Gaststätte Pliete schließt
Ungezählte Hochzeitsmenüs

Ochtrup -

Es ist Zeit, Tschüss zu sagen: Die Gaststätte Pliete öffnet am Freitag zum letzten Mal ihre Türen. Die Wirte Bernhard und Annette Pliete gehen in den Ruhestand. Damit geht eine Ära in der Weiner-Bauerschaft zu Ende.

Donnerstag, 28.12.2017, 06:12 Uhr

Bernhard und Annette Pliete gehen in den Ruhestand und schließen ihre Gaststätte, die 1878 eröffnet hatte, wie der „polizeiliche Erlaubnisschein“ (rechts) zeigt.
Bernhard und Annette Pliete gehen in den Ruhestand und schließen ihre Gaststätte, die 1878 eröffnet hatte, wie der „polizeiliche Erlaubnisschein“ (rechts) zeigt. Foto: Irmgard Tappe

Alles ist wie immer. Auf dem Sims über der Theke sind Pokale des FC Schwarz-Weiß Weiner aufgereiht. An den Wänden hängen die Schränkchen der Sparclubs. Und der Schankraum strahlt den typischen Charme einer Bauerschafts-Gaststätte aus.

An diesem Tag aber hängt eine gewisse Abschiedsstimmung in der Luft. Denn zum Jahresende schließen Bernhard und Annette Pliete ihr Lokal in der Weiner. „Aufhören, wenn man noch bei guter Gesundheit ist“, das ist ihre Devise. „Wir möchten unseren Gästen in jeder Hinsicht gerecht werden. Und das geht nur, solange man sich noch fit fühlt“, erklärt Annette Pliete.

Ihr Mann hat gerade die Post hereingeholt. Karten von treuen Gästen und Mitarbeitern sind dabei. „Ganz Ochtrup ist traurig, dass ihr schließt. Wir auch. Aber wir können es verstehen, dass ihr euch zur Ruhe setzen möchtet“, liest Pliete seiner Frau vor. „Wir haben in letzter Zeit mit vielen unserer Gäste über unsere Schließung gesprochen. Sie sind zwar nicht glücklich darüber, können unsere Entscheidung aber nachvollziehen“, sagt der Gastronom.

Sein Urgroßvater habe die Gaststätte am 13. August 1878 eröffnet, berichtet er und zeigt den „Polizeilichen Erlaubnisschein“. Dass Bernhard Pliete die Gaststätte seiner Väter mal übernehmen würde, stand bereits bei seiner Geburt fest. „Ich war der Älteste und hatte somit den familiären Betrieb weiterzuführen. Der Älteste macht es. Das war früher so“, beschreibt der 69-Jährige ein ungeschriebenes Gesetz aus damaliger Zeit.

Dennoch hat der Ochtruper eine Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht. Auch seine Frau Annette ist gelernte Industriekauffrau. Vor 40 Jahren hat das Ehepaar die Traditionsgaststätte dann übernommen. Das Kochen für größere Gesellschaften war von nun an eine neue Herausforderung für Annette Pliete. Sie hat nicht mitgezählt, für wie viele Hochzeiten und Ehejubiläen sie schon ein „Münsterländer Hochzeitsmenü“ auf den Tisch gebracht hat. „Aber mir hat das Kochen viel Freude gemacht. Und ich hatte immer sehr gute Mitarbeiter“, bemerkt die 63-Jährige.

Einige Erinnerungen werden wach in diesen letzten Tagen vor der Schließung. Bernhard und Annette Pliete erzählen von der Feier anlässlich des 100-jährigen Bestehens ihrer Gaststätte im Jahre 1978. Von den Vereinen, Sparclubs und Landwirten, die in ihrem Saal getagt haben. Und von der Silberhochzeitsfeier während des Schneechaos, die trotz aller Hürden und Improvisationen ein tolles Fest wurde.

Ehejubiläen, runde Geburtstage und Vereinsversammlungen haben sich im Laufe der vier Jahrzehnte zum Schwerpunkt im Hause Pliete entwickelt. Der Thekenbetrieb indes ist laut Pliete stark zurückgegangen. Der kleine Dämmerschoppen nach Feierabend etwa ist längst Vergangenheit.

Und wie geht es nun weiter mit der Lokalität? Bernhard Pliete zuckt mit den Achseln. „Es ist noch offen, wie die Räumlichkeiten künftig genutzt werden. Einen geeigneten Pächter haben wir bislang nicht gefunden. Im Außenbezirk ist das nicht so einfach. Da gibt es viele Auflagen“, sagt er. Dass einer der vier Söhne die Gastronomie weiterführen würde, sei nie ein Thema gewesen. „Die haben uns zwar bei größeren Festen immer gut unterstützt. Aber beruflich haben sich alle für eine andere Richtung entschieden. Und nebenbei die Gaststätte führen, das ließe sich mit ihren Berufen nicht vereinbaren“, berichtet Annette Pliete.

Am morgigen Freitag öffnet die Lokaltür ein letztes Mal für treue Gäste, Nachbarn und Freunde. Danach geht die Ära einer Traditionsgaststätte in der Weiner-Bauerschaft zu Ende. Bei Bernhard und Annette Pliete schwingt einerseits ein bisschen Wehmut mit. Andererseits freuen sie sich aber auch auf ihren Ruhestand. Darauf, dass sie von nun an ohne Zeitdruck etwas unternehmen und ihr Privatleben spontan gestalten können. Das ist es, was das Ehepaar von nun an genießen möchte.

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