Als Exot bei den „Burning Roads“
Mit dem Tretroller beim Fahrradmarathon

Ochtrup -

„Es ist auf keinen Fall ein Spielzeug“, sagt Andre Thiemann. Und wer den 44-Jährigen auf seinem Tretroller in Aktion sieht, erkennt schnell, dass die Fortbewegung darauf alles andere als ein Kinderspiel ist. Das will der Stadtlohner am 15. Juni (Samstag) auch bei den „Burning Roads“ in Ochtrup unter Beweis stellen.

Samstag, 11.05.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 11.05.2019, 06:02 Uhr
Eine auffällige Figur geben Andre Thiemann und Vereinskollegin Fiona Olthof auch bei dem Fototermin am Ahauser Schloss ab. Der Stadtlohner und die Niederländerin starten am 15. Juni bei den Ochtruper „Burning Roads“. Zum Tretroller-Fahren bedarf es einer bestimmten Technik: Zum Schwungholen wird das Knie bis zum Lenker hochgezogen (r.). Foto: Susanne Menzel

Die Bewegung sieht ein wenig anstrengend und unbequem aus: Das Knie „küsst“ beim Schwungholen fast den Lenker. Und das im gleichmäßigen Rhythmus. Wieder und immer wieder. Der Gedanke an schnellen Muskelkater liegt da nicht fern.

„Ne, die Bewegung hat sich ruck-zuck eingespielt“, versichert der sportliche Treter allerdings. Andre Thiemann beschleunigt auf seinem Tretroller in null-komma-nichts. Ja, richtig gelesen: auf seinem Tretroller. Und gemeint ist damit nicht etwa das Kinderspielzeug, sondern ein ausgefuchstes Sportgerät.

Zum ersten Mal mit Tretroller

„Den meisten ist gar nicht bekannt, dass es den Roller auch für Erwachsene gibt. Selbst die Polizei weiß nicht immer einzuschätzen, wie sie ihn einordnen soll“, gibt der 44-jährige Stadtlohner lächelnd zu. Das könnte sich ändern, wenn Thiemann gemeinsam mit Vereinskollegin Fiona Olthoff bei den „Burning Roads“ am 15. Juni (Samstag) an den Start geht. Zum ersten Mal kommen die Tretroller dort zum Einsatz.

Eine GPS-Anzeige gehört auch am Tretroller dazu.

Eine GPS-Anzeige gehört auch am Tretroller dazu. Foto: Susanne Menzel

„Ursprünglich hatte ich vor fünf Jahren etwas gesucht, um meinen Hund besser auszulasten“, blickt Andre Thiemann auf die Anfänge zurück. Nach intensiven Nachforschungen im Internet stieß er auf den Tretroller. „Dog-Scootering“ nennt sich der Sport mit dem Vierbeiner. „Der Hund war begeistert, ich ebenso“, wollte Thiemann allerdings noch mehr „Input“. Er erfuhr, „dass es mit dem Roller auch ohne Tier an der Leine geht“ und begab sich von da an auch mit eigenem sportlichem Ehrgeiz an die Materie. Die erste Wettkampfteilnahme stand bald an – „da bin ich jedoch Letzter geworden.“ Aber der Stadtlohner war infiziert.

Bis zum Lenker zieht Andre Thiemann sein Knie zum Schwung holen hoch.

Bis zum Lenker zieht Andre Thiemann sein Knie zum Schwung holen hoch. Foto: Susanne Menzel

Inzwischen startet er für das niederländische Step-Team Enschede, weil es in seiner Nähe keinen deutschen Verein gibt, ist zum Vorsitzenden des Deutschen Tretroller-Verbandes gewählt worden und steigt regelmäßig auf seinen Roller.

Tretroller-Sport eher eine Nischenaktivität

Der ist übrigens eine Kombination aus Rennrad und Tretmobil. Die Räder kommen vom Bike, Tacho und GPS aus dem Zweiradbedarf, Lenker und Rahmen sind vielfach Marke Eigenbau. Wie bei seiner Team-Kollegin Fiona.

Die Lenker sind mitunter eine Spezialanfertigung. Manche kommen allerdings auch aus dem Fahrrad-Bereich.

Die Lenker sind mitunter eine Spezialanfertigung. Manche kommen allerdings auch aus dem Fahrrad-Bereich. Foto: Susanne Menzel

„Viele, die hören, welchen Sport ich betreibe und dass ich Distanzen so im Trainingsschnitt von 80 bis 90 Kilometern zurücklege, schütteln mit dem Kopf und erklären mir salopp: Du hast einen Schuss“, nimmt Andre Thiemann solche Reaktionen allerdings gelassen. „Andere, besonders ältere Menschen, erinnert das Gefährt an ihre Kindheit. Manche wollen auch mal Probefahren“, freut er sich. Allerdings bringen sie dann kaum die Geschwindigkeit von 25 km/h und schneller (manche schaffen auf idealem Asphalt 40 km/h) auf die Strecke. Bei Fiona Olthof ist es – bis auf den Vater – gleich die komplette Familie mit Mutter und Brüdern, die über die Straßen Hollands rollt.

Burning Roads 2018

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  • 500 radeln bei „Burning Roads“ für guten Zweck.

    500 radeln bei „Burning Roads“ für guten Zweck.

    Foto: Rike Rombült
  • 500 radeln bei „Burning Roads“ für guten Zweck.

    Foto: Rike Rombült
  • 500 radeln bei „Burning Roads“ für guten Zweck.

    Foto: Rike Rombült
  • 500 radeln bei „Burning Roads“ für guten Zweck.

    Foto: Rike Rombült
  • 500 radeln bei „Burning Roads“ für guten Zweck.

    Foto: Rike Rombült
  • 500 radeln bei „Burning Roads“ für guten Zweck.

    Foto: Rike Rombült
  • 500 radeln bei „Burning Roads“ für guten Zweck.

    Foto: Rike Rombült
  • 500 radeln bei „Burning Roads“ für guten Zweck.

    Foto: Rike Rombült

Noch ist der Tretroller-Sport eher eine Nischenaktivität in den hiesigen Landen wie aber auch jenseits der Grenze, wissen beide. „Man muss noch viel Aufklärungsarbeit leisten“, sind sich Thiemann und Olthof bewusst. Dennoch nehmen sie regelmäßig an Wettkämpfen teil – bringen es auf acht bis zehn pro Saison – und sammeln nicht nur entsprechende Erfahrung, sondern auch Wertungspunkte. „Die Leute an den Strecken gucken schon immer irritiert, wenn wir auftauchen“, weiß Andre Thiemann: „Wir sind eher noch versprengte, exotische Einzelkämpfer. Aber es ist gut fürs Selbstbewusstsein, weil man mit vielen Menschen in Kontakt kommt. Und für die körperliche Fitness macht es sich allemal bezahlt.“ Keine Frage, wenn man ihm beim Sporteln zusieht: Knie bis zum Lenker – und ab rollt die Post.


Aus acht Einzelkämpfern wuchs eine 500er Teilnehmergemeinde

Acht Teilnehmer waren es, die 2007 bei der ersten „Tour d‘ Emsland“, wie sie damals noch hieß, an den Start gehen. Heute, zwölf Jahre später, sind es bei den „Burning Roads“, wie das Event inzwischen heißt, 500 Aktive zwischen 30 und 55 Jahren in den Disziplinen Renn-, Liege- oder Spezialrad. „Meistens sind wir ein halbes Jahr vor dem Start ausgebucht“, sagt Mit-Organisator Thorsten Stening.

„Letztens dauerte es gerade mal vier Tage, bis wir das Teilnehmer-Limit erreicht hatten.“ Zwei Ehrenamtliche kümmern sich als „harter Kern“ um die Organisation, 15 Ehrenamtliche dann am Starttag für den optimalen Ablauf.„Das ist schon ein Kräfteaufwand“, gibt Thorsten Stening zu: „Zumal wir Wert auf Qualität bei der Strecke, beim Ambiente wie auch bei der Verpflegung legen. Das wissen die Fahrer zu schätzen.“ 35 Euro beträgt die Teilnahme-Gebühr.

Das, was an Einnahmen übrig bleibt wird für den „Roten Keil“ gespendet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, „Kinder vom Strich zu holen“.Die Sportler können bei den „Burning Roads“ zwischen zwei Strecken wählen: den 210 Kilometern (grün, Start um 8 Uhr) für Einsteiger und den 330 Kilometern (rot, Start um 5 Uhr) „für die Brettharten“, wie Thorsten Stening es beschreibt. Die Strecken sind kombinierbar: am Knotenpunkt Bad Rothenfelde steht die Entscheidung zwischen Notausgang und Knochentour an. Zurück erwartet an der Realschulsporthalle werden die Fahrer an dem Samstag ab 16 Uhr.

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