Reibungslose Übergabe des Steinfurter Stromnetzes von der Westnetz an die Stadtwerke
Mehr lokaler Einfluss auf edelste Energieform

Steinfurt -

Kein roter Knopf, der gedrückt werden musste, kein Band, das es zu durchtrennen galt: Ziemlich geräuschlos gestaltete sich zum Jahresanfang die Übergabe des Steinfurter Stromnetzes vom bisherigen Betreiber Westnetz an die Stadtwerke. Dass der Prozess so reibungslos über die Bühne ging, ist guter Vorarbeit beider Beteiligten zu verdanken. Schon 2013 hatte der lokale Energieversorger das immerhin rund 250 Kilometer lange Netz von der Innogy-Tochter gekauft, es jedoch umgehend wieder zurückverpachtet – um die Zeit bis zur Übernahme mit allen Rechten und Pflichten „zum gemeinsamen Lernen“ zu nutzen, wie es Stadtwerke-Geschäftsführer Rolf Echelmeyer formuliert.

Freitag, 04.01.2019, 10:10 Uhr
Der Standort der Westnetz in Steinfurt an der Friedrich-Hofmann-Straße bleibt auch künftig erhalten. Foto: Ralph Schippers

Fünf Jahre? Dass dieser verhältnismäßig lange Zeitraum nötig war, begründet Echelmeyer mit dem hohen organisatorischen Aufwand insbesondere im kaufmännischen Bereich, der gestemmt werden musste. Beispiel Einspeisemanagement: Die Besitzer der über 1000 in der Kreisstadt gemeldeten Photovoltaikanlagen erhalten ihre Abschlagszahlungen für eingespeisten Strom künftig von den Stadtwerken, nicht mehr von der Westnetz. Beispiel Stromlieferanten: Über 200 Unternehmen teilen sich den lokalen Markt und liefern elektrische Energie an die Haushalte, mit allen müssen vertragliche Vereinbarungen getroffen und Daten ausgetauscht werden. Der Aufwand ist unter dem Strich so groß, dass dafür auch Neueinstellungen erfolgten. Worüber Echelmeyer sich glücklich zeigt, seien doch die dafür erforderlichen Fachkräfte schwer zu finden.

Warum stecken die Stadtwerke so viel Energie in das eigene Energienetz? Echelmeyer nennt dafür drei Gründe: Zum einen eröffnet sich dem Hauptgesellschafter Stadt Steinfurt die Möglichkeit, bei der künftigen Ausrichtung und dem Ausbau des lokalen Stromnetzes stärker mitbestimmen zu können. Gleiches gilt für die lokale Öffentlichkeit, die über die Bürgerenergiegenossenschaft (BEGSt) an den Stadtwerken beteiligt ist: Ihre Einflussmöglichkeiten werden ebenfalls größer. Schlussendlich ergeben sich auch für den Energieversorger und seine Kunden Vorteile: Gas, Wasser, Strom – alle Angebote kommen, wenn gewünscht, aus einer Hand.

Die jetzt erfolgte Übernahme des Stromnetzes ist nur ein weiterer Schritt in die Zukunft der Energieversorgung, bei der Strom als die edelste Form von Energie eine große Rolle spielt. Die künftigen Herausforderungen bezeichnet Echelmeyer als riesig. Trotz fortschreitender Dezentralisierung – Stichwort Eigenverbrauch – ist ein leistungsfähiges Netz weiter gefragt. So leistungsfähig, dass die Versorgung auch bei Flaute und wenig Licht verlässlich ist und so intelligent, dass Stromausfälle vermieden werden.

Vieles ist dabei noch Zukunftsmusik – im Gegensatz zu den ganz konkreten Fragen, mit denen sich die Kundendienstmitarbeiter vor allem im Dezember konfrontiert sahen, nachdem die Westnetz den Besuch ihrer Mitarbeiter zur Schlussablesung angekündigt hatte. Die Innogy-Tochter bleibt trotz der Stromnetzabgabe weiterhin in Steinfurt vertreten. Vom Sitz an der Friedrich-Hofmann-Straße aus wird der Netzbetrieb in den umliegenden Gemeinden und Städten gesteuert, erklärte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage.

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