Inklusion von Menschen mit Behinderungen in den Steinfurter Sportvereinen
Ausprobieren geht immer

Steinfurt -

In Kiel sind gestern die Special Olympics Deutschland zu ende gegangen. Bei den nationalen Spielen für Menschen mit geistiger Behinderung kämpften 4600 Athleten in 19 Sportarten um Platzierungen und Medaillen.

Freitag, 18.05.2018, 18:05 Uhr

In den leistungsorientierten Sportarten wie Fußball, Handball oder Leichtathletik sind Menschen mit Behinderungen in Steinfurt selten. Dabei zeigen sich die Vereine durchaus offen, sie in ihren Abteilungen zu integrieren. Foto: dpa

Um an einem derartigen Ereignis teilnehmen zu können, müssen natürlich die Grundlagen im regelmäßigen Training in Sportvereinen vor Ort gelegt sein. Aber sind die Vereine überhaupt darauf vorbereitet, Menschen mit Behinderungen eine sportliche Heimat zu geben?

Bei den Fußballvereinen etwa scheint sich diese Frage noch gar nicht wirklich gestellt zu haben. „Zumindest im Seniorenbereich ist mir nicht bekannt, dass wir da Spieler mit Behinderungen hätten“, sagt Peter Starmann, der dem Bereich Sport und Spielbetrieb beim SV Wilmsberg vorsteht. „Ein Problem hätten wir damit aber auf gar keinen Fall – wir würden die schon irgendwo unterbringen.“ Es gebe bei den Wilmsbergern durchaus Mannschaften, die den Schwerpunkt eher auf Geselligkeit als auf Leistung legen und in denen auch Menschen mit Behinderungen mitspielen könnten. „Das würde ganz sicher auch akzeptiert.“

Den Leistungsaspekt sieht Ali Pish Been als Vorsitzender des FC Galaxy Steinfurt auch als Grund, warum sich diese Frage in seinem Verein noch nicht gestellt habe. „Im leistungsorientierten Spielbetrieb ist das Thema Inklusion natürlich nur schwer oder eher fast unmöglich umzusetzen“, sagt Pish Been. Demnächst werde beim FC Galaxy aber eine Jugendabteilung gegründet. „Da kann man eher was machen. Wir werden versuchen, da auch gehandicapte Kinder mitzunehmen.“

Beim TB Burgsteinfurt spielt ein Kind mit geistiger Behinderung im Jugendbereich Handball. Generell seien Menschen mit Behinderungen beim Turnerbund willkommen, sagt die Vorsitzende Dörte Michels. Wobei die Inklusion in manchen Abteilungen sicherlich leichter sei als in anderen. „Man muss natürlich sehen, ob es passt.“ Eine Reha-Sportgruppe bestehe zum Beispiel komplett aus Bewohnern der Camphill-Wohngemeinschaft. Beim TV Borghorst sieht das ähnlich aus: „Es gibt bei uns keine speziellen Angebote für Menschen mit Behinderungen“, sagt der Vorsitzende Carsten Blanke über die Leistungssport-orientierten Abteilungen. „Aber wenn jemand käme, würden wir uns nicht davor scheuen.“ Wie beim TB gibt aber auch in Borghorst eine Reha-Sportabteilung, für die der TVB eigens Mitglied im Behinderten-Sportverband NRW geworden ist.

Bei Marathon Steinfurt ist die Inklusion kein eigenständiges Thema. „Wir probieren das dann einfach aus“, sagt Sylvia Gehling. Im vergangenen Jahr zum Beispiel habe ein Mensch mit Behinderung am Laufanfängerkurs teilgenommen. Bei den ersten Einheiten sei noch eine Betreuerin dabei gewesen. „Aber das war später gar nicht mehr nötig“, erinnert sich Sylvia Gehling. Zum Abschluss des Kurses hat der Sportler sogar beim Altstadt-Abendlauf mitgemacht. „Das hat super geklappt.“

Man müsse eben immer wieder individuell entscheiden: „Geht das, oder geht das nicht. Und trauen wir uns das zu?“, sagt Gehling. „Aber man kann es immer ausprobieren.“

Ganz unkompliziert geht es auch im Breitensport Burgsteinfurt zu. „Unsere Gruppen sind für alle offen und in verschiedenen sind auch Menschen mit Beeinträchtigungen“, sagt Jens Kösters. Die Übungsleiter seien darauf eingestellt. Eigens eingerichtete Gruppen gebe es nicht – und die seien auch gar nicht nötig: „Wir haben da keine Berührungsängste und sagen nur: Einfach mitmachen lassen.“

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