Vor 25 Jahren: Orkan zerstört die Große Kirche
Anstoß zum Aufbruch

Burgsteinfurt -

Für viele Burgsteinfurter war er ein schwarzer Tag, der Rosenmontag des Jahres 1990. Orkan „Vivian“ vollbrachte an der Großen Evangelischen Kirche ein verheerendes Zerstörungswerk. Unsere Zeitung blickt auf diesen Tag zurück und befragte Zeitzeugen.

Dienstag, 24.02.2015, 19:02 Uhr

Bild der Verwüstung: Das Kircheninnere nach dem Orkan. „Ich konnte es einfach nicht fassen“, sagt Pastor Wilfried Mahler (kl. Bild) heute rückblickend.
Bild der Verwüstung: Das Kircheninnere nach dem Orkan. „Ich konnte es einfach nicht fassen“, sagt Pastor Wilfried Mahler (kl. Bild) heute rückblickend. Foto: Pape

Eigentlich hätte der 26. Februar 1990 ein Rosenmontag mit reichlich Helau, Alaaf und „Kamelle“ sein sollen – wäre da nicht „ Vivian “ gewesen. Der Orkan brachte europaweit Verwüstung und Tod mit. In Burgsteinfurt kam glücklicherweise niemand zu Schaden, doch wurde es ein schwarzer Tag in der Kirchengeschichte. Um 12.08 Uhr vollbrachte „Vivian“ an der Großen Evangelischen Kirche ein verheerendes Zerstörungswerk .

Der passionierte Fotograf Hermann-Josef Pape erinnert sich noch genau an jenen Tag: Er war gerade auf dem Heimweg vom Kinderkarnevalsumzug, als es geschah. „Nur mit Mühe konnte ich die Kamera ruhig halten, so schockiert war ich“, blickt er zurück. Er hielt fest, was kurz zuvor geschehen war. Eine Windhose hatte die östliche Giebelwand des Glockenturmes erfasst und sie auf das Kirchendach gedrückt. Ein großer Teil des historischen Tonnengewölbes wurde zerstört, die Kirchenorgel aus dem Jahr 1658 stark beschädigt. Ein riesiges Loch klaffte inmitten des Daches.

Großes Glück hatte der damalige Organist Martin Wenning, der noch wenige Minuten vor dem Einsturz an der Orgel saß und übte. „Als er Wassereinbruch bemerkte, machte er sich sofort auf, um den Kirchmeister Walter Timmers zu benachrichtigen“, berichtet Pastor Wilfried Mahler , damaliger Seelsorger der Evangelischen Kirchengemeinde. Kantor Wenning verließ rasch das Gotteshaus, was ihm vermutlich das Leben rettete. Als er kurz darauf mit dem Kirchenmeister zurückkehrte, waren Giebelwand und Dach eingestürzt.

„Ich konnte es einfach nicht glauben“, schildert Mahler seine damaligen Gefühle. Im Nachhinein ist seine stärkste Erinnerung jedoch das gute Funktionieren und Wachsen der Ökumene in Burgsteinfurt. Plötzlich waren Unterschiede zwischen Protestanten und Katholiken nicht mehr wichtig. Barrieren in den Köpfen schwanden, man lernte sich besser kennen und rückte enger zusammen. Der möglichst rasche Wiederaufbau wurde zum beherrschenden Thema.

Ganz vereinzelt gab es auch Ansichten, die heute auf Unverständnis stoßen. „Gottes Mühlen mahlen langsam“, hieß es da, „Gott hat endlich reagiert, weil die Protestanten vor 500 Jahren der Katholischen Gemeinde die Kirche fortnahmen“. „Nur schwer vorstellbar, aber Leute äußerten damals allen Ernstes solche Gedanken“, blickt Mahler zurück.

Das ökumenische Engagement gipfelte in einem großangelegten Pfarrfest, das im Juni 1991 stolze 77 000 Mark erbrachte. Der Gesamtbetrag floss in die Restaurierung und Sanierung der Großen Kirche.

Für viele unvergesslich ist der ökumenische Wortgottesdienst im Innenhof des Schlosses, gemeinsam zelebriert vom damaligen Kreisdechanten und heutigen emeritierten Domprobst Josef Alfers und Pastor Mahler. Gläubige steckten sich gegenseitig violette und gelbe „Konfessionsfähnchen“ an.

Schauplatz des Festes unter dem Motto „Miteinander-Füreinander“ war das Areal zwischen Wilhelmsplatz, der kleinen Kirche, St. Johannes Nepomuk und Ludwigshaus. Der Zuspruch von Seiten der Bevölkerung war überwältigend. Der Pastor spielte Drehorgel, Küster Gerd Klose und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Wilfried Völker waren mit Tombolalosen unterwegs. An der Gestaltung des Festes beteiligten sich fast alle Vereine und viele weitere Personen.

Der Wiederaufbau des Gotteshauses mit seinem in Europa nahezu einmaligen selbsttragenden Tonnengewölbe war nicht leicht. Original-Pläne existierten nicht mehr, Neuvermessungen und komplizierte statische Berechnungen waren notwendig. 4,7 Millionen Mark wurden investiert. Am 1. Advent des Jahres 1991 konnte der erste Gottesdienst nach dem Wiederaufbau gefeiert werden.

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