Imker Heinz Wilpers erzählt
Bienen leiden Hunger

Ochtrup -

Auf dem einen Zettel, den Heinz Wilpers in der Hand hält, ist ein Naturgedicht zu lesen, auf dem anderen ein Artikel zum Thema Bienensterben. Der Schutz der Natur ist dem gebürtigen Ochtruper, der seit 2002 in Schöppingen lebt, ein besonderes Anliegen. Ein Thema, das den leidenschaftlichen Imker besonders umtreibt, ist die Zukunft der Bienen.

Dienstag, 20.06.2017, 06:06 Uhr

Blühstreifen sind Lebensraum: Die bunte Pracht bietet Nektar für Schmetterlinge und Bienen. Um deren Zukunft sorgen sich Heinz und Renate Wilpers (kl. Bild).
Blühstreifen sind Lebensraum: Die bunte Pracht bietet Nektar für Schmetterlinge und Bienen. Um deren Zukunft sorgen sich Heinz und Renate Wilpers (kl. Bild). Foto: Anne Spill

Auf dem einen Zettel, den Heinz Wilpers in der Hand hält, ist ein Naturgedicht zu lesen, auf dem anderen ein Artikel zum Thema Bienensterben. „Das werfe ich schon mal Leuten in den Briefkasten, die unpfleglich mit der Umwelt umgehen“, erklärt der 75-jährige Imker. Der Schutz der Natur ist dem gebürtigen Ochtruper, der seit 2002 in Schöppingen lebt, ein besonderes Anliegen. Seit vielen Jahren macht er sich – zusammen mit Ehefrau Renate – dafür stark. Ein Thema, das den leidenschaftlichen Imker besonders umtreibt, ist die Zukunft der Bienen.

Und die bereitet Wilpers, der auch im Ochtruper Imkerverein aktiv ist, zurzeit ganz gehörig Sorgen. Was sich schon seit Jahren anbahne, sei in diesem Sommer ganz besonders deutlich geworden, berichtet er. Blumen und Hecken seien zu einem erschreckend großen Teil verschwunden. „Die Bienen finden keine Nahrung mehr.“ Bei seinen eigenen Völkern könne er ja noch nachhelfen, erläutert Wilpers. „Wir füttern derzeit mit Resthonig zu.“ Doch die Wildbiene oder die Hummel müssten schlicht hungern. Die einfache wie fatale Folge: Es gibt immer weniger der wichtigen Insekten.

Gründe für das Bienensterben sieht Wilpers viele. Einer sei, dass Landwirte verstärkt auf Monokulturen setzen und ihre Flächen mit chemischen Substanzen behandeln. „Aber wir können die Bauern nicht für alles verantwortlich machen“, betont der 75-Jährige. Zumal es auch viele positive Beispiele in der Landwirtschaft gebe – Berufsvertreter, die Blühstreifen einplanen oder Flächen rund um ihren Hof stilllegen. „Und dafür kann man nur Danke sagen“, meint Wilpers.

Neben der Landwirtschaft sieht der gebürtige Ochtruper außerdem die Kommunen in der Pflicht. Er findet, dass viele städtische oder gemeindliche Grünflächen zu intensiv gemäht werden. „Da wird nicht nur Sprit verschleudert, da werden auch Steuergelder verschwendet“, sagt er. Schöner anzusehen und nützlicher sei es doch, statt des kurzen Grüns einen Teil mit Wild- oder Sommerblumen einzusäen, findet Renate Wilpers. Manche Kommunen tun das bereits.

Und auch mit Privatgärten haben die Wilpers manchmal so ihre Schwierigkeiten: Of bestünden diese nämlich nur noch aus raspelkurz gemähter Rasenfläche oder gar Kiesbeeten. „Man könnte doch auch in der Mitte ein Beet mit Tagetes oder Dahlien anlegen“, gibt Heinz Wilpers einen Tipp. „Das ist doch gar nicht so viel Aufwand. Und wenn das alle machen würden, würde das schon einiges bringen.“ Ein Stück weit könne man die Umwelt auch ruhig sich selbst überlassen, finden die Wilpers. „Wir lassen zum Beispiel Brennnesseln stehen.“ Die Natur müsse einfach mehr zum Blühen kommen, fasst Heinz Wilpers zusammen.

Und da kommt wieder ein Zettel ins Spiel, den der 75-jährige Imker aus Schöppingen ebenfalls gerne weitergibt. Ein Spruch ist darauf zu lesen, der Papst Johannes XXIII zugeschrieben wird. „Wir sind nicht auf der Erde, um ein Museum zu hüten, sondern um einen Garten zu pflegen, der von Leben blüht und für eine großartige Zukunft bestimmt ist.“ Das trifft Heinz Wilpers‘ Anliegen ziemlich genau. Und er wird nicht müde, sich dafür einzusetzen.

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