Sekretärin der Realschule wird heute in den Ruhestand verabschiedet
Jeder kennt Rosi Gaupel

Ochtrup -

Sie ist eines der letzten Urgesteine am Ochtruper Schulzentrum: Rosi Gaupel, Sekretärin der Realschule geht am Donnerstag (22. März) in den Ruhestand. Seit fast 30 Jahren kümmert sie sich um Schüler, Lehrer, Schulleitung und alles, was es sonst noch so an einer weiterführenden Schule zu managen gibt.

Donnerstag, 22.03.2018, 05:03 Uhr

An ihrem Schreibtisch laufen an der Realschule die Fäden zusammen. Sekretärin Rosi Gaupel geht am heutigen Donnerstag nach fast 30-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand. Foto: Anne Steven

Das Telefon schrillt, Türen gehen, Schüler und Lehrer geben sich die Klinke in die Hand, die Schulleitung möchte auch etwas, und während ein Handwerker an ihrem Schreibtisch werkelt, ist Rosi Gaupel die Ruhe selbst. Seit fast 30 Jahren arbeitet die 65-Jährige als Sekretärin der Realschule. Und dort gibt es wohl keinen Schüler, der Rosi nicht kennt. Heute wird mit ihr eines der letzten Urgesteine am Schulzentrum in den Ruhestand verabschiedet.

Fast 30 Jahre lang begann ihr Tag morgens früh um 6.30 Uhr. Ihre Aufgabe? „Management!“, sagt die stellvertretende Schulleiterin, Beate Schlee, mit Überzeugung. Rund 1000 Personen gehen an der Realschule täglich ein und aus. Da gilt es im Sekretariat, jede Menge Dinge zu koordinieren, abzusprechen und zu regeln. Am Telefon wollen Eltern ihre Kinder krankmelden. Zeitgleich kommen Schüler ins Sekretariat, die noch schnell eine Essensmarke kaufen möchten. Einer der Lehrer hat eine Frage zum Vertretungsplan, und dann kommt eine weitere Schülerin herein, die über Bauschmerzen klagt. „Man muss Menschen mögen“, weiß Rosi Gaupel, dass ihr Job nichts für jeden ist. Immer ist sie mitten im Getümmel, immer ist es „rummelig“, wie sie sagt, ständig will jemand etwas. Da ist Stressresistenz gefragt. Und trotzdem: „Es gab nicht einen Tag, an dem ich gesagt habe: Ich habe heute keinen Bock“, betont die 65-Jährige.

Dass sie ihren Job liebt, bekommen auch die zahlreichen Schüler zu spüren – besonders die Fünftklässler, die anfangs ein bisschen Unterstützung benötigen. „Das ist ja auch verständlich, wenn man zum Beispiel von der Dorfschule in Langenhorst an diesen großen Laden kommt“, weiß Rosi Gaupel, die laut Beate Schlee ein „phänomenales Namensgedächtnis“ hat. „Entweder den Vor- oder den Hausnamen weiß ich immer – auch bei ehemaligen Schülern“, erzählt die Sekretärin, die privat gern liest oder Radtouren unternimmt. Wenn sie dabei auf einen Realschüler trifft, gibt es meistens ein großes Hallo. „Das ist schön“, freut sich die Ochtruperin über die Zuneigung der Jugendlichen.

Ihre besondere Betreuung für die Fünftklässler besteht meistens in der Orientierungshilfe. Und wer von Rosi Gaupel gefragt wird, wo er oder sie wohnt, lernt an der Realschule zu antworten, in welche Klasse er geht. Und auch im Schlüsselsuchen ist Rosi Gaupel Profi. „Ich weiß nicht, wie häufig Rosi schon vermeintlich verloren gegangene Fahrradschlüssel aus den Taschen der Schüler gezaubert hat“, erzählt Beate Schlee und muss lachen.

Ihr fällt es sichtlich schwer, die langjährige Kollegin ziehen zu lassen – auch wenn Rosi Gaupel der Realschule nicht ganz den Rücken kehrt. Zur Unterstützung ihrer Nachfolgerin Sandra Feldhues kehrt die 65-Jährige zunächst noch dienstags und donnerstags stundenweise an ihren alten Arbeitsplatz zurück. Den Dreh- und Angelpunkt im Management hat der anfangs erwähnte Handwerker nun um eine kleine Arbeitsfläche erweitert. Dort wird Rosi Gaupel künftig arbeiten. Enkeltochter Mara durfte Omas Spezialbehandlung als Fünftklässlerin noch mitnehmen. „Das hat mich natürlich besonders gefreut“, sagt die stolze Großmutter.

Der ganze Trubel werde ihr vermutlich schrecklich fehlen. Doch an Beschäftigungsmöglichkeiten mangele es ihr nicht, sagt sie bestimmt und nimmt an ihrem Schreibtisch Platz – da, wo alle Fäden zusammenlaufen.

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