. Foto: Axel Roll

In diesem Jahr waren mit H.G. Hahn Haustextilien und dem Schrägbandhersteller Krass + Wissing nur noch zwei örtliche Firmen bei der Heimtextil vertreten. Nachdem die mittlerweile von der Südlohner Frottierweberei übernommene Firma Reygers schon vor zwei Jahren der Weltschau ferngeblieben war, verzichtete in diesem Januar auch Gözze erstmalig auf eine Teilnahme. Die Gründe sind weniger finanzieller, sondern eher struktureller Natur. Olaf Huge , Geschäftsführer der Südlohner Frottierweberei, bringt es auf den Punkt: „Die Verträge mit Kunden werden mittlerweile kaum noch auf der Messe geschrieben.“

Gleichwohl spricht Hans Günter Hahn von einem „sehr positiven Messeverlauf“. Erstmalig hatten die Frankfurter die Unternehmen nach Warengruppen in den Hallen zusammengefasst. Der Borghorster Firmengründer: „Unsere Kunden konnten so sehr rationell arbeiten. Und auch unsere Arbeit mit den Kunden ist effizienter.“ Das Geschäftsjahr endet bei H.G. Hahn am 31. März mit einem leichten Minus. Hahn ist aber optimistisch: „Das holen wir wieder auf.“ Der Messeerfolg gebe ausreichend Rückenwind, um das Klassenziel zu erreichen.

Olaf Huge als Geschäftsführer der Südlohner Frottierweberei ist hingegen erstaunt, dass der Verzicht auf die Messe keine negativen Auswirkungen auf das eigene Geschäft hat. In 2018 war Reygers nicht dabei, weil die Borghorster Firma frisch in der Insolvenz steckte. Olaf Huge: „Wir haben dann unsere Kunden selbst besucht oder zu uns eingeladen.“ Mit der Folge, dass die Umsätze mehr als stimmten. Mit diesen positiven Erfahrungen sei es dann leicht gefallen, die Grundsatzentscheidung zu fällen: „Wir kehren Frankfurt ganz den Rücken.“

Die Südlohner Frottierweberei hat das „Tal der Tränen“ durchschritten, wie Huge überzeugt ist. Die selbstgesteckten Umsatzerwartungen wurden bislang übererfüllt, die Mitarbeiterzahl sei schon wieder auf 42 geklettert. In die Insolvenz sei man 2017 mit einer Personalstärke von 62 gegangen.

Olaf Huge hat das Geschäft mittlerweile klarer strukturiert. So gibt es für den Großhandel und für den Einzel- inklusive Onlinehandel jeweils eigene Gesellschaften. Der Fabrikverkauf wird an den Standorten Billerbeck und Südlohn angeboten. Der Borghorster Unternehmer ist sich sicher: „Wenn es weiter so gut läuft, können wir bis zum Jahresende den Standort am Flaßkamp zurückkaufen, dann ist alles wieder in Familienbesitz.“ In der Rückschau sei die Insolvenz durch die Verkettung unglücklicher Umstände zustande gekommen. Man habe die Chance nutzen können und das Unternehmen auf eine gesunde Basis gestellt.

Kollege Wolfgang Gözze hat bei der Heimtextil in diesem Jahr erstmalig Verzicht geübt. Ausschlaggebend war für den Unternehmer die Neukonzeptionierung der Messe. Dadurch hätte Gözze seinen altbekannten Standort in den Messehallen verloren. Für den Borghorster ein No-go. Vor dem Hintergrund, dass in Frankfurt schon lange nicht mehr die Order-Verträge gemacht werden, fiel dem Unternehmer der Abschied ebenfalls relativ leicht. Zumal das Engagement immer mit Ausgaben im sechsstelligen Bereich verbunden waren.

Schrägband-Hersteller Krass + Wissing ist auf dem internationalen Marktplatz in der Mainmetropole nach wie vor dabei. Das Traditionsunternehmen liefert mittlerweile an die 50 verschiedene Artikel. Schnitt- und Einfassbänder produziert Krass + Wissing für die unterschiedlichsten Einsatzbereiche: Vom Bademantel, Dessous und Schuhe über Gartenmöbelauflagen bis hin zu Autositzen und Gardinen.

H.G. Hahn reüssierte in diesem Jahr unter anderem mit Bettwäsche aus Bio-Baumwolle, zertifiziert nach dem weltweit führenden Standard GOTS für ökologisch erzeugte Naturfasern. Ebenfalls als Erfolg wertet Hahn die neue Serie „Sea Life“. Vertriebschefin Christa Hahn: „Das ist unser Beitrag zum Schutz der Meere.“ So werde auf Kunststoffverpackung verzichtet und die Ware stattdessen in wiederverwendbaren Stoffbeuteln verpackt. Die Produkte selbst haben weder Reißverschlüsse noch Plastikknöpfe. Bei den Designs nimmt Hahn Bezug zum 100-jährigen Bestehen des Bauhauses und präsentiert eine Serie mit klaren Mustern.

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