Umsiedlungen von Borghorster Betrieben sorgen für Diskussionsstoff
Reicht freundlich erkundigen?

Steinfurt -

Die Ankündigung der Firma Eisen und Baustahl Pohlmann, ihren Sitz Ende des Jahres von Borghorst nach Wettringen zu verlegen (die WN berichteten), sorgt für Diskussionsstoff. Besonders die Kritik von Geschäftsführerin Stephanie Pohlmann, die zu wenig Interesse seitens der Stadtverwaltung beklagt.

Dienstag, 08.01.2019, 17:42 Uhr
In Wettringen fühlen sich Unternehmen offenbar gut aufgehoben. Foto: Schäfer

Diese wurde von Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer gleich am nächsten Tag in einer „Gegendarstellung“ per E-Mail an die Fraktionsvorsitzenden und unsere Zeitung beantwortet. Die Wirtschaftsförderung habe sich bereits im Mai „freundlich erkundigt und Hilfe angeboten“, nachdem durch Dritte vom Umzug der Firma erfahren habe. Da sei die Entscheidung für den Umzug aber bereits endgültig gewesen. „Dass eine Kontaktaufnahme (...) aufgrund dargelegter Erfahrungen aus der Vergangenheit nicht stattgefunden hat, obwohl andere Personen im Rathaus in Verantwortung stehen, ist sehr bedauerlich“, meint die Bürgermeisterin, dass heute ein anderer Geist durch die Verwaltung wehe.

Freundlich erkundigt und Hilfe angeboten.

Überschrift der Reaktion von Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer

Das findet Dr. Reinhold Dankel (FWS) nicht. „In so einem Fall ruft nicht eine Dame der Wirtschaftsförderung an – in so einem Fall hätte die Bürgermeisterin persönlich vor Ort vorsprechen müssen“, stellt er seine Einstellung klar. Ob damit etwas geändert worden wäre wisse er nicht. So sollte in seinen Augen jedenfalls keine aktive Wirtschaftspolitik der Stadt Steinfurt aussehen.

In so einem Fall hätte die Bürgermeisterin persönlich vorsprechen müssen.

Dr. Reinhold Dankel

Norbert Kerkhoff (CDU) sieht den Fehler schon viel früher: „Wenn ich nur über Dritte höre, dass ein Unternehmen die Stadt verlässt, ist ja schon etwas faul. ‚Über Dritte hören‘ ist eigentlich die schlimmste Aussage, die man machen kann – die Stadt muss doch in solchen Dingen für Unternehmen erster Ansprechpartner sein.“ Auch er bemängelt, dass es nur ein freundliches Telefonat der Wirtschaftsförderung gegeben habe. Die Bürgermeisterin habe diesen Bereich zur Chefsache erhoben und müsse sich deshalb auch selbst kümmern.

‚Über Dritte hören‘ ist eigentlich die schlimmste Aussage, die man machen kann.

Norbert Kerkhoff

Ludger Kannen (B‘90/Grüne) ist ebenfalls der Ansicht, dass ein einfaches Telefonat nicht ausreicht. „Die ‚Stammkunden‘ sollte man regelmäßig besuchen, um sich über Entwicklungen und Planungen zu informieren.“ Ziel müsse es sein, zumindest die bestehenden mittelständischen Betriebe zu halten. Das größte Problem, das die Stadt derzeit habe, sei aber ein anderes: „Das sind die Flächen“, weist Kannen auf den Mangelzustand hin. „Da müssen wir ran, das muss ein kurzfristiges Ziel sein“, fordert er eine rasche Einigung mit Grundstückseignern, Flächen zur Verfügung zu stellen.

Deren Fehlen sieht auch Ulrich Windscheid (FDP) als zentrales Problem. „Wir sind im Moment in der misslichen Lage, keine Grundstücke bereitstellen zu können.“ Um die zu erwerben, sei von allen Beteiligten Kreativität gefragt. Die Erweiterung von Atair und der Umzug von Pohlmann nach Wettringen sieht er als „insgesamt bedauerliche Situation“. Dennoch: „Ich glaube nicht, dass wir in der Wirtschaftsförderung schlecht aufgestellt sind“, nimmt Windscheid die Verwaltung in Schutz. Sagt aber auch: „Verbessern kann man sich natürlich immer – das können wir daraus lernen.“ Alfred Voges (SPD) würde gerne erst einmal definieren, was die Aufgabe einer Wirtschaftsförderung überhaupt ist. „Das kann ja nicht nur Flächen verhökern sein – die haben wir sowieso nicht.“ Dafür wolle seine Fraktion Wirtschaftsförderin Debbie Kattenbeck demnächst einladen. Ein immer noch aktueller Wunsch sei ein „Investorenprotokoll“, in dem die Verwaltung nach Verhandlungen mit Interessenten konkrete Infos gibt, wo Dinge gehakt haben oder Hindernisse im Weg standen. „Da reden wir schon ewig drüber – aber sind damit nie durchgekommen“, bedauert Voges.

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