Marienhospital ändert Therapie-Konzept
Bad schließt – Gruppen ärgern sich

Borghorst -

Ab Ende Mai wird das Becken mit dem über 30 Grad warmem Wasser im Untergeschoss des Hospitals still gelegt. Mehrere Gruppen und Vereine hatten es bislang genutzt – und mussten sich nun eine neue Bleibe suchen. Nicht alle waren dabei erfolgreich, denn die Alternativen sind begrenzt.

Samstag, 21.05.2016, 06:05 Uhr

Sport bei 31 Grad Wassertemperatur: Das wollen die Teilnehmer nicht missen – Alternativen gibt es aber nur wenige.
Sport bei 31 Grad Wassertemperatur: Das wollen die Teilnehmer nicht missen – Alternativen gibt es aber nur wenige. Foto: Linda Braunschweig

„An unsere Gesundheit denkt niemand. Wir können nicht auf dem Boden turnen. Uns hilft nur das Wasser.“ Helga Hoffmann und ihre Rehasport-Mitstreiter ärgern sich über den Beschluss des Marienhospitals Münsterland, das Therapiebad im Untergeschoss des Krankenhauses zu schließen. Am Donnerstag trainierte die Gruppe unter der Leitung von Ulrike Schabos zum letzten Mal im 31 Grad warmen Wasser.

Im April war die Schließung beschlossen worden (wir berichteten). Die Geschäftsführung des Krankenhauses verweist auf eine neues Behandlungskonzept in der physikalischen Abteilung. Diese konzentriere sich verstärkt auf „Patienten, die an einem Knochenbruch leiden oder ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk erhalten haben und nach diesem Eingriff Krankengymnastik verordnet bekommen“, teilt das Hospital mit. Zudem müsse mit der Umstrukturierung des Krankenhauses zu einem „leistungsfähigen Gesundheitsstandort“ auch wirtschaftlichen Erfordernissen Rechnung getragen werden, erklärt Stephan Schonhoven , Referent für Öffentlichkeitsarbeit, auf Anfrage. Kurzum: Das Bad rechnet sich nicht.

Dabei, erklären die Teilnehmer der Rehasport-Gruppe des Therapiezen-trums Steinfurt , sei das Bad gut ausgelastet gewesen. „Und wir wären auch bereit gewesen, mehr zu zahlen, aber wir sind gar nicht gefragt worden“, kritisiert eine Teilnehmerin. Tatsächlich mussten sich mehrere weitere Gruppen nach der Bekanntgabe der Schließung im April eine neue Bleibe suchen. Leicht war das nicht: In Steinfurt bietet nur das Bad in der Elisabeth-Schule ähnliche Bedingungen. Weitere Therapiebäder mit entsprechender Wassertiefe und -temperatur gibt es in Greven und Emsdetten. Beides ist vielen Senioren zu weit weg. Sie sind es, die die entsprechenden Wassergymnastik-Kurse am häufigsten nutzen, weil sie gelenkschonende Bewegung ermöglichen. „Im Wasser können die Teilnehmer mit Hüft- oder Bandscheibenproblemen Übungen machen, die sonst nicht möglich wären“, erklärt Ulrike Schabos. „Das tut uns allen gut“, sagt Helga Hoffmann. Sie freue sich immer auf die nächste Einheit. „Man ist danach den ganzen Tag fit“, ergänzt eine weitere Teilnehmerin.

Zumindest für ihre Gruppe ist mit der Schließung des Bades aber vorläufig Schluss. Andere haben sich eine Alternative gesucht, zum Beispiel der Turnerbund Burgsteinfurt. Allerdings: Statt drei Kursen am Donnerstag kann der Sportverein künftig nur noch einen am Freitag anbieten. Mehr Zeiten konnte der Verein in der Elisabethschule nicht ergattern. Obwohl dort mehr Teilnehmer ins Becken passen, geht Vorstand Dörte Michels nicht davon aus, alle bisherigen Teilnehmer unterbringen zu können. Einen Kurs beispielsweise in Emsdetten anzubieten, sieht Michels mit Blick auf die Entfernung kritisch. Einige Teilnehmer seien 20 Jahre dabei. Da sei die Schließung „bitter für uns, aber wir können das nicht ändern“. Ähnlich sieht es der Kneipp-Verein Steinfurt. Dessen Kurse wechseln nach Emsdetten und in die Elisabethschule. „Für dieses Jahr sind wir gerettet“, sagt Klaus Fischer, Zweiter Vorsitzender des Kneipp-Vereins. Besser wäre es aber gewesen, das Bad zu den Sommerferien zu schließen. „Dann wären die laufenden Kurse beendet gewesen.“

Verbunden sei die Schließung auch mit der Neuausrichtung des Leistungsspek-trums im Krankenhaus, so Schonhoven. Dazu zähle der Ausbau der Kapazitäten für das Endoprothetikzentrum – zum Beispiel für künstliche Hüftgelenke. „Wir bedauern diese Maßnahme. Sie ist jedoch aus der gebotenen Wirtschaftlichkeit unausweichlich“, so Schonhoven. Das Bad werde still gelegt. Eine Entscheidung über die künftige Nutzung erfolge zu einem späteren Zeitpunkt.

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