Kräht der Hahn auf dem Mist, . . .
. . . bin ich fertig mit der Welt

Ochtrup -

Kräht der Hahn auf dem Mist, . . .“, heißt die Serie, in der die Westfälischen Nachrichten die Ochtruper Landwirte durch das Jahr begleiten und ihnen bei ihrer täglichen Arbeit über die Schulter schauen. Jetzt standen auf dem Hof von Jan Stücker Abschlussprüfungen zum Landwirt der Landwirtschaftskammer NRW an.

Samstag, 20.07.2019, 08:00 Uhr
Ferkelaufzucht und Sauenhaltung gehörten zu den Prüfungsaufgaben von Tim Hellenkamp (r.). Jan Stücker fungierte an diesem Tag auf seinem eigenen Hof als Prüfer. Foto: Susanne Menzel

„Jetzt bin ich fertig mit der Welt“, atmet Tim Hellenkamp tief aus und verdreht die Augen. Das Lächeln, das über sein Gesicht huscht, spricht allerdings eine andere Sprache. Der 30-jährige Horstmarer ist recht zuversichtlich, die gerade absolvierte Prüfung zum Landwirt ganz gut gemeistert zu haben.

Zwölf junge Männer und Frauen müssen an diesen Tag auf dem Hof Stücker in der Weiner vor einem Fachausschuss unter Beweis stellen, was sie in den vergangenen Jahren gelernt haben. Und: Ob ihr Wissen reicht, um als Gesellen ihren weiteren Berufsweg gehen zu können. „Die Prüflinge kommen aus den Kreisen Steinfurt, Münster und Warendorf“, sagt Eva Niederdalhoff, Ausbildungsberaterin bei der Landwirtschaftskammer NRW. Jährlich sind es im Bezirk Westfalen-Lippe rund 1000 bis 1100 Nachwuchskräfte im landwirtschaftlichen Bereich. „Eine konstante Zahl – trotz aller Diskussion um den Beruf. Aber die Arbeit mit den Tieren, im Ackerbau sowie mit Maschinen ist auch sehr vielseitig“, zählt sie die Vorteile auf.

Etwa 60 Prozent der Prüflinge stammen von einem elterlichen Hof, die übrigen sind „Neulinge“. Maximal für zwei Jahre dürfen die Auszubildenden in einem Betrieb bleiben, danach steht ein Wechsel an. Möglichst mit einem anderen Schwerpunkt, so dass sie ein breites Spektrum erleben.

Rainer (l.) und Jan Stücker (2.v.r.) stellten den Hof zur Verfügung. Ausbildungsberaterin Eva Niederdalhoff nahm die zwölf Prüflinge in Empfang. Moritz Hues, Azubi bei den Stückers, ist im nächsten Jahr mit seiner Lehre fertig und hat sich den Prüfungsablauf schon einmal angeschaut.

Rainer (l.) und Jan Stücker (2.v.r.) stellten den Hof zur Verfügung. Ausbildungsberaterin Eva Niederdalhoff nahm die zwölf Prüflinge in Empfang. Moritz Hues, Azubi bei den Stückers, ist im nächsten Jahr mit seiner Lehre fertig und hat sich den Prüfungsablauf schon einmal angeschaut. Foto: Susanne Menzel

Die Prüfung selbst erfolgt dann in acht unterschiedlichen Betrieben: Der eine steht für Kälberaufzucht, der andere für Rinderhaltung, der dritte beispielsweise – so wie der Hof Stücker – für die Sauen- und Ferkelhaltung. „Auf jedem Hof wird zudem der ackerbauliche Teil abgeprüft“, erklärt Niederdalhoff.

Jan Stücker, der Betriebsleiter auf dem Ochtruper Hof, ist selbst gerade einmal 27 Jahre jung. Er hat an diesem Tag nicht nur das Areal und die Maschinen (teils mit Hilfe der Nachbarn) zur Verfügung gestellt, sondern sich selbst auch als Ersatz-Prüfer. Eine Rolle, die er prompt wahrnehmen muss. „Morgens hatte sich eine Prüferin krank gemeldet“, sagt die Ausbildungsberaterin. „Da konnten wir dann schnell auf Jan Stücker zurückgreifen.“

Tim Hellenkamp setzt sich unterdessen zu seinen Kollegen, die ebenfalls ihren Testlauf schon hinter sich haben, und genießt eine Tasse Kaffee. Der Horstmarer hatte zunächst Wirtschaftsrecht studiert. Seine ältere Schwester wollte den elterlichen Hof übernehmen. Beide merkten allerdings nach einiger Zeit, „dass der Hof groß genug ist, um zwei Familien zu ernähren und wir gut gemeinsam weitermachen können“, erzählt Hellenkamp. Also absolvierte er eine weitere Ausbildung, „die mir deutlich mehr Spaß machte. Auch wenn meine Mitstreiter alle etwas jünger sind. Es ist trotzdem sehr lustig in der Gruppe. Vielleicht hat man als 30-Jähriger einen gelasseneren Blick auf die Dinge als die Anfang 20-Jährigen.“

Für den Ochtruper Jan Stücker (l.) war es der zweite Einsatz als Prüfer.

Für den Ochtruper Jan Stücker (l.) war es der zweite Einsatz als Prüfer. Foto: Susanne Menzel

Jan Stücker nickt zustimmend. Er hat nach dem Besuch der Höheren Handelsschule 2014 den staatlich geprüften Betriebswirt hinterher geschoben, ist seit diesem Jahr als Prüfer im Einsatz. An dem Tag zum zweiten Mal in seiner „Laufbahn“.

Seit drei Jahren sind die Stückers selbst Ausbildungsbetrieb, der 17-jährige Moritz Hues ist ihr zweiter Lehrling. Gemeinsam mit ihm kümmern sich Jan Stücker und Vater Rainer täglich um rund 400 Zuchtsauen sowie um 1600 bis 1700 Ferkel. Der Ackerbau mit etwa 80 Hektar Fläche kommt „on Top“. „Wir bewirtschaften alles selbst“, ist der Junior stolz. „Wir nutzen das Getreide ausschließlich für unsere Zwecke und verarbeiten es hier auch auf dem Hof. Dafür sind wir voll mechanisiert.“ Spricht‘s und schreitet zu seinem nächsten Einsatz. Auf dem Feld. Dort steht nämlich ein junger Mann nervös vor dem großen Trecker. Doch ein Blick reicht: „Der gleiche, den ich von Zuhause kenne“, ist er erleichtert. Dann steht einem positiven Prüfungsablauf eigentlich nicht mehr im Wege.

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